

{"id":17561,"date":"2018-03-30T15:18:25","date_gmt":"2018-03-30T13:18:25","guid":{"rendered":"https:\/\/neu.luwianstudies.org\/luwier-theorie-und-seevoelkerstuerme-eine-abfolge-der-ereignisse\/"},"modified":"2018-03-30T15:18:25","modified_gmt":"2018-03-30T13:18:25","slug":"luwier-theorie-und-seevoelkerstuerme-eine-abfolge-der-ereignisse","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/luwier-theorie-und-seevoelkerstuerme-eine-abfolge-der-ereignisse\/","title":{"rendered":"Luwier-Theorie und Seev\u00f6lkerst\u00fcrme: Eine Abfolge der Ereignisse"},"content":{"rendered":"<p>Im <em>Spiegel<\/em>-Artikel \u00fcber die Enth\u00fcllungen im ehemaligen Arbeitszimmer von James Mellaart schreibt der Redakteur Frank Thadeusz \u00fcber die Ideen von Eberhard Zangger: \u201eSeine mit viel Dampf aufgeblasene Luwier-Theorie allerdings ist nun zusammengeschrumpelt auf die Gr\u00f6\u00dfe eines betagten Luftballons.\u201c Verschiedene Medien \u2013 selbst Wikipedia-Autoren \u2013 haben diese Meinung aufgegriffen und schreiben zum Beispiel, Mellaarts Dokumente seien <a href=\"https:\/\/de.wikipedia.org\/wiki\/James_Mellaart\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201eeine wesentliche St\u00fctze der Thesen von Zangger daf\u00fcr, dass ein luwischer Staatenbund hinter dem Seev\u00f6lkersturm und dem Untergang mehrerer gro\u00dfer Reiche der Bronzezeit stand\u201c<\/a>.  <\/p>\n<p>Das ist jedoch nicht der Fall. Zanggers \u201eLuwier-Theorie\u201c umfasst zwei Komponenten: einerseits die Erkenntnis, dass es im Westen Kleinasiens \u00fcber 400 bisher unerforschte Siedlungspl\u00e4tze gibt, die in ihrer Gesamtheit einen eigenen Kulturkreis ausmachen; andererseits die These, dass die sogenannten Seev\u00f6lker in dieser Region ihren Ursprung gehabt haben k\u00f6nnten. <\/p>\n<p>Zanggers Theorien zum Seev\u00f6lkersturm datieren in die Zeit, bevor er mit James Mellaart in Kontakt stand, und haben sich seither praktisch nicht ver\u00e4ndert. Zangger und Mellaart haben \u2013 wie Dutzende andere Forscher \u2013 unabh\u00e4ngig voneinander erkannt, dass die Herkunft der Seev\u00f6lker in Westkleinasien gelegen haben k\u00f6nnte. <\/p>\n<p>Hier ein kurzer \u00dcberblick \u00fcber die Abfolge der Ereignisse.<\/p>\n<p><strong>April 1994<\/strong>: Eberhard Zangger ver\u00f6ffentlicht das Buch <a href=\"https:\/\/luwianstudies.academia.edu\/EZangger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">\u201e<em>Ein neuer Kampf um Troia<\/em><\/a>\u201c beim Droemer Verlag in M\u00fcnchen. Das Buch umfasst 352 Seiten und dreht sich um die Theorie des Autors, dass die Seev\u00f6lker aus Westkleinasien stammten. Es bietet als Novit\u00e4t eine hypothetische chronologische Rekonstruktion der Ereignisse w\u00e4hrend des 13. Jahrhunderts v. Chr. im \u00f6stlichen Mittelmeerraum.  <\/p>\n<p><strong>Februar 1995<\/strong>: <em>Der Spiegel<\/em> widmet den <a href=\"http:\/\/www.spiegel.de\/spiegel\/print\/d-9159071.html\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Thesen von Eberhard Zangger einen mehrseitigen Artikel<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Mai 1995<\/strong>: <em>Aramco World<\/em> bringt eine Titelgeschichte von Eberhard Zangger mit einer popul\u00e4rwissenschaftlichen <a href=\"http:\/\/archive.aramcoworld.com\/issue\/199503\/who.were.the.sea.people.htm\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Zusammenfassung seiner Thesen zum Seev\u00f6lkersturm<\/a>.