Sternspuren über Hattusa zeigen die kosmische Achse. (© Bernd Pröschold/Luwian Studies)
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Kurzvideo erreicht in der ersten Woche über 100’000 Leute
Die jüngste wissenschaftliche Publikation über Yazılıkaya hat in kurzer Zeit grosse Resonanz erlangt. Nach weniger als einer Woche hatten bereits über 100’000 Personen das neue…
Leicht verständliche Zusammenfassungen und Medienberichte
Die Veröffentlichung des neuesten Artikels in JSA über die kosmische Symbolik in Yazılıkaya wurde von der Publikation leicht verständlicher Zusammenfassungen begleitet, welche die Wissenschaftler, die…
Kosmischer Symbolismus in Yazılıkaya – umfassende wissenschaftliche Publikation in JSA
Das Journal of Skyscape Archaeology (JSA) hat heute einen umfassenden wissenschaftlichen Beitrag über den kosmischen Symbolismus im hethitischen Felsenheiligtum Yazılıkaya bei Hattusa veröffentlicht. Demnach stellt…
LETZTE TWEETS

A Symbolic Image of the Cosmos: The Hittite Rock Sanctuary at Yazılıkaya – Popular Archeology https://popular-archaeology.com/article/a-symbolic-image-of-the-cosmos-the-hittite-rock-sanctuary-at-yazilikaya/

Hittite Rock Art Reveals Cosmological View of the Universe – http://ARTnews.com https://www.artnews.com/art-news/news/hittite-rock-art-cosmological-view-hattusa-1234597021/

Das hethitische Felsenheiligtum Yazılıkaya kann erstmals in seiner Gesamtheit erklärt werden

Nach fast zweihundert Jahren wissenschaftlicher Forschung ist es erstmals möglich, ein Modell vorzulegen, das alle über 90 Reliefs der Gottheiten im hethitischen Felsenheiligtum Yazılıkaya erklärt. Ein internationales und interdisziplinäres Team bestehend aus Archäologen und Astronomen präsentiert ein Modell, wonach das Heiligtum eine symbolische Darstellung der kosmischen Ordnung ist, wie sie sich die Hethiter vorgestellt haben. Die künstlerischen Reliefs repräsentieren einerseits die statischen Ebenen des Kosmos – Unterwelt, Erde, Himmel und die wichtigsten Gottheiten ganz zuoberst am Ankerpunkt der Himmelsachse – und andererseits auch die zyklischen Prozesse der Erneuerung und Wiedergeburt, darunter Tag und Nacht, die Phasen des Mondes und die Jahreszeiten. Jede der über neunzig Figuren lässt sich in dieses System einordnen. Die entsprechende wissenschaftliche Veröffentlichung trägt den Titel „Celestial Aspects of Hittite Religion, Part 2: Cosmic Symbolism at Yazılıkaya“ und ist im von Experten geprüften Journal of Skyscape Archaeology erschienen.

 

 

Die Untersuchung wurde durchgeführt von dem Geoarchäologen Eberhard Zangger, Präsident von Luwian Studies in Zürich, E.C. Krupp, Direktor des Griffith Observatory in Los Angeles, Serkan Demirel, Althistoriker an der Karadeniz Technical University in der Türkei, und Rita Gautschy, Archäologin und Astronomin am Institut für Archäologie der Universität Basel.

Die statischen Ebenen und die Himmelszyklen werden im gesamten Heiligtum hervorgehoben – jedes einzelne Relief bezieht sich auf dieses System.
Eine neue Perspektive bei der Untersuchung der hethitischen und luwischen Religion

Kosmischer Symbolismus in Yazilikaya

Die Reliefs in Yazılıkaya illustrieren die drei Hauptelemente der kosmischen Ordnung: die Erde, den Himmel und die Unterwelt. Sie zeigen, wie diese Ebenen und damit alle Teile des Kosmos von Gottheiten bevölkert sind. Im altorientalischen Glaubenssystem wurde die kosmische Ordnung durch ständige Erneuerung stabilisiert, wobei himmlische Gesetzmäßigkeiten den Takt vorgeben. Zyklische Erneuerung findet statt, wenn nach einer dunklen und kalten Nacht die Sonne wieder aufgeht, um einen hellen und warmen Tag zu bringen, wenn aus einem dunklen Mond allmählich ein Vollmond wächst und wenn dem Absterben der Vegetation und den unwirtlichen Wintermonaten der Frühling und der Sommer eine blühende Pflanzendecke bringen. Yazılıkaya spiegelt diese kosmischen Zyklen so systematisch wider, dass das Heiligtum auch heute noch als Kalender verwendet werden könnte.

