Medienberichte

Luwian Studies im Rampenlicht

Unsere Forschung hat weltweit Interesse geweckt. Lesen Sie Artikel, Interviews und Berichte über unsere Arbeit zur Geschichte der Bronzezeit in Westanatolien.

Wenn Polemik die Forschung verdrängt

Wenn Polemik die Forschung verdrängt

Wie kommt es, dass eine wissenschaftlich publizierte Hypothese diskreditiert wird, ohne dass ihre Argumente systematisch widerlegt wurden? Dieser Frage geht Eberhard Zangger, Präsident der Stiftung Luwian Studies, in einem neuen Aufsatz nach, der in der Fachzeitschrift Scientific Culture erschienen ist.Unter dem Titel „Epistemic Authority and Boundary Work in an Archaeological Controversy: The Troy–Atlantis Case“ untersucht Zangger die Mechanismen wissenschaftlicher Autorität am Beispiel einer seit mehr als drei Jahrzehnten andauernden Kontroverse. Im Mittelpunkt steht seine 1992 erstmals vorgestellte Hypothese, wonach Platons Atlantis-Erzählung eine verzerrte historische Erinnerung an den Trojanischen Krieg bewahren könnte.Ausgangspunkt der Untersuchung ist ein 2018 erschienener Beitrag des Tübinger Prähistorikers Stephan Blum in einem Sammelband mit dem Titel Fakten und Fiktionen: Archäologie vs. Pseudowissenschaft. Zangger zeigt, dass Blums Kritik die einschlägigen wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur Troja-Atlantis-Hypothese vollständig übergeht. Sie stützt sich stattdessen auf ein populärwissenschaftliches Buch von 1992 und wiederholt auf Wikipedia. Die ursprüngliche Hypothese war hingegen bereits 1993 nach einem einjährigen Begutachtungsverfahren im Oxford Journal of Archaeology erschienen und seither in mehreren Fachpublikationen weiterentwickelt worden.Der neue Aufsatz dokumentiert zudem zahlreiche geoarchäologische Befunde, historische Karten und Hinweise auf mögliche künstliche Hafenanlagen in der Ebene von Troja. Obwohl entsprechende Untersuchungen bereits vor fast 30 Jahren vorgeschlagen wurden, fehlt bis heute eine systematische geophysikalische Erkundung der Talaue unterhalb des Burghügels von Troja. Mithilfe moderner Fernerkundungsverfahren könnte geklärt werden, ob sich unter mehreren Metern Sedimenten ausgedehnte bronzezeitliche Siedlungs- und Hafenstrukturen verbergen.Die zentrale Aussage der Studie reicht weit über Troja und Atlantis hinaus: Wissenschaftliche Hypothesen sollten anhand ihrer Methoden, Befunde und überprüfbaren Vorhersagen beurteilt werden – und nicht aufgrund institutioneller Zugehörigkeiten oder reputationsbezogener Zuschreibungen. Werden kontroverse Ansätze durch Etikettierung aus dem wissenschaftlichen Diskurs ausgeschlossen, bevor sie empirisch geprüft wurden, kann wissenschaftliche Autorität selbst zum Hindernis für neue Erkenntnisse werden.Der 20-seitige, frei zugängliche Aufsatz ist in Scientific Culture, Band 12, Nr. 4 (2026), S. 4144–4163 erschienen.Publikation: Eberhard Zangger (2026): Epistemic Authority and Boundary Work in an Archaeological Controversy: The Troy–Atlantis Case.
SEAC-Konferenz 2026 in Volos

SEAC-Konferenz 2026 in Volos

Die 33. Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Astronomie in der Kulturgeschichte (SEAC) fand vom 4. bis 8. September 2026 unter dem Titel „Star Lore in the Land of the Centaurs“ in Volos in der griechischen Region Thessalien statt. Auf der Konferenz präsentierte Eberhard Zangger, Präsident der Stiftung Luwian Studies und langjähriges Mitglied von SEAC, Ergebnisse einer laufenden Untersuchung mit dem Titel „Staging the Divine: Cosmology, Epiphany and Hydraulic Display at Eflatunpınar“. Das Forschungsprojekt führt er gemeinsam mit Dr. Alper Aşınmaz von der Goethe-Universität Frankfurt und Prof. Nermin Atila von der Hitit-Universität in Çorum (Türkei) durch.Für Zangger war die Tagung zugleich eine Rückkehr an den Ausgangspunkt seiner Laufbahn als Geoarchäologe. Im Herbst 1982 hatte er im Rahmen seiner Diplomarbeit zusammen mit einem Kommilitonen zwei Monate lang Geländearbeiten in Volos durchgeführt, um die Veränderungen der Küstenlinie seit dem Neolithikum zu rekonstruieren. Die Ergebnisse dieser Untersuchung sind bis heute prominent auf den Schautafeln der archäologischen Fundstätte Dimini und in den Besucherbroschüren abgebildet.Dr. Elisavet Nikolaou, Leiterin der Abteilung für klassische Altertümer der Ephorie Volos, führte Zangger an zwei Tagen durch die in den vergangenen Jahrzehnten freigelegten mykenischen Gebäude auf der Halbinsel Pefkakia und unterhalb der neolithischen Siedlung von Dimini. Das Foto zeigt ihn in den derzeit für Besucher gesperrten Überresten von Megaron A von Dimini-Iolkos.Die Diskussionen auf der Konferenz und die Besichtigungen der Fundstätten boten zahlreiche Anregungen für die weitere Forschung. Aus den Gesprächen ergaben sich auch erste Ideen für zukünftige gemeinsame Projekte und Veröffentlichungen.
Historischer Roman entführt in die Welt der luwischen Länder

Historischer Roman entführt in die Welt der luwischen Länder

Der Archäologie-Professor Barış Gür von der Dokuz Eylul Universität Izmir hat mit Die zwei Priester des Heuschrecken-Gottes einen historischen Roman (auf Türkisch) veröffentlicht, dessen Handlung im westlichen Anatolien des 13. Jahrhunderts v. Chr. angesiedelt ist. Die Geschichte spielt während der Regierungszeit des hethitischen Großkönigs Ḫattušili III. und führt die Leser von Apasa (dem späteren Ephesos) über Millawanda (Milet) und den Hafen von Ura bis in die hethitische Hauptstadt Hattusa.Im Mittelpunkt stehen zwei Männer aus einem Dorf bei Apasa, deren Schicksal sie quer durch Anatolien führt. Auf ihrer Reise begegnen sie den politischen Spannungen zwischen Arzawa und dem hethitischen Großreich, erleben den Fernhandel im östlichen Mittelmeerraum und gewinnen Einblicke in Tempelwirtschaft, Karawanenwesen und den Alltag der spätbronzezeitlichen Gesellschaft.Bemerkenswert ist die sorgfältige Einbettung der Handlung in den heutigen archäologischen und historischen Kenntnisstand. Zahlreiche Orte, politische Akteure und Institutionen sind aus hethitischen Texten oder archäologischen Forschungen bekannt. Millawanda erscheint als bedeutender Hafen mit engen Beziehungen zur mykenischen Welt, während Hattusa als religiöses und administratives Zentrum des hethitischen Reiches geschildert wird. Auch Themen wie Deportationen, internationale Handelsnetzwerke, Tempelorganisation und die Integration fremder Gottheiten in das hethitische Pantheon orientieren sich an den überlieferten Quellen.Obwohl die Handlung frei erfunden ist, vermittelt der Roman ein ungewöhnlich dichtes Bild der kulturellen und politischen Verhältnisse in Westanatolien unmittelbar vor dem Ende der Bronzezeit. Belletristische Werke, die diese Epoche und insbesondere die luwischen Länder in den Mittelpunkt stellen, sind bislang selten.Barış Gür, 2026. Çekirge Tanrısı’nın İki Rahibi. Arkeoloji ve Sanat Yayınları, Istanbul.
Worum geht es in der „Odyssee“ wirklich? Eine neue Interpretation von Homers Epos

Worum geht es in der „Odyssee“ wirklich? Eine neue Interpretation von Homers Epos

Am 17. Juli 2026 wird die lang erwartete Verfilmung von Christopher Nolan Homers Epos wieder in den Mittelpunkt des öffentlichen Interesses rücken. Doch eine grundlegende Frage bleibt überraschenderweise offen: Worum geht es in der „Odyssee“ eigentlich?Ein heute in The Ancient Near East Today veröffentlichter Artikel von Eberhard Zangger vertritt die These, dass es sich bei der „Odyssee“ nicht in erster Linie um eine Erzählung von abenteuerlichen Seereisen handelt, sondern um eine tiefgründige Reflexion über Erinnerung, Verlust und den Zusammenbruch der Welt der Bronzezeit.Der Artikel konzentriert sich auf einen der rätselhaftesten Abschnitte des Epos: Odysseus’ Aufenthalt in Scheria, dem Land der Phaiaken. Anstatt Scheria als bloßen geografischen Ort zu interpretieren, schlägt Zangger vor, dass es sich dabei um einen bewussten literarischen Rückblick auf die blühende Welt handelt, die vor dem Trojanischen Krieg existierte. Nach dieser Lesart zwingt Homer Odysseus dazu, noch einmal der Zivilisation zu begegnen, zu deren Untergang er selbst durch die List mit dem Trojanischen Pferd beigetragen hat.Der Aufsatz greift auch die seit langem anerkannten Parallelen zwischen Scheria und Platons Atlantis auf. Anstatt davon auszugehen, dass Platon Homers Beschreibung einfach übernahm, vermutet Zangger, dass beide Autoren auf das gemeinsame kulturelle Gedächtnis einer blühenden Zivilisation der Spätbronzezeit zurückgreifen, an die man sich nach ihrem Untergang erinnerte.Aus dieser Perspektive nehmen die berühmten Abenteuer mit Zyklopen, Sirenen und anderen Fabelwesen eine überraschend andere Rolle innerhalb des Epos ein. Strukturell erscheinen sie eher als Geschichten, die Odysseus am Hof der Phaiaken erzählt, und nicht als narrativer Mittelpunkt des Epos. Der eigentliche dramatische Schwerpunkt liegt im Kontrast zwischen Scheria, der in Erinnerung gebliebenen Welt der Ordnung, und Ithaka, wo die politischen und sozialen Folgen des Zusammenbruchs der Spätbronzezeit bereits sichtbar geworden sind.Der Artikel knüpft an das langjährige Interesse der Stiftung Luwian Studies am historischen Hintergrund der homerischen Überlieferung sowie am Ende der Bronzezeit an. Er lädt die Leserschaft dazu ein, eines der bekanntesten Werke der Weltliteratur aus einer völlig neuen Perspektive zu betrachten.Lesen Sie den vollständigen Artikel in The Ancient Near East Today.
International Aegean Conference in Athen