<\/p>\n<p><strong>Juli\/August 1995<\/strong>: James Mellaart, der \u201e<em>Aramco World<\/em>\u201c abonniert hat, schreibt zwei insgesamt 22 Seiten umfassende Briefe an Eberhard Zangger und teilt ihm darin mit, dass er ganz \u00e4hnliche Ideen bereits seit 1951 verfolge und sogar \u00fcber englische \u00dcbersetzungen unver\u00f6ffentlichter Dokumente verf\u00fcge, die diese Ideen untermauern w\u00fcrden. Angeblich seien Ende des 19. Jahrhunderts im Dorf Beyk\u00f6y nahe Afyon Bronzetafeln mit Keilschrifttexten in hethitischer Sprache gefunden worden, die man bis heute nicht ver\u00f6ffentlicht habe. Mellaart fasst die Inhalte dieser \u201eBeyk\u00f6y-Texte\u201c in seinen Briefen zusammen. Seine Handschrift ist jedoch schwer leserlich und der Inhalt ausgesprochen kompliziert. Eberhard Zangger verfasst Ende 1999 eine <a href=\"https:\/\/www.edge.org\/response-detail\/11332\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Glosse \u00fcber diese Geschichte f\u00fcr edge.org<\/a>, wird der Sache aber 22 Jahre lang nicht weiter nachgehen. Der Inhalt der Briefe flie\u00dft bis Oktober 2017 in keine Ver\u00f6ffentlichung von Zangger ein.       <\/p>\n<p><strong>September 2015<\/strong>: Im Rahmen des 11. Kolloquiums des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen stellt Eberhard Zangger seine Thesen zur luwischen Kultur in Westkleinasien vor. Im Fr\u00fchjahr 2016 erscheint der Beitrag in den \u201e<a href=\"https:\/\/luwianstudies.academia.edu\/EZangger\/Papers\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum Ankershagen<\/a>\u201c. <\/p>\n<p><strong>Dezember 2015<\/strong>: Eberhard Zangger lernt James Mellaarts Sohn Alan bei einer zuf\u00e4lligen Begegnung in einer Buchhandlung in Istanbul kennen. Im Gespr\u00e4ch erw\u00e4hnt Zangger die Briefe des 2012 verstorbenen Pr\u00e4historikers. <\/p>\n<p><strong>Mai 2016:<\/strong> Das Buch \u201e<a href=\"https:\/\/luwianstudies.academia.edu\/EZangger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\"><em>The Luwian Civilization \u2013 The Missing Link in the Aegean Bronze Age<\/em><\/a>\u201c von Eberhard Zangger erscheint. Der Verfasser liefert auf 292 Seiten einen Einblick in den Kenntnisstand zur mittel- und sp\u00e4tbronzezeitlichen Siedlungsgeschichte in Westkleinasien.<\/p>\n<p><strong>Februar 2017<\/strong>: Eberhard Zangger \u00fcbergibt Mellaarts Briefe dem holl\u00e4ndischen Linguisten Fred Woudhuizen. Dieser transkribiert sie, so dass sie sich erstmals leicht lesen lassen. Zangger und Woudhuizen werten die Briefe gemeinsam aus. <\/p>\n<p><strong>April 2017<\/strong>: Alan Mellaart informiert Eberhard Zangger, dass er die englischen \u00dcbersetzungen der bronzezeitlichen Keilschrifttexte, von denen sein Vater gesprochen hatte, in dessen Nachlass gefunden hat.<\/p>\n<p><strong>Mai 2017<\/strong>: Zangger reicht das Manuskript f\u00fcr das Buch \u201eDie Luwier und der Trojanische Krieg\u201c beim Orell F\u00fcssli Verlag in Z\u00fcrich zur Ver\u00f6ffentlichung ein. Es enth\u00e4lt eine drei Seiten lange Zusammenfassung (S. 224-226) des Inhalts von James Mellaarts Briefen aus dem Jahr 1995. Diese neue Rekonstruktion der Ereignisse am Ende der Bronzezeit steht allerdings in erheblichem Widerspruch zu Zanggers bisherigen Thesen.  <\/p>\n<p><strong>Juni 2017<\/strong>: In der ehemaligen Wohnung seiner Eltern \u00fcbergibt Alan Mellaart einen Stapel von Dokumenten, die sein Vater als besonders wichtig markiert hatte, zur Auswertung und Publikation an Eberhard Zangger. Den L\u00f6wenanteil machen dabei die \u00dcbersetzungen der angeblichen keilschriftlichen \u201eBeyk\u00f6y-Texte\u201c aus. Zangger l\u00e4sst diese jedoch beiseite \u2013 er hat sie bis heute nicht gelesen \u2013 und konzentriert sich stattdessen auf die Zeichnungen verschiedener luwischer Hieroglypheninschriften, die sich ebenfalls im Stapel befinden. Die gr\u00f6\u00dfte von ihnen soll wie die Keilschrifttexte aus Beyk\u00f6y stammen. Zangger sendet diese Hieroglypheninschrift an Fred Woudhuizen zur Beurteilung. Woudhuizen erkennt auf den ersten Blick, dass sie eine Zusammenfassung der Ereignisse am Ende der Bronzezeit liefert, die nun tats\u00e4chlich praktisch identisch ist mit den Thesen zum Seev\u00f6lkersturm, wie sie Zangger 1994 vorgestellt hatte. Zangger und Woudhuizen entschlie\u00dfen sich, die luwischen Hieroglypheninschriften zu ver\u00f6ffentlichen. Erst im Fr\u00fchjahr 2018 erfahren sie, dass die gro\u00dfe Inschrift (\u201eBeyk\u00f6y 2\u201c) bereits 1989 auf einer internationalen Konferenz in Gent gezeigt wurde.        <\/p>\n<p><strong>Oktober 2017<\/strong>: Das Buch \u201eDie Luwier und der Trojanische Krieg\u201c erscheint. Der Verlag hat es dem Autor erm\u00f6glicht, ein 18 Seiten umfassendes Kapitel \u00fcber die neuesten Entdeckungen in James Mellaarts Nachlass anzuh\u00e4ngen, in dem auch die gro\u00dfe luwische Hieroglypheninschrift erstmals gezeigt wird. <\/p>\n<p><strong>November 2017<\/strong>: Der Stiftungsrat von Luwian Studies entscheidet, eine Untersuchung und Ver\u00f6ffentlichung der Dokumente aus dem Nachlass von James Mellaart anzustreben.<\/p>\n<p><strong>Dezember 2017<\/strong>: Eine Onlineversion der <a href=\"https:\/\/luwianstudies.academia.edu\/EZangger\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Publikation der luwischen Hieroglypheninschriften<\/a> erscheint in <em>TALANTA \u2013 Proceedings of the Dutch Archaeological and Historic Society<\/em>.<\/p>\n<p><strong>7. Februar 2018<\/strong>: Ein internationales und interdisziplin\u00e4res Wissenschaftlerteam trifft sich in Z\u00fcrich, um die Herangehensweise bei der Untersuchung und Publikation von James Mellaarts Nachlass zu besprechen. Dabei wird entschieden, dass zun\u00e4chst nach weiteren Hinweisen gesucht werden soll, ob die Dokumente echt sind oder nicht. <\/p>\n<p><strong>24. Februar 2018<\/strong>: Alan Mellaart und Eberhard Zangger treffen sich erneut in James Mellaarts ehemaliger Wohnung in London. Mellaarts Dokumente befinden sich in zwei R\u00e4umen der Wohnung und in zwei Garagen. Nach vier Tagen intensiver systematischer Durchforstung des Nachlasses findet Zangger ein Dossier, das unzweifelhaft belegt, wie James Mellaart die englischen \u00dcbersetzungen der angeblichen Keilschriftdokumente (\u201eBeyk\u00f6y-Texte\u201c) selbst konstruiert hat. Zuvor ist Zangger bereits auf in Schiefertafeln geritzte Skizzen von angeblichen Wandmalereien aus \u00c7atalh\u00f6y\u00fck gesto\u00dfen.   <\/p>\n<p><strong>1. M\u00e4rz 2018<\/strong>: Mit einer <a href=\"https:\/\/luwianstudies.org\/app\/uploads\/2018\/03\/LS_MI_20180301_Mellaart_ENG.pdf\" target=\"_blank\" rel=\"noopener\">Medieninformation<\/a> weist Luwian Studies darauf hin, dass Mellaart erwiesenermassen angebliche historische Dokumente selbst fabriziert hat, und zwar mit Sicherheit die sp\u00e4t \u201eentdeckten\u201c Wandmalereien aus \u00c7atalh\u00f6y\u00fck und die keilschriftlichen \u201eBeyk\u00f6y-Texte\u201c. Zwischen diesen Dingen und Zanggers Thesen zur luwischen Kultur in Westkleinasien und den Seev\u00f6lkerinvasionen besteht allerdings kein Bezug. Sie sind komplett unabh\u00e4ngig voneinander entstanden. <\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Spiegel-Artikel \u00fcber die Enth\u00fcllungen im ehemaligen Arbeitszimmer von James Mellaart schreibt der Redakteur Frank Thadeusz \u00fcber die Ideen von Eberhard Zangger: \u201eSeine mit viel Dampf aufgeblasene Luwier-Theorie allerdings ist nun zusammengeschrumpelt auf die Gr\u00f6\u00dfe eines betagten Luftballons.\u201c Verschiedene Medien \u2013 selbst Wikipedia-Autoren \u2013 haben diese Meinung aufgegriffen und schreiben zum Beispiel, Mellaarts Dokumente seien [&hellip;]<\/p>\n","protected":false},"author":7,"featured_media":15512,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"elementor_theme","format":"standard","meta":{"iawp_total_views":46,"footnotes":""},"categories":[70],"tags":[],"class_list":["post-17561","post","type-post","status-publish","format-standard","has-post-thumbnail","hentry","category-nachrichtenarchiv"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/users\/7"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=17561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/17561\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media\/15512"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=17561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=17561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/luwianstudies.org\/de\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=17561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}