Leitgedanken der Stiftung



Dass sich die Wissenschaft den minoischen und mykenischen Zivilisationen zuwandte und dabei den luwischen Kulturkreis in Westkleinasien weitgehend übersah, ist auch auf den im 19. Jh. aufkommenden Philhellenismus zurückzuführen. Es ist unter anderem diese Verzerrung, die dazu geführt hat, dass das Ende der Bronzezeit bis heute Rätsel aufwirft. Systematische Forschung könnte aufzeigen, welchen Einfluss die Luwier tatsächlich auf westliche Zivilisationen hatten.

Mittelalter und Neuzeit

Eine tausend Jahre währende Bewunderung für alles Trojanische wandelte sich nach der Eroberung von Konstantinopel (ab 1453) schrittweise in eine fast vollständige Ablehnung um, weil Troja außerhalb Europas – auf dem Boden der heutigen Türkei – lag. Philhellenismus und die Missbilligung alles Türkischen zeigten noch um 1920 Auswirkungen, als der Ausgräber von Knossos Troja und seine Umgebung aus dem Forschungsbereich der Ägäischen Frühgeschichte ausklammerte. – Luwian Studies möchte diese Forschungslücke schließen und den minoischen und mykenischen Zivilisationen einen luwischen Kulturkreis am Ostufer der Ägäis gegenüberstellen. Wir haben im Westen der Türkei 340 größtenteils unerforschte Siedlungsplätze aus dem 2. Jt. v. Chr. , in denen sich Siedlungsspuren der Luwier bewahrt haben, systematisch erfasst.

Quellenkonvergenz

Vielleicht auch weil die antiken Texte durchaus im Widerspruch zu den Erklärungsversuchen der Philhellenen des 19. Jh. standen, erfanden Philologen um 1820 die sogenannte „Quellenkritik“, das heißt, die Glaubwürdigkeit der überlieferten Inhalte wurde fortan hinterfragt. – Luwian Studies propagiert nun einen neuen Ansatz, die „Quellenkonvergenz“, das heißt, zur Rekonstruktion der Vergangenheit sollten möglichst viele verschiedene Quellen herangezogen werden. Dazu zählen allen voran Dokumente, Ausgrabungen und die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Untersuchungen. Komplexe Ereignisketten lassen sich am ehesten durch die Kombination unterschiedlicher Überlieferungen rekonstruieren.

Krieg und Katastrophen

Wir sind der Ansicht, dass die Wirkung von Naturkatastrophen noch immer überbewertet wird. Naturkatastrophen haben noch nie Kultureinbrüche verursacht. Die alten Paläste auf Kreta fielen um 1700 v. Chr. Überfällen – und nicht Erdbeben – zum Opfer. Die Caldera von Thera stürzte nicht in minoischer Zeit ein, und es entstand kein Tsunami als Folge des Thera-Ausbruchs. – Grundsätzlich gilt, dass die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Untersuchungen nicht zwangsläufig die seit langem bestehenden Lehrmeinungen der Archäologie bestätigen werden.

Troja

Das Königreich Troja umfasste im 13. Jh. v. Chr. die gesamte Biga-Halbinsel – von Edremit bis ans Marmarameer. Am westlichen Rand dieser Region lag die Stadt gleichen Namens, die um ein Hundertfaches grösser war als die heute bekannte Fundstätte Hisarlık. Die Stadt Troja wurde der Überlieferung zufolge zweimal im Abstand von ein bis zwei Generationen von griechischen Angreifern zerstört. Beide Zerstörungshorizonte sind archäologisch gut bekannt. Manches deutet darauf hin, dass die Stadt (Troja VIIa) im Sommer 1182 v. Chr. den griechischen Angreifern in die Hände fiel.

Überlieferung

Es ist sehr gut denkbar, dass die in Ägypten überlieferten „Seevölker-Invasionen“ Überfälle luwischer Streitkräfte auf die Küstenländer des östlichen Mittelmeers beschreiben. Mit dem Begriff „Trojanischer Krieg“ bezeichneten griechische Schriftsteller die Gegenangriffe der mykenischen Griechen. Die Seevölker-Invasionen und der Trojanische Krieg gehören demnach zur gleichen Ereigniskette, wobei die Luwier und nicht die Griechen die ursprünglichen Aggressoren waren. Die Odyssee schildert den Bürgerkrieg auf dem Peloponnes um 1180 v. Chr., der sich an den Sieg in Troja anschloss. Im Rahmen der Völkerwanderungen, die in dieser Zeit und danach stattfanden, entstand in Italien der Keim für die etruskische Kultur durch Zuwanderungen und Impulse aus der Troas. Auch das im antiken Griechenland verbreitete Wissen – und damit viele heute noch gebräuchliche Errungenschaften – basiert zum großen Teil auf luwischen Überlieferungen.

Archäologische Feldarbeit

Und schließlich: Archäologische Ausgrabungen reichen fast nie tief genug.