International Aegean Conference in Athen

Die 21. International Aegean Conference (AEGAEUM) fand vom 8. bis 11. Juni 2026 in Athen statt. Unter dem Titel “NESTOR: Celebrating the Work of Wise Jack Davis” würdigte die Tagung das Lebenswerk eines der einflussreichsten Mykenologen seiner Generation und langjährigen Ausgräbers des Palastes von Nestor bei Pylos. Weggefährten, Kollegen und ehemalige Schüler von Jack Davis gestalteten das wissenschaftliche Programm.Für Eberhard Zangger bot die Konferenz zugleich Gelegenheit zur Wiederbegegnung mit einem langjährigen Forschungspartner. In den 1990er Jahren war er Kodirektor und Leiter der naturwissenschaftlichen Untersuchungen des von Jack Davis initiierten Pylos Regional Archaeological Project. Zangger beteiligte sich an der Tagung mit einem Vortrag zum Thema “Celestial Symbolism and Lunisolar Timekeeping in Bronze Age Cultures”.Mit 66 Vorträgen von insgesamt 105 Referierenden bot die Konferenz einen umfassenden Überblick über aktuelle Forschungen zur ägäischen Bronzezeit. Die Beiträge wurden von bis zu 250 Personen vor Ort sowie mehr als 4200 Online-Teilnehmern verfolgt. Besonders deutlich wurde dabei, wie nachhaltig die Arbeiten von Jack Davis die Erforschung der mykenischen Welt geprägt haben.Zum Rahmenprogramm gehörte der Besuch der Ausstellung “Pylos of Nestor – A Mycenaean Kingdom Revealed”, die vom Getty Museum konzipiert wurde und noch bis zum 31. Oktober 2026 im Nationalen Archäologischen Museum in Athen zu sehen ist.Alle Vorträge der Konferenz sind auf YouTube verfügbar.1. Tag, 8. Juni 2. Tag, 9. Juni 3. Tag, 10. Juni (Vortrag EZ ab 8:01:00) 4. Tag, 11. Juni
Stiftungsratssitzung in Athen

Stiftungsratssitzung in Athen

Im vergangenen Jahr hat der Stiftungsrat von Luwian Studies damit begonnen, eine seiner jährlichen Sitzungen außerhalb von Zürich abzuhalten. Den Auftakt bildete 2025 ein Treffen in Isernhagen bei Hannover auf Einladung von Stiftungsrat Dr. Jörg Mull.Vom 25. bis 29. April 2026 kam der Stiftungsrat in Athen zusammen. Gastgeber war Dr. Jorrit Kelder, der dort derzeit lebt und arbeitet, bevor er im Sommer nach Oxford wechselt. Für die eigentliche Sitzung bot das Gartencafé des Schliemann-Hauses Iliou Melathron nahe dem Syntagmaplatz einen besonders passenden Rahmen.Zum Begleitprogramm gehörten Exkursionen nach Mykene und Tiryns, Besuche der Akropolis und des Museums für antike Technologie sowie ein Empfang durch Rebecca Sweetman, Direktorin der British School at Athens. Die Zusammenkunft bot Gelegenheit für die regulären Geschäfte der Stiftung ebenso wie für einen intensiven fachlichen Austausch an einigen der bedeutendsten Schauplätze der ägäischen Bronzezeit. Im Mittelpunkt standen laufende Forschungsprojekte zu den Kulturen der ägäischen und anatolischen Bronzezeit sowie die strategische Weiterentwicklung der Stiftung.
Nature Scientific Data veröffentlicht LuwianSiteAtlas

Nature Scientific Data veröffentlicht LuwianSiteAtlas

Nature Scientific Data hat den LuwianSiteAtlas publiziert – ein neues, frei zugängliches Datenset, das 483 archäologische Fundorte aus der Mittleren und Späten Bronzezeit (2000–1200 v. Chr.) in Westanatolien dokumentiert. Alper Aşınmaz, Serdal Mutlu und Eberhard Zangger haben die Informationen zusammengetragen und die Datenbank entwickelt. Es handelt sich um den ersten interoperablen, georeferenzierten Katalog von Siedlungsplätzen in dieser historisch bedeutsamen Region.Die Zusammenstellung beruht auf über zehn Jahren Forschungsarbeit und vereint Ausgrabungsberichte, regionale Surveys, historische Quellen und Satellitenbilder. Jeder Fundort ist mit standardisierten Metadaten zu Lage, Chronologie, Funktion, materieller Kultur und Nähe zu antiken Rohstoffvorkommen versehen. Der Katalog steht in offenen Datenformaten (JSON und CSV) zur Verfügung und ist mit internationalen Referenzdatenbanken wie Pleiades, Wikidata und iDAI.gazetteer verknüpft.Der LuwianSiteAtlas schließt eine bedeutende Lücke: Westanatolien – Heimat der in hethitischen Texten erwähnten luwischen Königreiche – wurde in der Erforschung der Ägäischen Bronzezeit lange vernachlässigt. Durch die Integration Hunderter lokaler Informationen in ein einheitliches, maschinenlesbares Format ermöglicht das Projekt erstmals systematische Analysen von regionalen Siedlungssystemen, Handelswegen und kulturellem Austausch zwischen der Ägäis und Anatolien.„Westanatolien war keine Randzone, sondern ein Zentrum der bronzezeitlichen Kulturen“, sagt Eberhard Zangger. „Dieses offene Datenset liefert erstmals die quantitative Basis, um diese Rolle im Detail zu untersuchen.“Publikation: Aşınmaz, Alper, Serdal Mutlu und Eberhard Zangger. 2025. „An interoperable catalogue of Middle and Late Bronze Age settlements in western Anatolia (c. 2000–1200 BCE).“ Sci Data 12, 1804 (2025). https://doi.org/10.1038/s41597-025-06241-9Medienberichte:  New Scientist, UK: Was a little-known culture in Bronze Age Turkey a major power? Popular Archaeology, USA: Mapping the Luwian Lands: How 483 Forgotten Settlements Are Redrawing the Map of the Bronze Age
Neues Vortragvideo „Lost Civilizations and the Stars“

Neues Vortragvideo „Lost Civilizations and the Stars“

Am 23. April 2025 hielt der Archäologe und Geologe Eberhard Zangger auf Einladung des Joint Alumni Forum einen Vortrag in Zürich vor Alumni der Universitäten Harvard, Stanford, Cambridge, Oxford, Yale und Princeton. Der Titel lautete „Lost Civilizations and the Stars: Decoding an Ancient Astronomical Sanctuary“. Im Mittelpunkt stand das hethitische Felsheiligtum Yazılıkaya bei Hattusa, dessen Funktion als symbolisch-technischer Sonnen-Mond-Kalender seit 2015 untersucht wird.Der bisher auf YouTube verfügbare Vortrag zur Interpretation des Heiligtums stammte aus dem Jahr 2019. Seither sind zahlreiche neue Erkenntnisse hinzugekommen – etwa die klare Gliederung des Heiligtums in verschiedene Ebenen des Kosmos: Unterwelt, Erde sowie oberer und unterer Himmel. Diese neuen Einsichten werden in der aktuellen Videoaufnahme erstmals durch animierte Grafiken anschaulich illustriert.Von besonderer Bedeutung sind die weiterreichenden Implikationen der Interpretation: Sie schafft einen gemeinsamen Deutungsrahmen für bisher isoliert und rätselhaft erscheinende Monumente wie das hethitische Quellheiligtum Eflatunpınar, das hethitische Elfenbeintäfelchen von Megiddo sowie die mittelbronzezeitliche Silbertasse von ˁAin Samiya.Nach der Publikation dieser Forschungsergebnisse am 13. November 2025 kann das Vortragsvideo nun öffentlich zugänglich gemacht werden. Interessierte erhalten darin eine kompakte, grafisch aufbereitete Übersicht über die Zusammenhänge, die in den jüngsten wissenschaftlichen Publikationen ausführlich diskutiert werden.
Umfassende internationale Berichterstattung über die neue Interpretation des Kelches von ˁAin Samiya

Umfassende internationale Berichterstattung über die neue Interpretation des Kelches von ˁAin Samiya

Drei Artikel über die Neuinterpretation der Verzierungen auf dem 4300 Jahre alten Silberkelch von ˁAin Samiya – und deren Bedeutung für das Verständnis kosmologischer Konzepte im Alten Orient –, die am 13. November 2025 von Luwian Studies veröffentlicht wurden, haben eine Welle internationalen Medieninteresses ausgelöst. Innerhalb von 48 Stunden nach Veröffentlichung wurde die These, der Kelch könne die älteste bekannte visuelle Darstellung der Erschaffung des Kosmos zeigen, in einem breiten Spektrum internationaler Medien aufgegriffen – von führenden Wissenschaftsmagazinen und nationalen Tageszeitungen bis hin zu regionalen Nachrichtenseiten und Archäologie-Blogs in mehr als einem Dutzend Sprachen.Erste Berichte erschienen in New Scientist, Smithsonian Magazine, The Telegraph und The Times of Israel, gefolgt von ausführlichen Artikeln in Aurora Israel (Spanisch), Arkeolojik Haber (Türkei), Greek Reporter, La Brújula Verde (Spanien), IFLScience, NewsBytes India sowie arabischsprachigen Websites wie Beiruttime-LB. Die Geschichte wurde außerdem über internationale Aggregatoren wie Yahoo News und AOL weiterverbreitet. Im Zentrum der Berichterstattung stand die neu vorgeschlagene Interpretation der Ikonografie des Bechers: eine Bildabfolge, die einen ursprünglichen Zustand des Chaos zeigt, gefolgt von einem „Boot des Lichts“, das die Sonne in einen geordneten Kosmos hebt.Eine besonders prägnante Zusammenfassung erschien in Greek Reporter: „Nach über fünfzig Jahren Diskussion bietet die neue Interpretation die bislang überzeugendste Erklärung. Der kleine Silberbecher, der bisher als ungelöstes archäologisches Rätsel galt, scheint nun einen der frühesten Versuche zu dokumentieren, den Kosmos abzubilden – ein prägnanter und raffinierter Ausdruck dafür, wie sich die Menschen in der Antike die Entstehung der Welt vorstellten.“Auch in den sozialen Medien und Archäologie-Foren rief die Nachricht rege Diskussionen hervor. Zahlreiche Wissenschaftler und Wissenschaftskommunikatoren teilten ihre Einschätzungen, betonten dabei häufig die potenzielle Bedeutung des Fundes und warben zugleich für eine kritische Auseinandersetzung mit seiner Interpretation.
Studie zum Silberbecher von ˁAin Samiya veröffentlicht

