Barış Gür Locust God Cover

Historischer Roman entführt in die Welt der luwischen Länder

Der Archäologie-Professor Barış Gür von der Dokuz Eylul Universität Izmir hat mit Die zwei Priester des Heuschrecken-Gottes einen historischen Roman (auf Türkisch) veröffentlicht, dessen Handlung im westlichen Anatolien des 13. Jahrhunderts v. Chr. angesiedelt ist. Die Geschichte spielt während der Regierungszeit des hethitischen Großkönigs Ḫattušili III. und führt die Leser von Apasa (dem späteren Ephesos) über Millawanda (Milet) und den Hafen von Ura bis in die hethitische Hauptstadt Hattusa.

Im Mittelpunkt stehen zwei Männer aus einem Dorf bei Apasa, deren Schicksal sie quer durch Anatolien führt. Auf ihrer Reise begegnen sie den politischen Spannungen zwischen Arzawa und dem hethitischen Großreich, erleben den Fernhandel im östlichen Mittelmeerraum und gewinnen Einblicke in Tempelwirtschaft, Karawanenwesen und den Alltag der spätbronzezeitlichen Gesellschaft.

Bemerkenswert ist die sorgfältige Einbettung der Handlung in den heutigen archäologischen und historischen Kenntnisstand. Zahlreiche Orte, politische Akteure und Institutionen sind aus hethitischen Texten oder archäologischen Forschungen bekannt. Millawanda erscheint als bedeutender Hafen mit engen Beziehungen zur mykenischen Welt, während Hattusa als religiöses und administratives Zentrum des hethitischen Reiches geschildert wird. Auch Themen wie Deportationen, internationale Handelsnetzwerke, Tempelorganisation und die Integration fremder Gottheiten in das hethitische Pantheon orientieren sich an den überlieferten Quellen.

Obwohl die Handlung frei erfunden ist, vermittelt der Roman ein ungewöhnlich dichtes Bild der kulturellen und politischen Verhältnisse in Westanatolien unmittelbar vor dem Ende der Bronzezeit. Belletristische Werke, die diese Epoche und insbesondere die luwischen Länder in den Mittelpunkt stellen, sind bislang selten.

Barış Gür, 2026. Çekirge Tanrısı’nın İki Rahibi. Arkeoloji ve Sanat Yayınları, Istanbul.