Kupanta-Kurunta, der Großkönig von Mira, berichtet um 1180 v. Chr. von den Überfällen einer Flotte der vereinten Königreiche Westkleinasiens auf die Küsten des östlichen Mittelmeers.
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Interview mit Fred Woudhuizen über die Frage, ob die Hieroglypheninschrift aus Beyköy gefälscht sein könnte
Kaum trat die luwische Hieroglyphenschrift aus Beyköy ans Tageslicht, äußerten sich Fachleute mit der Vermutung, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte. Wie kommt…
Die Luwier im Rampenlicht
Die Wiederentdeckung der längsten luwischen Hieroglypheninschrift der Bronzezeit stößt weltweit auf Medieninteresse. Der Spiegel widmet dem Thema drei Seiten. Popular Archaeology liefert einen umfassenden Artikel,…
„Die Luwier und der Trojanische Krieg – eine Entdeckungsgeschichte“
Der Geoarchäologe Eberhard Zangger porträtiert in seinem neuen Buch acht Entdeckerpersönlichkeiten, die ab 1872 die Frühgeschichte Anatoliens erforschten. Rückblickend gelangen diesen Pionieren wichtige Durchbrüche –…
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Newly published book relates the convoluted research history of the Luwian documents from Beyköy and their contents. https://t.co/KVUvK6x6sA

"Der Spiegel" dedicates three pages to the Luwians. https://t.co/HjjVkTlnPO

Luwian Hieroglyphic Inscription Explains the End of the Bronze Age
https://t.co/wjNXbgfCGF

Eine neue Sicht der Ägäischen Frühgeschichte

Diese Website lädt Sie zu einer Reise in die Vergangenheit ein: in die Zeit, als die sogenannten Seevölker die Küsten des östlichen Mittelmeers verunsicherten und griechische Helden aufbrachen, das sagenhafte Troja zu erobern. Ein großer Teil der Zivilisationen um das östliche Mittelmeer ging in wenigen Jahren kurz nach 1200 v. Chr. zugrunde. Hier finden Sie zum ersten Mal eine zusammenhängende Rekonstruktion dessen, was seinerzeit passiert ist. Statt Naturkatastrophen und unbekannter Invasoren nimmt nun die Bevölkerung einer bisher weitgehend unbekannten Region, nämlich Westkleinasien, eine Schlüsselrolle beim damaligen Kultureinbruch ein.

Im ganzen 2. Jt. v. Chr. lebten Völker mit einer luwischen Muttersprache in großen Teilen Kleinasiens. Sie waren Zeitgenossen, Handelspartner und zeitweise auch Gegner der bestens bekannten minoischen, mykenischen und hethitischen Bewohner Griechenlands und Kleinasiens.

Die Menschen im luwischen Kulturkreis in Kleinasien besaßen allerdings die Schriftkenntnis mindestens 500 Jahre vor dem mykenischen Griechenland. Und als dort die Schreibkunst am Ende der Bronzezeit wieder verloren ging, blieb sie unter den Luwiern noch für ein halbes Jahrtausend erhalten. Im 19. Jh. entdeckten europäische Gelehrte diese luwischen Schriftzeichen lange vor den ersten mykenischen, minoischen und hethitischen Dokumenten.

 

Notizen und Dokumente aus dem Nachlass des englischen Prähistorikers James Mellaart weisen darauf hin, dass bereits zwischen 1850 und 1900 umfassende Dokumente in luwischer Schrift und Sprache in die Sammlungen des Osmanischen Reiches und von Privatpersonen gelangten. Ab 1956 arbeitete ein türkisch-amerikanisches Forscherteam an der Übersetzung und Veröffentlichung dieser Dokumente. Bis heute sind keine Publikationen erschienen. Abschriften und Übersetzungen der Dokumente sind seit Juni 2017 im Besitz der Stiftung Luwian Studies.

Vor 3200 Jahren zerstörten mysteriöse Seevölker die Länder am Mittelmeer. Jetzt taucht unerwartet eine fast dreißig Meter lange Inschrift von 1180 v. Chr. auf, in der die Überfälle, die Namen der Anführer, ihre Motive und Ziele geschildert werden.
Welche neuen Erkenntnisse liefern die wiederentdeckten Dokumente aus Westkleinasien?
  • Die bisherigen Erklärungsmodelle der Archäologie für das Ende der Bronzezeit um 1200 v. Chr. berücksichtigen die Königreiche im Westen Kleinasiens zu wenig.
  • Bereits im 19. Jh. geborgene Inschriften aus der Zeit des Untergangs des hethitischen Reichs beschreiben die Abläufe um 1200 v. Chr. in ihren Einzelheiten.
  • Diese Dokumente verschwanden in staatlichen und privaten Sammlungen und blieben bis heute unveröffentlicht.
  • Das hethitische Reich zerfiel nach fast 100 Jahren Bürgerkrieg. Stämme vom Südufer des Schwarzen Meers brandschatzten die wehrlosen hethitischen Siedlungen.
  • Nachdem Hattuša untergegangen war, kämpfte Kuzitesup von Karkemisch, der zuvor einflussreichste Vasall, weiterhin für die Interessen des einstigen hethitischen Reichs.
  • Unter der Führung von Kupanta-Kurunta, dem Großkönig von Mira, Arzawa, Šeha und Wiluša, entstand ein militärisches Bündnis der Länder Westkleinasiens.
  • Vier Fürsten aus Westkleinasien führten die vereinigte Flotte mit 500 Schiffen und 10’000 Kriegern gegen Zypern, Karkemisch und Syrien an.
  • Federführend bei den Seestreitkräften war Muksus, ein regionaler Herrscher aus einem Nachbarort von Troja. Er trat später die Nachfolge von Kupanta-Kurunta an.
  • Kuzitesup von Karkemisch ergab sich schließlich. Die Königreiche Westkleinasiens machten ihn zu ihrem Vasallen.
  • In der folgenden Friedenszeit blühten sowohl die Regionen im Westen Kleinasiens wie auch die im Südosten. In beiden Gebieten blieben die luwische Sprache und die Hieroglyphenschrift noch viele Jahrhunderte gebräuchlich.
Westkleinasien um 1200 v. Chr.

Die wissenschaftliche Disziplin „Ägäische Frühgeschichte“ entstand ab etwa 1920. Seither unterscheiden Archäologen verschiedene Kulturkreise in den Ländern um die Ägäis: einen minoischen auf Kreta, einen mykenischen in Südgriechenland, einen kykladischen auf den Inseln der Ägäis und einen hethitischen in Zentralkleinasien.

Dieses Modell hat jedoch eine große Region zu wenig berücksichtigt: den Westen Kleinasiens, wo der überwiegende Teil der Bevölkerung Luwisch sprach. Es liegt daher nahe, dem minoischen, dem mykenischen und dem hethitischen Kulturkreis einen „luwischen“ zur Seite zu stellen – als Sammelbegriff für die Königreiche im Westen Kleinasiens.

Im Juni 2017 wieder zum Vorschein gekommene, über 3000 Jahre alte Dokumente aus Westkleinasien bezeugen, welche politische und militärische Macht die Königreiche dort am Übergang von der Bronze- zur Eisenzeit hatten. Die vielen Ortsnamen in diesen Dokumenten ermöglichen es nun endlich – nach 100 Jahren Forschung –, eine verbindliche Karte der politischen Geografie dieser Region zu erstellen (siehe Abbildung).