Studie zum Silberbecher von ˁAin Samiya veröffentlicht

Nach über fünfzig Jahren Rätselraten um die Bedeutung eines mittelbronzezeitlichen Silberbechers aus ˁAin Samiya liefert eine neue Studie eine überzeugende Deutung. Der nur 8 cm hohe Silberbecher mit Darstellungen von Schlangen, Chimären, Göttern und Himmelskörpern wurde 1970 im Judäischen Bergland (Westjordanland) entdeckt. Die Deutung dieses rätselhaften Objekts blieb bis heute unklar.In einer neuen Studie interpretieren Eberhard Zangger, Daniel Sarlo und Fabienne Haas Dantes die Szenen als eine der frühesten kosmologischen Darstellungen. Zentrales Motiv ist ein von zwei Gottheiten getragenes „Himmelsboot“ – ein altorientalisches Symbol für den Transport von Sonne und Mond über den Himmel. Anders als bisher vermutet, zeigen die Reliefs demnach keinen Kampf der Götter, sondern einen friedlichen Schöpfungsprozess: Die Sonne entsteht, vertreibt das Chaos und erneuert die Welt. Die Darstellung entstand über tausend Jahre vor dem babylonischen Schöpfungsmythen Enuma Elish. Der Becher wurde um 2300 v. Chr. vermutlich in Nordsyrien gefertigt und um 2200 v. Chr. in einem Grab der südlichen Levante beigesetzt.Ein neu entdecktes Artefakt mit ähnlicher Symbolik, das sogenannte Lidar-Höyük-Prisma, stützt diese Deutung zusätzlich. Der ˁAin-Samiya-Becher könnte damit als ältestes kosmologisches Kunstwerk der Welt gelten.„Dieses Objekt verbindet mesopotamische Mythen, levantinische Bestattungsriten und altägyptische Sonnenkulte“, erklärt Daniel Sarlo, Koautor der Studie. PublikationenZangger, Eberhard, Daniel Sarlo and Fabienne Haas Dantes. 2025. 2025. “The Earliest Cosmological Depictions: Reconsidering the Imagery on the ʿAin Samiya Goblet,” in JEOL – Journal of the Ancient Near Eastern Society “Ex Oriente Lux,” 49: 49–84. https://doi.org/10.5281/zenodo.17594730.Zangger, Eberhard. 2025. “Creation Myths and Cosmological Concepts in the Ancient Near East: From Uruk via Hattusa to Athens.” In Megalithic Monuments and Cult Practices – Proceedings of the Fourth International Symposium Blagoevgrad, 10–14 October 2024, edited by Dimitriya Spasova, vol. 2. Neofit Rilski University Press. https://doi.org/10.5281/zenodo.17598383.Zangger, Eberhard, Sarlo, Daniel and Fabienne Haas Dantes. 2025. “Lifting the Sky: The Cosmic Program on the ˁAin Samiya Goblet,” in The Ancient Near East Today 13.11. Accessed at: https://anetoday.org/ain-samiya-goblet/.
Erfolgreiche erste Luwian-Studies-Reise nach Anatolien

Erfolgreiche erste Luwian-Studies-Reise nach Anatolien

Nach mehrjähriger Vorbereitung fand vom 30. September bis 7. Oktober 2025 die erste von der Stiftung Luwian Studies organisierte Studienreise zu wichtigen Fundstätten in Zentral- und Westanatolien statt.Die zehnköpfige Reisegruppe – mit Verbindungen zum Getty Foundation in Los Angeles und/oder zu Luwian Studies – besuchte als Erstes das Museum für Anatolische Zivilisationen in Ankara sowie die hethitische Hauptstadt Hattuša und das benachbarte Felsheiligtum Yazılıkaya. Weitere Stationen waren das Museum für Unterwasserarchäologie in Bodrum, das Mausoleum von Halikarnassos und die antike Stadt Pedasa.In Ephesos und Pergamon gewährten Archäologen der laufenden Ausgrabungen im Rahmen von vier- bis fünfstündigen Führungen außergewöhnlich tiefe und aktuelle Einblicke in ihre Forschungsarbeit. Den Abschluss bildete der Besuch von Troja, wo die Gruppe neben dem Besuch des Museums und der Ausgrabungsstätte bei einer eindrucksvollen Fahrt mit Land Rovers die Ebene erkundete.Einer der Teilnehmenden, Alyn Rumbold aus Flagstaff (Arizona), fasst die Eindrücke so zusammen: “It was a fantastic experience. I got so much out of the journey, it really brought Bronze Age/Archaic/Hellenistic Anatolia to life for me. It was a great group to be able to travel and associate with – such a privilege for me!”
Vortrag in Bodrum: Das Ende der Bronzezeit

Vortrag in Bodrum: Das Ende der Bronzezeit

Am 3. Oktober 2025 um 18:30 Uhr hält Eberhard Zangger in der Eventlocation ZAI Bodrum einen öffentlichen Vortrag mit dem Titel „Was Troy Atlantis – A New Look at the Bronze Age Collapse“. Nach 25 Jahren des Schweigens zu Troja und Atlantis äußert sich Zangger erstmals wieder öffentlich zu diesem Thema. Im Zentrum steht eine Rekonstruktion der Krisenjahre um 1200 v. Chr., die durch zahlreiche zeitgenössische Dokumente und spätere historiographische Quellen gestützt sind. Dabei werden zentrale Fragen behandelt: Wer waren die Seevölker? Was führte zum Untergang des Hethiterreiches? Gab es den Trojanischen Krieg? Während viele Modelle unklare Faktoren wie Klimawandel oder Erdbeben bemühen, reduziert Zanggers Ansatz solche Unbekannten und zeichnet eine durch viele Quellen belegte Ereigniskette auf. Alle Interessierten in der Region Bodrum sind herzlich eingeladen. Der Vortrag wird gefilmt; durch Teilnahme erklären sich Besucher mit einer möglichen Bildaufnahme einverstanden.Datum und Uhrzeit: Freitag, 3. Oktober, 18:30 Uhr
Veranstaltungsort: Zai Bodrum, Çırkan, Halide Edip Adıvar Cd. Nr. 7, 48400 Bodrum/Muğla
Sprache: Englisch
Reservierungen für Abendessen: 0533 505 75 50
Exkursion zu archäologischen Stätten in Westanatolien

Exkursion zu archäologischen Stätten in Westanatolien

Vom 28. August bis 4. September 2025 unternahmen Eberhard Zangger und der Geodatenspezialist Alper Aşınmaz eine einwöchige Forschungsreise zu archäologischen Stätten im Westen der Türkei. Insgesamt legten sie dabei 2500 Kilometer zurück. Im Mittelpunkt stand das hethitische Quellheiligtum von Eflatunpınar östlich des Beyşehir-Sees, das naturwissenschaftlich-technisch untersucht wurde. Weitere Stationen führten zu bedeutenden Siedlungshügeln, Felsinschriften und Befestigungsanlagen, darunter die luwische Hieroglypheninschrift am Suratkaya, die bronzezeitlichen Gräber von Müsgebe und die zyklopische Mauer von Kuşadası. In Selçuk besuchten die Forscher den Ayasuluk-Hügel, wo sie von Prof. Barış Gür und seinem Team empfangen wurden (Foto mit freundlicher Genehmigung). Gür übergab zudem ein Exemplar seines neu erschienenen Buches „Thyateira II“. In Bergama trafen Zangger und Aşınmaz den ehemaligen Bürgermeister Sefa Taşkın, der bereits fünf Bücher über die luwische Kultur veröffentlicht hat. Die Exkursion endete mit Besuchen in Assos und Troja. Dort inspizierten die Wissenschaftler Museum, Ausgrabungen und jene Areale in der Ebene, in denen Zangger seit über 30 Jahren Außenbezirke der bronzezeitlichen Metropole vermutet.
Forschungsreise zu den Zinnminen in Zentralasien

Forschungsreise zu den Zinnminen in Zentralasien

Vom 26. April bis 11. Mai 2025 unternahm Luwian Studies eine Forschungsreise nach Zentralasien. Ziel war es, ein besseres Verständnis für die frühesten und längsten Handelsrouten der bronzezeitlichen Kulturen im östlichen Mittelmeerraum zu den Zinnvorkommen in Usbekistan, Tadschikistan und Afghanistan zu gewinnen. Die Region zeichnet sich durch das gleichzeitige Vorkommen mehrerer wertvoller Rohstoffe aus – darunter Kupfer, Zinn, Gold und Lapislazuli.An der Expedition nahmen Sergei Yazvenko, Professor für Ökologie an der Internationalen Agraruniversität in Taschkent, Michael Timpson, ehemaliger Umweltberater bei Environmental Resources Management in den USA, und Eberhard Zangger teil. Die Reise führte unter anderem zu den historischen Zinnminen von Karnab nordöstlich von Buchara in Usbekistan, zur archäologischen Stätte von Sarasm in Tadschikistan – einer der größten proto-urbanen Siedlungen Zentralasiens aus der Zeit zwischen 3500 und 2400 v. Chr. – sowie nach Muschiston, einer auf rund 3000 Meter Höhe gelegenen Mine am Rand des metallreichen Zerafshan-Tals, in dem bis heute großflächig Gold abgebaut wird. In Jarqoʻton (Foto), nördlich von Termiz, wird seit 1973 eine der größten Siedlungen der späten Bronzezeit in der sogenannten Oasenkultur archäologisch untersucht.Zangger und Timpson arbeiten seit 1992 regelmäßig zusammen, Yazvenko und Zangger kennen sich seit 1987. Timpson ist Bodenkundler, Yazvenko Botaniker und Pollenkundler. Zu den gemeinsamen Arbeiten der drei Wissenschaftler gehört unter anderem die Rekonstruktion der Landschaftsgeschichte rund um den Palast von Nestor im spätbronzezeitlichen Pylos.
Vortrag auf Einladung des Joint Alumni Forums