 

 

Schon vor einigen Jahren haben die Astrophysiker Juan Antonio Belmonte und A. César González-García die astralen Aspekte in der hethitischen Religion mit naturwissenschaftlichen Methoden ermittelt. Sie maßen die Ausrichtung der Tempel und Tore in Hattusa und stellten fest, dass diese mit hoher statistischer Wahrscheinlichkeit astronomisch orientiert sind. Im Felsheiligtum Yazılıkaya erkannten die Astrophysiker, dass die nördliche Außenmauer des Torhauses auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende ausgerichtet ist. Im Rahmen der jüngsten Untersuchungen sind noch eine Anzahl weiterer Hinweise für Himmelsbezüge ermittelt worden. Dadurch können nun alle 66 Figuren in Kammer A des Felsheiligtums erklärt werden.

Welche Hinweise auf eine astronomisch-astrologische Nutzung gibt es in Yazılıkaya und Hattusa?
  • Das gesamte Heiligtum war durch Mauern nach außen verschlossen, aber nicht überdacht, obwohl dies leicht zu bewerkstelligen gewesen wäre. Die Reliefs waren damit Sonne, Regen und Witterungseinflüssen ausgesetzt. Licht- und Schatteneffekte oder die Bewegungen des Mondes beziehungsweise die scheinbaren Bewegungen der Sonne und Sterne sind in die Funktion des Heiligtums eingeflossen.
  • Die Nordwand des Torhauses, des ersten Bauwerks, das im Heiligtum errichtet wurde, ist auf den Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende ausgerichtet.
  • Das Heiligtum wurde komplett in einer Bauphase errichtet, was auf eine technische Verwendung hinweist, und später in zwei Phasen ausgebaut und erneuert.
  • Die markante Westwand in Kammer B verläuft fast genau von Nord nach Süd. Diese glatte Felswand wurde sogar künstlich mit gesägten Natursteinen verlängert, was darauf hindeutet, dass die Wand eine Funktion hatte, die eine große Oberfläche erforderte.
  • Das Relief (64) von Großkönig Tudhaliya IV. wird nur zur Zeit der Sommersonnenwende von Sonnenstrahlen beschienen.
  • Die Kammern A und B enthalten je eine Gruppe mit 12 einheitlichen männlichen Gottheiten, die offenbar auf die 12 Monate des Jahres hinweisen.
  • Die Tempel des Heiligtums wurden anscheinend für jährlich wiederkehrende religiöse Feste genutzt, allen voran das Neujahrsfest.
  • Eine Verbindung zu Gestirnen zeigt sich durch die Präsenz des Sonnengottes des Himmels, des Mondgottes und der Göttin Sauska (Istar/Venus), die sowohl in der männlichen Götterreihe (als Morgenstern und Kriegsgott) als auch in der weiblichen Reihe (als Abendstern und Göttin der Fruchtbarkeit) präsent ist.
  • Die Steinmetze ließen eine Säule aus sorgfältig gemeißeltem Naturstein zwischen den Reliefs 54 und 55 aus der Mauer ragen. Diese Säule weist auf eine technische Funktion hin.
  • In Hattusa ist eine statistisch signifikante Zahl der Gebäudefundamente, Kammern und Tore nach astronomischen Parametern ausgerichtet.
  • Der Yerkapı-Komplex im höchsten Teil der Oberstadt von Hattusa ist exakt nach Norden ausgerichtet. Die Südwestecke seiner pyramidalen Basis weist zusätzlich auf den Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende.

Fast alle diese Eigenschaften sind seit vielen Jahren bekannt. Im Rahmen der neuen Untersuchung erkannten Zangger und Gautschy, dass die Relieffiguren in Kammer A Gruppen mit 12, 30, 8 und 19 Elementen bilden. Mit diesen Zahlen lässt sich ein immerwährender Sonne-Mond-Kalender betreiben. Das heißt, Yazılıkaya könnte auch heute noch als Kalender benutzt werden.