Kleinstaaten in Syrien und Palästina



Die Kleinstaaten der Region Syrien und Palästina waren während der Bronzezeit häufig von Ägypten, Assyrien und Hatti umkämpft. Dokumente aus der syrischen Küstenstadt Ugarit belegen eine Bedrohung um 1190 v. Chr. Schließlich ging die staatliche Ordnung im Zuge der Seevölker-Attacken und der nachfolgenden Wirren unter.

Kenntnisstand

Syrien bezeichnet als antiker Kulturraum das Gebiet zwischen Euphrat und Mittelmeer südlich der Gebirge Anatoliens, während Palästina südlich daran anschließt und zwischen Jordangraben und Mittelmeer die Brücke zu Ägypten bildete. Aufgrund seiner geografischen Lage bot Syrien eine Verbindung von Mesopotamien zum Mittelmeer. Das Land war wegen der widerstandsfähigen Zedern des Libanongebirges begehrt, die für die Schiffe der Küstenbewohner benötigt und dafür über Wasser nach Ägypten und auf dem Landweg nach Mesopotamien geliefert wurden. Nachgewiesene Handelskontakte des bedeutenden, an der syrischen Mittelmeerküste gelegenen Handels- und Kulturzentrums Ugarit reichen nach Ägypten, ins Binnenland sowie nach Zypern und in die Ägäis.

Palästina hatte als Brücke zwischen Ägypten und Arabien, Anatolien, Mesopotamien und Syrien eine ähnliche geostrategische Bedeutung. Ab dem 16. Jh. v. Chr. war Palästina eine ägyptische Provinz, wobei die örtliche Regierungsgewalt weiterhin den lokalen Dynastien überlassen blieb, von denen es mehrere hundert gab.

In der späten Bronzezeit trafen in Syrien und Palästina die Interessen der Großmächte Ägypten, Assyrien und Hatti aufeinander. So belegen Schriftfunde in Ugarit, dass die Stadt zunächst Vasall Ägyptens war, ab 1330 v. Chr., nach mehreren Feldzügen Šuppiluliumas I., jedoch auf der Seite der Hethiter stand. 1274 v. Chr. entluden sich die Konflikte zwischen Hatti und Ägypten in Syrien in der Schlacht von Kadesch. Der Ausgang begünstigte eher die Hethiter, doch Ramses festigte seine Stellung derweil an der Küste von Palästina.

Die staatliche Ordnung ging in Syrien und Palästina im Zuge der Seevölker-Attacken und der nachfolgenden Wirren um 1190 v. Chr. unter. Schriftfunde belegen das Auftauchen von feindlichen Schiffen und einen Hilferuf des ugaritischen Königs, der jedoch nicht mehr abgesandt werden konnte. Das Ende der Städte im Landesinneren und im Euphrattal kann zwar nicht direkt auf eine Invasion zur See zurückgeführt werden, muss aber mit den Wanderungen und Invasionen und mit dem Zusammenbruch der staatlichen Ordnung zusammenhängen.

Anregungen

Rivalität und Zersplitterung

Weder die hethitischen Großkönige noch die ägyptischen Pharaonen hatten ein Interesse daran, dass die Kleinstaaten in Syrien/Palästina ihre Rivalität und Zersplitterung überwanden. Uneins, wie der Nahe Osten damals war, diente er den Großmächten als nützliche Ansammlung steuerzahlender Vasallen.

Im Rahmen der Ereignisse, die letztlich zum Untergang des Hethiterreichs führten, scheint Syrien eine Schlüsselrolle zugefallen zu sein. Sowohl die Kleinstaaten im Westen Kleinasiens wie auch die vermutlich kaškäischen Stämme im Norden galten ohnehin als notorische Unruhestifter. In Syrien hatte der Großkönig von Hatti um 1200 v. Chr. hingegen treue Vasallen. Die Invasion der Seevölker in Ugarit zielte demnach möglicherweise darauf ab, den hethitischen Großkönig zu schwächen.

Der Einfluss der mykenischen Kultur auf diese Region scheint nicht sehr groß gewesen zu sein. Auffällig ist, dass Ugarit zwar große Mengen mykenischer Keramik erhielt, aber kein einziges Linear-B-Dokument in der Bibliothek gefunden wurde. Auch ließ sich unter den etwa 2000 Personen, die in den Schriftzeugnissen aus Ugarit erwähnt werden, kein einziger mykenischer Name entdecken.

Literatur

Creuzer, Georg Friedrich (1845): Die historische Kunst der Griechen in ihrer Entstehung und Fortbildung. Leske, Leipzig, 1-428.
Drews, Robert (1993): The End of the Bronze Age – Changes in Warfare and the Catastrophe ca. 1200 B.C. Princeton University Press, Princeton, 1-252.
Näf, Beat (2010): Antike Geschichtsschreibung – Form, Leistung, Wirkung. Kohlhammer, Stuttgart, 1-252.
Yon, Marguerite (2006): The city of Ugarit at Tell Ras Shamra. Eisenbrauns, Winona Lake, Indiana, 1-19.


Die Anordnung des historischen Stoffes steht mit der Ansicht und dem Urtheile des Geschichtsschreibers in der innigsten Verbindung.

Georg Friedrich Creuzer 1845, 89

Keine historische Darstellung ist so dauerhaft, als dass sie nicht immer wieder neu in Angriff genommen werden müsste.

Beat Näf 2010, 180

Professionelle Historikerinnen und Historiker entwickeln eigenartige Vorlieben für in der Gegenwart Vorteile versprechende Selbstbeschränkungen auf Ausschnitte des Geschichtlichen.

Beat Näf 2010, 17