Vortrag auf Einladung des Joint Alumni Forums

Das Joint Alumni Forum in der Schweiz ist ein Zusammenschluss von Absolventinnen und Absolventen der Universitäten Harvard, Oxford, Cambridge, Stanford, Yale und Columbia. Gelegentlich organisiert das Forum einen Vortrag für interessierte Mitglieder. Als Redner für die nächste Veranstaltung wurde Eberhard Zangger, Präsident von Luwian Studies, eingeladen. Der Vortrag findet am Mittwoch, dem 23. April 2025, um 18:30 Uhr im Debattierhaus Karl der Grosse, Kirchgasse 14, 8001 Zürich, statt. Der Titel des Vortrags lautet:Lost Civilizations and the Stars: Deciphering an Ancient Astronomical SanctuaryZangger wird einen etwa einstündigen Überblick über die neuesten Ergebnisse der Erforschung des hethitischen Felsheiligtums Yazılıkaya geben. Auf YouTube ist bereits eine Version eines Vortrags zum gleichen Thema aus dem März 2019 zu sehen. Aufgrund zahlreicher neuer Erkenntnisse bietet sich nun die Gelegenheit, das Thema in aktualisierter Form kennenzulernen. Insbesondere wird erläutert, wie die in Yazılıkaya gewonnenen Erkenntnisse zum besseren Verständnis weiterer rätselhafter Einzelfunde aus der Bronzezeit beitragen können.Der Vortrag richtet sich an eingeladene Mitglieder. Wer großes Interesse an einer Teilnahme hat, wird gebeten, sich an gro.seidutsnaiwulobfsctd-761767@ofni zu wenden.
Luwian Studies schaltet eine komplett neue Website auf

Luwian Studies schaltet eine komplett neue Website auf

Am 15. Mai 2015 trat die Stiftung Luwian Studies erstmals an die Öffentlichkeit, indem sie eine umfassende Website in Englisch, Türkisch und Deutsch lancierte. Damals machte die Nachricht über eine zuvor weitgehend übersehene Kultur weltweit Schlagzeilen. Fast zehn Jahre lang informierte die Website über die grundlegenden Thesen zur Bedeutung der luwischen Kultur. In dieser Zeit entstand zudem ein kontinuierlicher Nachrichtenfluss mit den wichtigsten Neuigkeiten zur Erforschung der luwischen Kultur. Allerdings wurde die Website weder technisch noch inhaltlich umfassend restrukturiert. Nun, knapp zehn Jahre nach ihrer Live-Schaltung, wurde sie komplett ersetzt.Die neue Website präsentiert sich in zeitgemäßem Design und bietet ein deutlich kompakteres Storytelling. Besonders betont werden die Forschungsergebnisse, die Luwian Studies in den letzten zehn Jahren erzielt hat – was sich auch in den Illustrationen widerspiegelt, die in diesem Zeitraum entstanden sind. Die umfangreichen Texte der früheren Website gehen nicht verloren: Sie sind im Buch Die luwische Kultur enthalten, das in Englisch, Deutsch und Türkisch erschienen ist. Das Buch kann beim Verlag bestellt werden, oder Interessierte können es als PDF gratis von dieser Website oder von academia.edu herunterladen.Die neue Website wurde von Grund auf so optimiert, dass sie die für den Betrieb von LuwianSiteAtlas im semantischen Web erforderlichen relationalen Datenbanken optimal unterstützt und beschleunigt. Wir hoffen, dass die neue Website ein ebenso großes Publikum erreicht wie die alte. Ihre Entstehung war nur dank intensiver Teamarbeit möglich. Ein großes Dankeschön geht an alle Beteiligten:Bahar Açılan: Design-Idee und Programmierung Gregor Altenburger: Architektur und Betrieb Alper Aşınmaz: Entwicklung von LuwianSiteAtlas und LuwianSiteMap Guido Köhler: Grafiken und Typografie Regula Sigg: Feingestaltung Izzet Erten: Übersetzungen ins Türkische Kubilay Küçük: Beratung Eberhard Zangger: Projektleitung, Fotos und Texte
The Ancient Near East Today präsentiert LuwianSiteAtlas

The Ancient Near East Today präsentiert LuwianSiteAtlas

Die Stiftung Luwian Studies gibt die Veröffentlichung eines neuen Artikels in The Ancient Near East Today, Band 13.1, bekannt: „Processing Geospatial Data in Archaeology: Introducing LuwianSiteAtlas for Bronze Age Western Anatolia.“In dem Artikel untersuchen Alper Aşınmaz und Eberhard Zangger moderne georäumliche Kartierungstechniken und ihre Anwendung in Westanatolien. Sie beschreiben Methoden zur Erfassung, Verarbeitung und Analyse digitaler räumlicher Daten und erörtern, wie diese Techniken zu präziseren Interpretationen antiker Siedlungsplätze führen. Die Integration digitaler Kartierung mit traditionellen archäologischen Methoden bietet praktische Erkenntnisse zur Verbesserung der Datengenauigkeit und räumlichen Analyse bei der Erforschung der anatolischen Frühgeschichte. Die Autoren kommen zum Schluss, dass Westkleinasien während der Mittleren und Späten Bronzezeit heute als lehrreiches Beispiel für interdisziplinäre Raumanalysen und als Modell für die zukünftige Landschaftsarchäologie dient.
Neues Stiftungsratsmitglied Dr. Jörg Mull

Neues Stiftungsratsmitglied Dr. Jörg Mull

Der Stiftungsrat der Luwian Studies freut sich, Dr. Jörg Mull als neues Mitglied in seinen Reihen begrüßen zu dürfen. Jörg Mull ist in doppelter Hinsicht hervorragend für diese Aufgabe qualifiziert. Er hat bereits zwei umfassende Bücher über die späte Bronzezeit verfasst. In „Mythen und Metalle“ behandelt er den Kultureinbruch um 1200 v. Chr. unter besonderer Berücksichtigung der überregionalen Handelsnetzwerke dieser Zeit. In „Towards the Borders of the Bronze Age and Beyond“ untersucht er, wie die Erfahrungen des Fernhandels ihren Niederschlag in Mythen gefunden haben könnten. Jörg Mull ist promovierter Wirtschaftswissenschaftler und verfügt über jahrzehntelange Erfahrung als Finanzvorstand eines großen Automobilkonzerns. Seine Kompetenzen in den Bereichen Ökonomie und Archäologie sind für die Arbeit der Stiftung vom ersten Tag an eine große Bereicherung.
Vortrag beim renommierten Winterseminar in Klosters

Vortrag beim renommierten Winterseminar in Klosters

Seit 2005 ist Eberhard Zangger, Präsident von Luwian Studies, regelmäßiger Referent beim renommierten Winterseminar über Biophysikalische Chemie, Molekularbiologie und Kybernetik der Zellfunktionen in Klosters. Das Seminar wurde 1966 vom Nobelpreisträger Manfred Eigen ins Leben gerufen und hatte in seiner Geschichte mehr als 40 Nobelpreisträger zu Gast. Am 10. Januar 2025 kehrte Zangger zum Winterseminar zurück, um einen einstündigen Vortrag mit dem Titel „Troja/Atlantis: 3207 Jahre nach seinem Untergang“ zu halten. Es war das erste Mal seit seinem Debüt auf dem Winterseminar vor 20 Jahren, dass Zangger dieses Thema aufgriff. Der Vortrag hob die wachsende Zahl von Indizien hervor, die in den letzten drei Jahrzehnten gesammelt wurden und Zanggers Theorie stützen, dass die Legenden von Troja und Atlantis letztlich Erinnerungen an denselben Ort darstellen. Zangger erweiterte den Umfang seiner Analyse und schlug vor, dass unser Wissen über die Luwier, Troja, Atlantis, die Seevölker und Scheria – das Land der Phäaken in Homers Odyssee – alle Elemente oder Erinnerungen derselben spätbronzezeitlichen Kultur beziehungsweise in einem ihrer wichtigsten städtischen Zentren im Westen der heutigen Republik Türkiye widerspiegeln.
Buch von Faris Demir über „Karatepe Azatiwataya“

Buch von Faris Demir über „Karatepe Azatiwataya“

Nach einem anregenden Besuch des archäologischen Parks von Karatepe Aslantaş in Kilikien machte eine kleine Gruppe von Luwian Studies, bestehend aus Alper Aşınmaz, Kubilay Ahmet Küçük und Eberhard Zangger, einen unangekündigten Zwischenstopp bei den laufenden Ausgrabungen von Hierapolis Kastabala, einer der bedeutendsten antiken Städte der Türkei, etwa 12 km nordwestlich von Osmaniye. Dort finden unter der Leitung von Prof. Faris Demir Ausgrabungen an drei Stellen der hellenistisch-römischen Stadt statt. Professor Demir begrüßte uns sehr herzlich und berichtete ausführlich über den Fortgang der Arbeiten.Bei dieser Gelegenheit überreichte er Eberhard Zangger auch ein Exemplar seines Buches „Karatepe Azatiwataya“ von 2021 (erschienen bei ArkeoPera) – siehe Foto. Es handelt sich um eine hochaktuelle Zusammenfassung der Inschriften von Karatepe, die erste in türkischer Sprache, mit originellen Ansätzen, die auf einer innovativen Lesung der Inschriften basieren. Karatepe ist sozusagen der Rosetta-Stein der luwischen Forschung: Die Entdeckung der zweisprachigen Inschriften (Hieroglyphenluwisch und Phönizisch) durch Helmuth Bossert im Jahr 1946 führte schließlich zur fast vollständigen Entzifferung der luwischen Hieroglyphenschrift. Es ist sowohl der längste luwische Hieroglyphentext als auch der längste phönizische Text, den wir kennen. Die Blöcke sind mit Darstellungen von Göttern, Fabelwesen und Szenen aus dem täglichen Leben geschmückt. Dazu gehören Bankettszenen, Musikanten, Szenen mit Göttern und Königen, Götterprozessionen, mythologische Wesen, heilige Bäume, Opferszenen, Jagdszenen, Krieger, Hinrichtungsszenen, Streitwagen und Szenen mit Kriegsschiffen. Die Darstellungen zeigen den Einfluss anatolischer, mesopotamischer und ägyptischer Kulturen. Es ist zu hoffen, dass das Buch in der vorliegenden türkischen Fassung eine große Leserschaft findet und bald auch in englischer Sprache erscheint.
Luwian Studies veröffentlicht interaktive Karte bronzezeitlicher Siedlungen

