Die Philister in Kanaan und Palästina



Die Philister, die sich im 12. Jh. v. Chr. unter ägyptischer Schirmherrschaft an der Küste Palästinas ansiedelten, werden von den meisten Forschern den Seevölkern zugerechnet. In den ägyptischen Inschriften sind sie als „Peleset“ aufgeführt. Vieles deutet auf eine griechische Abstammung hin. Denkbar wäre, dass die Philister tatsächlich Mykener und an den Kriegen beteiligt waren, jedoch nicht auf der Seite der ursprünglichen Angreifer.

Kenntnisstand

Die Philister besiedelten im 12. Jh. v. Chr. die fruchtbare Küste des historischen Palästina. Sie gründeten dort fünf Stadtstaaten (Aschdod, Aschkelon, Ekron, Gath und Gaza), die sich in einer Konföderation zusammenschlossen. Zunächst standen sie noch unter der Schirmherrschaft Ägyptens. Ende des 12. Jh., als die Macht Ägyptens schwand, übernahmen sie die Vormacht in der Region. Palästina heißt denn auch „Land der Philister“.

Die Herkunft der Philister konnte bisher nicht vollständig geklärt werden. Die große Mehrheit der Forscher rechnet sie den Seevölkern zu, da sie unter diesen als „Peleset“ aufgezählt werden. Die Philister könnten dabei von den ägäischen Inseln und vom griechischen Festland stammen. Andere Forscher betrachten die Philister zwar ebenfalls als Teil der Seevölker, vermuten jedoch die West- und Südküste Kleinasiens als Herkunftsland.

Anregungen

Die Freunde Ägyptens

Dass die Philister aus den Seevölkern hervorgingen, scheint heute kaum noch umstritten. Auch finden sich verschiedene Hinweise auf eine ägäische Herkunft: Zum einen ist die Keramik der Philister der zeitgenössischen griechischen Keramik sehr ähnlich, und zum anderen heißt es im Alten Testament, dass die Peleset aus Kreta stammten. Das legt den Schluss nahe, dass mykenische Griechen an den Seevölker-Invasionen beteiligt waren.

Die Peleset durften nun allerdings in den fruchtbarsten und wertvollsten Gegenden Palästinas siedeln, die bis dahin unter ägyptischer Kontrolle gestanden hatten. Ägypten ließ die Ansiedlung der Peleset nicht nur zu, sondern übertrug ihnen sogar Verantwortung und Rechte. Es ist kaum vorstellbar, dass diese Vorzüge einem Barbarenvolk eingeräumt wurden, das Ägypten erst kurz zuvor heimtückisch überfallen hatte. Eine griechische Teilnahme an den eigentlichen Seevölker-Invasionen passt auch nicht zu den allgemein freundschaftlichen Beziehungen zwischen dem Neuen Reich in Ägypten und Mykene.

Es ist durchaus denkbar, dass die Philister tatsächlich aus den Peleset hervorgegangen sind und sich hinter diesen mykenische Griechen von Kreta oder vom griechischen Festland verbargen. Allerdings waren die Mykener – als Gegner der Koalition luwischer Kleinstaaten – eher politische Verbündete der Ägypter. Deshalb erhielten sie nach ihren Siegen während der Krisenjahre die besten Siedlungsplätze in Kanaan als Gegenleistung für ihren Einsatz und Sieg. Die Peleset gehörten also nicht zur Koalition luwischer Kleinstaaten. Dass sie trotzdem zu den Seevölkern gezählt werden, ist darauf zurückzuführen, dass sie mit ihren Vergeltungsschlägen massiv zu den Zerstörungen während der Krisenjahre beitrugen.

Literatur

Eißfeldt, Otto (1936): “Philister und Phönizier.” Der alte Orient 34 (3), 1-41.
Finkelstein, Israel (2000): “The Philistine Settlements: When, Where and How Many?” In: The Sea Peoples and Their World: A Reassessment. Eliezer D. Oren (ed.), The University Museum, University of Philadelphia, Philadelphia, 159-180.
Nibbi, Alessandra (1972): The Sea-Peoples: A Re-examination of the Egyptian Sources. Church Army Press and Supplies, Oxford, 1-73.


Der Zeitpunkt ist gekommen, an dem alle unsere Vorstellungen über die sogenannten Seevölker aufgehoben und der Text als Ganzes komplett neu betrachtet werden sollte.

Alessandra Nibbi 1972, Vorwort