Luwian Studies veröffentlicht interaktive Karte bronzezeitlicher Siedlungen

Die Stiftung Luwian Studies hat eine neue Ressource für Wissenschaftler und Interessierte vorgestellt: eine interaktive Karte und eine umfassende Datenbank mit fast 500 bronzezeitlichen Siedlungen im Westen der Republik Türkiye. Das kostenlose Tool, das ab sofort auf der Website von Luwian Studies verfügbar ist, bietet detaillierte Informationen zu 483 Siedlungen aus der Mittleren und Späten Bronzezeit (ca. 2000–1200 v. Chr.). Der Geodatenexperte Dr. Alper Aşınmaz hat mehr als ein Jahrzehnt Forschungsarbeit in ein dynamisches, hochmodernes System verwandelt, das den Zugang zum Wissen über diese antiken Stätten einfacher denn je macht.Lange Zeit galt der Westen Kleinasiens im Vergleich zur mykenischen Kultur in Griechenland und dem Hethiterreich in Zentralanatolien als archäologisch wenig bedeutsame Region. Neuere Forschungsergebnisse haben diese Wahrnehmung verändert. Die Datenbank von Luwian Studies bestätigt, dass sich in diesem von Luwiern bewohnten Gebiet Hunderte bedeutende Siedlungen befanden. Dieser bisher wenig beachtete Kulturraum hat nach Ansicht von Luwian Studies beim Zusammenbruch der bronzezeitlichen Kulturen im östlichen Mittelmeerraum um 1200 v. Chr. eine Schlüsselrolle gespielt.Die Datenbank enthält detaillierte Informationen zu jeder Fundstelle, darunter Beschreibungen, historische Referenzen und weiterführende Literatur. Dr. Aşınmaz hat auch externe Datenquellen wie Pleiades und Wikidata integriert, die einen noch umfassenderen Einblick in die Welt der Bronzezeit bieten. Eine interaktive Karte ermöglicht es den Nutzern, die geografischen Verbindungen zwischen den Fundorten visuell zu erkunden. Archäologen, die selbst Surveys durchgeführt haben, können per Onlineformular zusätzliche Fundstätten zum Eintrag in der Datenbank vorschlagen.{ "@context": "https://schema.org", "@type": "Person", "name": "Dr. Alper Aşınmaz", "jobTitle": "Expert in geospatial data", "description": "Dr. Alper Aşınmaz developed tools integrating CIDOC-CRM and interactive maps for Bronze Age settlements.", "affiliation": { "@type": "Organization", "name": "Luwian Studies" } }
SEAC-Jahrestagung in Catania

SEAC-Jahrestagung in Catania

Vom 13. bis 15. November fand die diesjährige Jahrestagung der Europäischen Gesellschaft für Astronomie in der Kulturgeschichte (SEAC) in Catania auf Sizilien statt. Sie stand unter dem Motto „Skyscape on the Sunny Island“ und fand im spätbarocken Kloster San Nicolò l’Arena aus dem 17. Jahrhundert statt, einem der größten Benediktinerklöster Europas und UNESCO-Weltkulturerbe. Rund 50 Tagungsteilnehmer, darunter die meisten Koryphäen der Archäoastronomie, hatten sich eingefunden, um etwa 35 Vorträge zu hören. Eberhard Zangger berichtete über „Eflatunpınar versus Yazılıkaya: Vertikale und horizontale Himmelsdispositionen der Hethiter“. Demnach stellen diese beiden wohl berühmtesten hethitischen Denkmäler letztlich dasselbe dar: die in Horizonte gegliederten Strukturen des Kosmos nach der damaligen Vorstellung.
Soirée-Vortrag von Dr. Jeffrey Spier über J. Paul Getty

Soirée-Vortrag von Dr. Jeffrey Spier über J. Paul Getty

Mit einem Vortrag von Dr. Jeffrey Spier zum Thema „J. Paul Getty and the Building of the Villa“ fand die im vergangenen Jahr begonnene Vortragsreihe der Stiftung Luwian Studies am Mittwoch, dem 19. Juni 2024, ihren vorläufigen Abschluss. Dr. Spier, der fast zwei Jahrzehnte als Kurator in der Getty Villa tätig war, gab Einblicke in die Entstehungsgeschichte des Gebäudes, das nach dem Vorbild der Villa dei Papiri in Herculaneum errichtet wurde und heute die Antikensammlung des Getty-Museums beherbergt. J. Paul Getty verließ 1951 die USA und beaufsichtigte von seinem neuen Wohnsitz in England den Bau der Villa, die 1974 der Öffentlichkeit als Museum zugänglich gemacht wurde – ein Gebäude, das Getty selbst nie betreten hat.Die geladenen Gäste, darunter Vertreter der Schweizer Kunst- und Kulturszene, genossen sichtlich die ausführlichen Einblicke in das Leben und Wirken des Ölmagnaten und Gründers eines der reichsten Museen der Welt.
Masterabschluss und zwei Auszeichnungen von der Harvard University für Eberhard Zangger

Masterabschluss und zwei Auszeichnungen von der Harvard University für Eberhard Zangger

Eberhard Zangger, Gründer und Präsident der Stiftung Luwian Studies, erhielt gestern im Rahmen der jährlichen Abschlussfeier an der Harvard University sowohl sein Masterzeugnis als auch zwei Auszeichnungen. Zangger schloss ein vierjähriges Studium mit dem Titel „Master of Liberal Arts (ALM) in Extension Studies, field of Anthropology and Archaeology“ ab und wurde für seinen Notendurchschnitt mit dem „ALM Dean’s List Certificate for Academic Achievement“ honoriert. Zudem gewann er mit seiner Masterarbeit den „Dean’s Prize for Outstanding ALM Thesis in Anthropology“. Zangger zeigt darin auf, wie die sozialen Medien, angetrieben durch die Datensammlung für gezielte Werbung, eine beispiellose Kontrolle der öffentlichen Meinung durch einige wenige Unternehmen ermöglichen. Dies führt zu einer Art digitalem Feudalismus, in dem die herrschende Klasse sowohl die Wirtschaft als auch den Staat kontrolliert. Die Arbeit kann hier kostenlos heruntergeladen werden.
Die Luwier in „Archäologie und Kunst“

Die Luwier in „Archäologie und Kunst“

Die populärwissenschaftliche türkische Zeitschrift „Arkeoloji ve Sanat“ (Archäologie und Kunst) hat einen Artikel von Eberhard Zangger und Serdal Mutlu veröffentlicht, der eine türkische Zusammenfassung des 2022 erschienenen Papers „Middle and Late Bronze Age Western Asia Minor: A Status Report“ darstellt. Darin geht es um Fragen wie: Wie war die Region auf der anatolischen Seite der Ägäis politisch strukturiert? War sie wirtschaftlich und politisch unbedeutend oder gab es dort eine eigenständige Kultur? Welche Merkmale sind notwendig, um von einer eigenständigen Kultur zu sprechen, und wie lässt sie sich auf einer Karte darstellen? Warum scheint Troja ein isolierter Außenposten in der nordöstlichen Ägäis gewesen zu sein? Wer waren die Nachbarn der Trojaner in der Mittleren und Späten Bronzezeit (2000-1200 v. Chr.)? Dies sind einige der Fragen, mit denen sich die vorliegende Studie beschäftigt.Zangger, Eberhard, and Serdal Mutlu. 2023. „Luvi Kültürünü Haritaya Yerleştirmek.“ Arkeoloji ve Sanat 172 (January-April): 221-28.https://luwianstudies.academia.edu/EZangger/Papers
Luwian-Studies-Soirée mit Jorrit Kelder

Luwian-Studies-Soirée mit Jorrit Kelder

Seit einigen Monaten veranstaltet die Stiftung Luwian Studies in ihren Räumlichkeiten nahe dem Zürcher Paradeplatz einmal monatlich eine Soirée, zu der jeweils nur fünf bis sechs Gäste eingeladen sind. Das Ziel ist es, die Sponsoren und Freunde der Stiftung mit exklusiven Anlässen in persönlicher Atmosphäre, sozusagen am Ort des Geschehens, über die aktuellen Entwicklungen in der Erforschung der luwischen Kultur und die dazugehörigen Kommunikationsmaßnahmen aus erster Hand zu informieren. Am 15. November 2023 trat erstmals ein Gastredner auf. Stiftungsrat Dr. Jorrit Kelder hat keine Kosten und Mühen gescheut, von seinem neuen Wohnort Athen aus anzureisen und einen knapp einstündigen Vortrag zum Thema „In Search of Agamemnon’s Lost Kingdom“ zu halten. Eine ganze Reihe von Eigenschaften der mykenischen Kultur weisen auf eine übergeordnete Koordination hin. Dazu zählen das einheitliche Schriftsystem und die alle Königreiche übergreifende Administration. Auch die Masse, Materialien und Dekorationen der mykenischen Paläste deuten zum Teil auf eine einheitliche Ausführung hin. Dies weist, so Jorrit Kelder, darauf hin, dass die Kleinkönigreiche nicht völlig eigenständig waren. Seine Argumentation war so stichhaltig, dass sie selbst zuvor kritisch eingestellte Teilnehmer beeindruckte. Es war ein phänomenal gelungener Abend. Die Gäste – überwiegend Altertumskundler und Linguisten – blieben noch lange in Gespräche vertieft.
„The Artifical Sky“ – Workshop in Jena

„The Artifical Sky“ – Workshop in Jena

Vom 1. bis 3. November fand an der Friedrich-Schiller-Universität Jena ein Workshop mit dem Titel „Der künstliche Himmel – Effizientes Datenmanagement in der Kulturastronomie“ statt. Susanne M. Hoffmann hatte die Veranstaltung hervorragend organisiert. Ihr standen dabei Doris Vickers und Georg Zotti aus Wien zur Seite. Das MichaelStifelCenterJena unterstützte die Veranstaltung großzügig. Zu den Teilnehmern und Referenten zählten Koryphäen wie Clive Ruggles, Hermann Hunger, Wayne Horowitz und Steven Gullberg. Erstmals trat der Stellarium-Entwickler Fabien Chéreau in Erscheinung. Eine Weltpremiere war die Vorführung von Stellarium im Planetarium Jena, dem ältesten noch in Betrieb befindlichen Planetarium der Welt. Eberhard Zangger stellte weiterführende Thesen zur Interpretation des hethitischen Felsheiligtums Yazılıkaya vor den Experten von allen fünf Kontinenten zur Diskussion. Dieser Workshop lieferte Anregungen, die uns für mehrere Jahre beschäftigen werden. Herzlichen Dank an die Organisatoren!
SEAC-Konferenz in Warschau

SEAC-Konferenz in Warschau

Die 30. Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Astronomie in der Kultur (SEAC) fand vom 6. bis 9. September 2023 in Warschau, Polen, statt. „Zwischen antiker und moderner Astronomie“ war das Hauptthema. Der Konferenzort war gewählt worden, um zweier wichtiger Jubiläen von Nikolaus Kopernikus zu gedenken: 550 Jahre nach seiner Geburt und 480 Jahre nach seinem Tod. Aus diesem Grund unternahmen die Teilnehmer der Konferenz eine ganztägige Exkursion nach Frombork, der Stadt, in der Kopernikus 40 Jahre lang bis zu seinem Tod tätig war. Im Rahmen der Mitgliederversammlung wurde Rita Gautschy einstimmig zur neuen Präsidentin der SEAC gewählt. Sie tritt die Nachfolge von A. César González-García an. Rita Gautschy und Eberhard Zangger publizierten 2019 und 2021 zwei Aufsätze zum hethitischen Felsheiligtum Yazılıkaya im Journal of Skyscape Archaeology. Der Präsident der Stiftung Luwian Studies, Eberhard Zangger, hielt auf der Konferenz einen Vortrag mit bisher unveröffentlichten Informationen zur vergleichenden Archäologie kosmologischer Vorstellungen im Alten Vorderen Orient.
Erstes luwisches Kulturzentrum eröffnet

Erstes luwisches Kulturzentrum eröffnet

Die türkische Nachrichtenagentur Demirören berichtet, dass am 21. Juni 2023 das weltweit erste «Kulturzentrum für die luwische Kultur» von der Stadtverwaltung in Adana eröffnet worden ist. Laut Medieninformation soll an dem Zentrum das Leben und die Kultur der Luwier (ca. 2200–700 v. Chr.), einer der ältesten Bevölkerungsgruppen Kleinasiens, erforscht und das Wissen darüber für künftige Generationen erschlossen werden. An der Eröffnungszeremonie nahmen zahlreiche Regionalpolitiker sowie Vorsitzende und Führungskräfte von Nichtregierungsorganisationen teil. Der Bürgermeister von Seyhan, Akif Kemal Akay, wies darauf hin, dass in der zehntausendjährigen Kulturgeschichte Anatoliens eine grosse Lücke klafft zwischen den Kulturen von Göbeklitepe und Çatalhöyük einerseits, und den griechisch-geprägten Städten des ersten Jahrtausends vor Christus an der Ägäisküste andererseits. Das Ziel sei, zu zeigen, was von der bronzezeitlichen und früheisenzeitlichen luwischen Kultur alles geleistet worden ist.https://www.dha.com.tr/yerel-haberler/adana/antik-luvi-kultur-merkezi-hizmete-acildi-2270523  
Vortragsreise in Bulgarien

Vortragsreise in Bulgarien

Der Präsident der Stiftung Luwian Studies, Dr. Eberhard Zangger, hat vom 20. bis 29. April 2023 eine Vortragsreise durch Bulgarien absolviert. Auf Einladung von Professor Maya Vassileva hielt er an der New Bulgarian University zunächst Vorträge mit den Titeln „The Luwian Culture – The Missing Link in the Aegean Bronze Age“ und „The Earth, the Sky and the Netherworld: Cosmology 3200 Years Ago“. Angeregt und ermöglicht hatten die Reise Dr. Alexej Stoev und Dr. Penka Maglova von der Nationalen Akademie der Wissenschaften. Sie waren Gastgeber der Vorträge in den Festsälen der Regionalen Bibliothek und des Historischen Museums in Stara Zagora. Professor Anton Genov hatte ermöglicht, dass der Vortrag über Kosmologie auch für Studenten und Fakultätsmitglieder an der Südwest Universität «Neofit Rilski» in Blagoevgrad gehalten werden konnte. Diesen Vortrag konnten Zuhörer auch live über das Internet erleben; zusätzlich berichtete das Fernsehen.Die Vortragseinladungen waren aus der Konferenz der Europäischen Gesellschaft für Astronomie in der Kultur (SEAC) hervorgegangen, die im September 2021 in Stara Zagora stattgefunden hatte. Bulgarien ist als eines der Heimatländer der thrakischen Kultur eine der wichtigen Regionen, mit denen die luwische Kultur im zweiten Jahrtausend vor Christus interagierte. Gleichzeitig verfügt Bulgarien über Felsheiligtümer und neolithische Höhlenmalereien, die eine frühe Beschäftigung mit Kalendersystemen belegen.
Die Kernthesen auf Englisch, Deutsch und Türkisch

Die Kernthesen auf Englisch, Deutsch und Türkisch

Die wichtigsten Ergebnisse der im August 2022 erschienenen umfassenden Untersuchung der mittel- und spätbronzezeitlichen Siedlungen in der Westtürkei sind inzwischen in verschiedenen populärwissenschaftlichen Zusammenfassungen einem breiten Publikum zugänglich gemacht worden. Der von über 42’000 Abonnenten, darunter vielen Archäologen, gelesene Newsletter The Ancient Near East Today veröffentlichte einen Beitrag unter dem Titel „Putting the Luwian culture on the map“. Kurz darauf erschien „Ancient Troy and its Neighbors: Acknowledging the Luwian Culture at Last“ auf der öffentlich zugänglichen Website von popular-archaeology.com. Bereits seit dem Erscheinen der Hauptpublikation bei Archaeolingua ist die deutsche Zusammenfassung „Wer waren die Luwier?“ auf archäologie-online.de aufgeschaltet. Zusätzlich hatte der für die türkische Zeitschrift Haber Sol tätige Schriftsteller Celıl Denktaş während des 13. Karien-Symposiums, das am 2./3. September 2022 in Milas stattfand, ein dreistündiges Interview mit Eberhard Zangger geführt, das sowohl auf Türkisch wie auch auf Englisch (unter dem Titel „The Luwians against Eurocentrism“) erschien. Die Kernthesen der 140-seitigen wissenschaftlichen Arbeit stehen Interessierten somit kurz und bündig auf Englisch, Deutsch und Türkisch zur Verfügung. Alle wissenschaftlichen Arbeiten von Eberhard Zangger können auch unter seinem Profil auf academia.edu als PDF kostenlos heruntergeladen werden. 
Das 56. Winterseminar in Klosters

Das 56. Winterseminar in Klosters

Unter dem Titel „The Earth, the Sky and the Netherworld: Cosmology 3200 Years Ago“ hielt Eberhard Zangger, Präsident der Stiftung Luwian Studies, beim diesjährigen Winterseminar in Klosters einen einstündigen Vortrag über die Sternkunde im bronzezeitlichen Anatolien. Das Winterseminar, das dieses Jahr zum 56. Mal stattfand, wurde 1966 vom Göttinger Bio- und Physikochemiker Prof. Manfred Eigen (1927–2019) ins Leben gerufen und verbindet eine wissenschaftliche Konferenz mit Schneesport in den Schweizer Bergen. Manfred Eigen erhielt 1967 in Anerkennung seiner Arbeiten zur Geschwindigkeitsmessung von schnellen chemischen Reaktionen den Nobelpreis für Chemie. Seither referierten 40 Nobelpreisträger und zahlreiche weitere namhafte Forscherpersönlichkeiten in Klosters. Eberhard Zangger war zum zwölften Mal eingeladen, einen Abendvortrag zu halten. Die Fotos zeigen Zangger mit den drei Generationen der Organisatoren des Winterseminars: Manfred Eigen (1966–1995), Eberhard Neumann (1996–2010) sowie Markus Sauer und Joachim Heberle (seit 2011). Ein seit vielen Jahren zelebriertes Ritual des Winterseminars ist das Anstoßen mit Spirituosen gegen Mitternacht in der großen zentralen Garage des Hotel Sport.Winterseminar Klosters Manfred Eigen  
Ivo Hajnal erhält Großes Silbernes Ehrenzeichen

Ivo Hajnal erhält Großes Silbernes Ehrenzeichen

Dem Innsbrucker Sprachwissenschaftler und Stiftungsrat von Luwian Studies Ivo Hajnal wurde am 14. Dezember 2022 das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich verliehen. Die hohe Auszeichnung überreichte der Rektor der Universität Innsbruck Tilmann Märk in Vertretung des Bundespräsidenten. Sie würdigt die herausragenden Leistungen von Ivo Hajnal in der Wissenschaft und sein Wirken als Vorsitzender des akademischen Senats der Universität Innsbruck von 2005 bis 2019 sowie als Initiator des Austria-Israel Academic Network Innsbruck.Rektor Tilmann Märk sagte: „Ivo Hajnal hat in allen Zweigen der modernen Linguistik wichtige Beiträge geleistet, die jeweils interessante Theoriekombinationen häufig mit der Anwendung auf gesellschaftlich hochrelevante Fragestellungen und Daten verbinden.“ Mit zahlreichen Publikationen zur historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft hat sich Ivo Hajnal einen international anerkannten Namen als Indogermanist gemacht. Neben der historisch-vergleichenden Sprachwissenschaft hat er auch zur allgemeinen und angewandten Sprachwissenschaft wichtige Beiträge geliefert und die Forschung im Bereich der angewandten Linguistik vorangetrieben. 
Neues Buch von Jörg Mull

Neues Buch von Jörg Mull

Nachdem Jörg Mull bereits 2017 ein umfangreiches Buch in deutscher Sprache zu den verschiedenen Erklärungsmodellen für das Ende der Bronzezeit publiziert hatte (Mythen und Metalle – Der Trojanische Krieg, die Seevölker und der Kulturbruch am Ende der Bronzezeit), ist nun ein neues Werk von ihm auf Englisch erschienen. Es trägt den Titel Towards the Borders of the Bronze Age and Beyond: Mycenaean Long Distance Travel and its Reflection in Myth und wird von Sidestone Press in Leiden herausgegeben. Im Buch geht es um die Frage, wie weit sich die Handelsrouten der mykenischen Seefahrer in alle Himmelsrichtungen erstreckten und inwieweit sich die auf den Reisen gewonnenen Eindrücke in altgriechischen Mythen bewahrt haben. Eberhard Zangger hat eine Buchbesprechung geschrieben, die hier als PDF heruntergeladen werden kann.
„Middle and Late Bronze Age Western Asia Minor: A Status Report“

„Middle and Late Bronze Age Western Asia Minor: A Status Report“

Die heute erschienenen EAA-Abhandlungen enthalten einen 140 Seiten umfassenden Beitrag von Eberhard Zangger, Alper Aşınmaz und Serdal Mutlu mit dem Titel: „Middle and Late Bronze Age Western Asia Minor: A Status Report“. Die drei Forscher haben die Ergebnisse von 33 Ausgrabungen und 30 archäologischen Surveys im Westen der Türkei ausgewertet und auf dieser Grundlage 477 große Siedlungsplätze identifiziert, die für mindestens 1000 Jahre, in einigen Fällen sogar für 5000 Jahre, bewohnt waren. Die wissenschaftliche Publikation enthält eine gefaltete topographischen Karte (320×464 mm), in der die ehemaligen Siedlungen eingezeichnet sind. Mithilfe eines Geografischen Informationssystems (GIS) und unter Berücksichtigung von 30 physiogeografischen Faktoren für jeden der mittel- und spätbronzezeitlichen Siedlungsplätze konnten die Forscher ermitteln, welche Faktoren bei der Standortwahl berücksichtigt wurden. Die Nähe zu fruchtbarem Ackerland und die Verfügbarkeit von Trinkwasser waren besonders wichtig. Ein Drittel der Siedlungen lag weniger als vier Kilometer von einer möglichen Straße entfernt. Erzvorkommen sind in der Region reichlich vorhanden, aber ihre Lage hatte keinen Einfluss auf das Siedlungsmuster. Bisher galt das westliche Kleinasien während der Mittleren und Späten Bronzezeit (2000–1180 v. Chr.) als politisch und wirtschaftlich unbedeutend. Die neue Untersuchung bestätigt nun die bereits 1994 vorgestellte Theorie, wonach Westkleinasien im 2. Jahrtausend v. Chr. von der luwischen Kultur – mit eigener Sprache und Schrift – geprägt war. 
“The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age”

“The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age”

Pünktlich zum Start der diesjährigen EAA-Konferenz in Budapest erschien heute – ebenfalls in Budapest – der Band mit den Beiträgen zur EAA-Session „The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age“, die 2019 in Bern stattfand. Der gut 400 Seiten umfassende Sammelband enthält zwölf Beiträge der folgenden Autoren: Alper Aşınmaz, Haldun Aydingün, Christoph Bachhuber, Ulrike Berndt, Francis Breyer, Ivo Hajnal, Alwin Kloekhorst, Antonis Kourkoulakos, Serdal Mutlu, Sefa Taşkın, Maya Vassileva, Willemijn Waal, Fred Woudhuizen und Eberhard Zangger, sowie ein Vorwort von Jorrit Kelder. Letzterer schreibt: „Dieser Band stellt einen großen Schritt vorwärts dar im Hinblick auf unser Verständnis des spätbronzezeitlichen Westanatoliens, seiner Völker, Sprachen und Kulturen sowie der Position der Region gegenüber den zeitgenössischen Staaten im Nahen Osten und im östlichen Mittelmeerraum.“Ivo Hajnal, Eberhard Zangger und Jorrit Kelder (Hrsg.) 2022: The Political Geography of Western Anatolia in the Late Bronze Age, Archaeolingua Series Minor 45, Archaeolingua, Budapest. ISBN 978-615-5766-54-1 
Karien-Konferenz in Milas

Karien-Konferenz in Milas

Am 2. und 3. September 2022 findet nach pandemiebedingter zweijähriger Unterbrechung das 13. „Karien, Karier und Milas Symposium“ in Milas bei Bodrum statt, das sein Bestehen allein dem unermüdlichen Einsatz von Olcay Akdeniz verdankt. Im Rahmen des Symposiums kommen viele in der West-Türkei tätige Archäologen zusammen. Es steht unter dem Thema „Wirtschaft und Handel in Karien“, und Dr. Eberhard Zangger wird diesen Themen-Komplex als eingeladener Redner mit einem Vortrag über „Die spätbronzezeitliche Wirtschaft in Westkleinasien“ eröffnen. Der Vortrag lieferte Einblicke in die neuesten quantitativen Auswertungen des Siedlungsmuster der 477 inzwischen erfassten größeren Siedlungen der Spätbronzezeit.Am 12. September spricht Zangger dann im Rahmen der 8. Meggener Rohstofftage über „Geowissenschaften und Archäologie: Rekonstruktion von Landschaften und Handelsbeziehungen“. Ein einstündiger Vortrag über den aktuellen Stand der Kenntnis zum Thema „Die luwische Kultur“ folgt am 19. September 2022 in Zürich. 
Yazılıkaya-Video erhält Auszeichnung ARTEFACTA 2022

Yazılıkaya-Video erhält Auszeichnung ARTEFACTA 2022

Im Rahmen der ARTEFACTA 2022, des internationalen Festivals für audiovisuelle Darstellung von Archäologie, Kulturgeschichte und Kunst, das vom 19. bis 21. Mai 2022 in Düsseldorf stattfand, gewann das Animationsvideo „Hittite Yazılıkaya – A Lunisolar Calendar“ einen der nur zehn verliehenen Pokale, nämlich den 2. Preis in der Kategorie Dokumentarfilm und damit die Auszeichnung „Lobende Erwähnung 2022“ des Fördervereins Cinarchaea e. V. Wir freuen uns sehr über diese Anerkennung, die vor allem Stefan Muggli, Creative Producer bei Instantview, zu verdanken ist. Das Zürcher Studio hat sich zum Ziel gesetzt, hochwertige, massgeschneiderte audiovisuelle Produkte in den Bereichen Corporate- und Educational-Films zu realisieren. Stefan hat die Still-Fotos und Vektorgrafiken animiert, sodass sie lebendig werden.Website mit Gewinnernhttps://www.youtube.com/watch?v=_FqEW_y6I3U
Die symbolische Bedeutung von Yazılıkaya

Die symbolische Bedeutung von Yazılıkaya

Das Felsheiligtum Yazılıkaya nahe Hattusa ist ein besonderer Ort in der hethitischen Religion. Vor kurzem hat ein internationales Forscherteam herausgefunden, dass dieses Heiligtum, wie viele Tempel im alten Mesopotamien und Ägypten, den Kosmos symbolisiert. Es zeigt die Gottheiten, die über Himmel, Erde und Unterwelt wachen, und ermöglicht den Übergang zwischen den Sphären des Kosmos. Parallel zur auf Türkisch übersetzten umfangreichen wissenschaftlichen Veröffentlichung ist nun auch erstmals eine verständliche Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse auf Türkisch bei der Milliyet Zeitschrift für Archäologie (Milliyet Arkeoloji Dergisi) erschienen.Bereits 1941 hatte Kurt Bittel, der damalige Ausgräber von Hattusa und Yazılıkaya, erkannt, dass das Quellheiligtum von Eflatun Pınar eigentlich nur eine Darstellung der hethitischen Sicht der Welt symbolisieren kann. Nun stellt sich heraus, dass Yazılıkaya ebenfalls den Kosmos versinnbildlicht, dabei jedoch weniger schematisch als Eflatun Pınar ist und daher eine detaillierte Sicht auf die hethitische Kosmologie gewährt.
Die Luwian-Studies-Bibliothek im Zentrum von Zürich

Die Luwian-Studies-Bibliothek im Zentrum von Zürich

Der im September 2021 verstorbene Frühgeschichtler und Linguist Frederik C. Woudhuizen hatte verfügt, dass seine umfassende Bibliothek zur Archäologie und Sprachgeschichte des Mittelmeerraums in den Besitz der Stiftung Luwian Studies übergehen soll. Die Stiftung dankt Freds Bruder Douwe Woudhuizen für seine großzügige und speditive Abwicklung des Nachlasses. Inzwischen sind die Bücher in Zürich eingetroffen und dort zusammen mit der Bibliothek von Eberhard Zangger thematisch nach vierzig Schwerpunkten gegliedert. Die Bibliothek der Stiftung steht interessierten Forschern selbstverständlich jederzeit zur Verfügung. Im Dezember 2021 hat die Stiftung ihr einladendes Domizil in der Zürcher Innenstadt, nur einen Steinwurf entfernt vom Paradeplatz und seinem berühmten Café Sprüngli, beziehen können.Zu den weiteren Raritäten, die aus Nachlässen in den Besitz der Stiftung übergegangen sind, zählen die Trojakarte von Guillaume Sanson aus dem Jahr 1665, die Claude Schaeffer, der erste Ausgräber von Ugarit, jahrzehntelang besaß – und die Emil Forrers Sohn Wolfgang der Stiftung übergeben hat. Des weiteren zählt dazu ein Faksimile der Regensburger Handschrift Cod. 2773, dessen Original sich heute in der Staatsbibliothek Wien befindet. Es handelt sich dabei um die deutsche Übersetzung aus dem Jahr 1450 der vom sizilianischen Richter Guido de Columnis auf 1287 Latein verfassten Historia destructionis Troiae. Aus dem Nachlass von James Mellaart stammt dessen Zeichnung der luwischen Hieroglypheninschrift „Beyköy 2“.Freunde von Luwian Studies sind jederzeit willkommen vorbeizuschauen.  
Tagundnachtgleiche und Sonnenwenden in alle Ewigkeit

Tagundnachtgleiche und Sonnenwenden in alle Ewigkeit

Nach astronomischer Definition markiert der Frühlingspunkt den Frühlingsanfang nördlich des Äquators und den Herbstanfang südlich davon. Die Richtung der Sonnenuntergänge an den vier jahreszeitlichen Wendepunkten (Wintersonnenwende, Frühlingstagundnachtgleiche, Sommersonnenwende und Herbsttagundnachtgleiche) sind mit Linien im Belag der unteren Westterrasse des Griffith Observatory in Los Angeles markiert.Die beiden Sonnenuntergänge zur Tagundnachtgleiche sind in dem vom Observatorium aus gesehenen Punkt im Westen zusammengefasst; sie werden in der aktuell im Panoramabild auf der Startseite gezeigten Fotomontage von dem Sonnenuntergang zur Wintersonnenwende im Südwesten (links) und dem Sonnenuntergang zur Sommersonnenwende im Nordwesten (rechts) flankiert. Diese Sonnenereignisse spiegeln den Zyklus des jahreszeitlichen Wandels wider: Entstehen, Wachstum, Vergehen, Ruhe und Erneuerung. Die meisten Völker beobachten diesen jährlichen Zyklus seit vielen Jahrtausenden.Diese Richtungen spielen eine wichtige Rolle in den Glaubenssystemen und dem symbolischen Vokabular früher Kulturen, weil sie die Grundelemente der natürlichen Ordnung symbolisieren. Architektonische Komplexe wie Häuser, Tempel und sogar Stadtpläne sowie Zeremonien verkleinern das Universum und spiegeln es auf der Erde wider, indem sie die traditionellen Prinzipien der kosmischen Ordnung symbolisch einbeziehen. Deswegen folgen die Fundamente vieler prähistorischer und antiker Gebäude diesen Ausrichtungen.Die Fotos wurden von Mike Kelley im Auftrag von Luwian Studies zwischen dem 20. März und dem 28. Dezember 2021 geschossen (© Mike Kelley / Luwian Studies). 
Aktueller Online-Vortrag über die Luwier auf YouTube

Aktueller Online-Vortrag über die Luwier auf YouTube

Die Luwier standen im Mittelpunkt eines 75-minütigen Online-Vortrags, den der Präsident von Luwian Studies, Dr. Eberhard Zangger, am 10. März 2022 im Rahmen des YouTube-Kanals für die Ausbildung von Reiseleitern hielt. Professor Uğur Akdu von der Tourismus-Fakultät der Universität Gumushane hatte Eberhard Zangger eingeladen, über den aktuellen Wissensstand der mittel- und spätbronzezeitlichen Kulturen in der Westtürkei zu sprechen. Die Vortragsreihe des Reiseleiter-Kanals besteht aus Live-Präsentationen mit anschließender Fragerunde, in deren Rahmen Spezialisten ausführlich über Archäologie, Kultur, Kunst und Geschichte referieren. Der Vortrag wurde von Gökhan Köksal von der Universität Sıtkı Koçman in Muğla moderiert. Durch die pandemiebedingten Einschränkungen im Lehrbetrieb der letzten zwei Jahren war es nicht mehr möglich gewesen, Vorträge an Universitäten in der Türkei zu halten. Die Online-Plattform der Tourismus-Akademie bietet daher eine hervorragende Gelegenheit, die so entstandene Lücke zu schließen und über die neuesten Erkenntnisse in der Forschung zu berichten. Die Tour Guides Academy hat Live-Übertragungen als Format gewählt, um eine dynamische Interaktion mit den Zuhörern zu ermöglichen. Die aufgezeichneten Vorträge einschließlich der Fragerunde stehen anschließend auf YouTube jederzeit zur Verfügung.Der Vortrag behandelt die Rahmenbedingungen im östlichen Mittelmeerraum am Ende der Spätbronzezeit sowie den Kultureinbruch in dieser Region nach 1200 v. Chr. Weitere Themen sind die Herkunft und Rolle der Seevölker, die Definition des Begriffs „Luwier“, die Identität der Luwier, die wichtigsten Merkmale ihrer Kultur wie auch die Beziehungen zu ihren Nachbarn. Dokumente in zypro-minoischer Schrift aus Enkomi zeigen, wie der Handel mit Stoffen in der friedlichen Zeit um 1200 v. Chr. auf dem Seeweg zwischen Troja, Zypern und Ugarit vonstattenging. Ein ganz spezielles Dokument ist jedoch ebenfalls erhalten geblieben und bei Ausgrabungen in Enkomi gefunden worden. Es handelt sich um den Brief eines zypriotischen Admirals, der sich auf einer Erkundungsmission in die Ägäis befand und dem dort vollkommen unerwartet die Flotte der vereinigten Seevölker begegnete. Der Vortrag schloss mit einem Ausflug in die Erkenntnistheorie, um zu erläutern, wie es möglich ist, dass wir bis heute so wenig über die Luwier wissen. 
Eine verständliche Einführung in das Lebenswerk von Fred Woudhuizen

Eine verständliche Einführung in das Lebenswerk von Fred Woudhuizen

Das Lebenswerk des im September 2021 verstorbenen Forschers Frederik Woudhuizen besteht aus 25 Büchern und über 100 wissenschaftlichen Artikeln. Woudhuizen hat Entzifferungen für Schriftsysteme vorgeschlagen, die allgemein als nicht entziffert gelten, darunter die kretischen Hieroglyphen, die Byblos-Schrift, Linear A und die kypro-minoische Schrift. Praktisch alle Arbeiten Woudhuizens stehen miteinander in einem Zusammenhang, so dass sich daraus ein in sich kohärentes System der frühen mediterranen Schriftsysteme herleiten lässt. Um dieses System leichter zugänglich und begreiflicher werden zu lassen, begann der Schweizer Geoarchäologe Eberhard Zangger im Sommer 2020 damit, mit Fred Woudhuizen Gespräche zu den unterschiedlichsten Aspekten von dessen Forschung zu führen. Dieses Buch, das Fred Woudhuizen noch bis zur Drucklegung begleitet hat, präsentiert auf 255 Seiten die Hauptthemen dieser Interviews. Mit Hilfe von Fred Woudhuizens eigenen Aussagen werden Zusammenhänge ersichtlich, die zuvor im Verborgenen blieben. Die Leser erhalten so Zugang zur Denkweise eines Forschers, dessen Werk zu seinen Lebzeiten zum großen Teil unverstanden blieb. 
Conversations about Space and Time: Early Mediterranean Scripts
Frederik C. Woudhuizen und Eberhard Zangger November 2021 Istanbul: Ege Yayınları ISBN / ISSN: 9786057673930 Sprache: Englisch 255 Seiten 63 Farbabbildungen 21 x 15 cm Kartonierter Einband Gewicht: 474 gr https://www.zerobooksonline.com/en/product/url/early-mediterranean-scripts 
Kommentiertes Inhaltsverzeichnis
Wie funktionieren Entzifferungen? Was bedeuten die Begriffe mediterrane Vor- und Frühgeschichte? Die Vorteile interdisziplinärer Arbeit. Verknüpfen der Beweise. Wie Michael Ventris Linear B entschlüsselte – und warum Alice Kober das nicht gelungen wäre. Aus jedem Durchbruch kann man lernen, aber ein Erfolgsrezept gibt es nicht. Jedes Mal wird ein anderer Werkzeugsatz benötigt. Wichtiger ist, was nach der Entzifferung kommt. Aus dem Etruskischen gibt es die meisten Dokumente – und alle können gelesen werden. Herausforderungen im Umgang mit luwischen Hieroglyphen. Eine Übersicht über die in diesem Buch behandelten Schriftsysteme. Erfolge und Misserfolge von Arthur Evans. Die Chronologie sollte korrigiert werden.Wellen der Indogermanisierung im Mittelmeer Warum Indogermanische Studien keineswegs rätselhaft sind. Erste Bewegungen in der Steppe. Pferd, Wagen und Bronze kommen zum Einsatz. Pelasger breiten sich über die Ägäis aus. Zwei Gruppen von Indoeuropäisch Sprechenden verbreiten sich um 2300 v. Chr. Die Luwier erreichen Anatolien – die Hethiter auch. Indoarier und Hyksos in der Levante und in Ägypten. Die griechische Sprache erreichte Griechenland erst 1650 v. Chr. Auf Kreta blühte eine multiethnische Gesellschaft. Konflikte mit Einwanderern sind nichts Neues. Die ältesten Sprachen in Iberien, Italien, dem Balkan und Anatolien.Die frühesten kretischen Schriften Zuerst kamen die akkadische Keilschrift und die ägyptischen Hieroglyphen. Tausend Jahre später erscheinen hieroglyphische Schriften in Anatolien und auf Kreta. Es gibt eine Beziehung! Linear A ist semitisch. Der Diskus von Phaistos stellt eine späte Form der kretischen Hieroglyphen dar. Die Forschung hat an Schwung verloren. Gibt es einen Kontext für Atlantis?Der dauerhafte Erfolg der luwischen Hieroglyphen Luwische Hieroglyphen sind seit 200 Jahren bekannt. Die Entzifferung erfolgte inkrementell. Endlich fand man eine Bilingue. Verschiedene Arten der Transkription. Die alte Lesart, die neue Lesart und die angepasste alte Lesart. Das Rätsel der großen Inschrift „Beyköy 2“. In der realen Welt erscheint ein Schriftzeichen, das zuvor als Hinweis für Fälschung galt. Türkmen-Karahöyük und die Frage seiner Datierung.Byblos braucht eine eigene Schrift Wie sah die Situation 1700 v. Chr. aus? Warum Byblos sein eigenes Schriftsystem brauchte. Bisherige Entzifferungsversuche. Jan Best und Fred Woudhuizen zerstreiten sich. Jan Best verdient Anerkennung! Kollegen halten die Entzifferung für spekulativ.Ein Admiral aus Zypern ruft um Hilfe Es gibt ausführliche und gut erhaltene Dokumente aus Zypern. Was die kypro-minoische Schrift wirklich ist. Verwaltungsbeamte führten Buch über Waren im Transit. Die hethitischen Herrscher verlangten Steuern. Nichts geht über sorgfältige Buchhaltung. Handelsrouten werden ersichtlich. Über den Wert des akrophonischen Prinzips. Die Tontafel 1687 aus Enkomi ist ein Hilferuf. Die Seevölker kommen – aus Troja!Herkunft und Motive der Seevölker Die politische Situation nach 1250 v. Chr. Zypern wird von den Hethitern annektiert. Die Hethiter erhoben in erster Linie Steuern. Alle betrachteten die Lukka als Störenfriede. Mindestens neun Stämme schließen sich zusammen. Mehrere Seevölker stammen aus Westkleinasien. War auch das zentrale Mittelmeer beteiligt? Fred präsentiert seine Rekonstruktion; Eberhard sieht das anders.Die Etrusker kamen aus Kleinasien Etruskisch konnte zwar gelesen werden, wurde aber nicht verstanden. Viele Versuche sind gescheitert. Ein Schriftzeichen stammt aus Lydien. Es gibt eine Bilingue – und sie ist sogar aus Gold! Ein ganzes Buch in etruskischer Sprache. Die Lemnos-Stele ist nicht ganz etruskisch. Etruskologen sind bestrebt, europäische Wurzeln zu belegen. Sprechen manche Schweizer Etruskisch? Etruskisch ist ein kolonialer luwischer Dialekt.Andere luwische Dialekte wie Lydisch, Lykisch und Karisch Die Hethiter sind verschwunden. Phryger wandern in Kleinasien ein. Während der frühen Eisenzeit sprechen die meisten Menschen in Anatolien weiterhin Luwisch. Lykisch ist ein luwischer Dialekt – genauso wie Lydisch, Sidetisch und Karisch. Ist Qλdãnś wirklich Apollo? Kleine Änderungen in der Lesart des Luwischen haben eine große Wirkung. Sidetisch besteht zur Hälfte jeweils aus phönizischen und zypriotischen Zeichen. Sidetisch ist eng mit Lykisch B verwandt. Manche Untersuchungen zum Karischen sind fragwürdig. Karisch enthält kypro-minoische Zeichen. Schriftsysteme vermischen sich untereinander! Griechisch wird überbewertet.Südwestiberisch ist Keltisch Das Südwestiberisch ist älter als die Alphabete in Griechenland und Anatolien. Ein Bedürfnis, teilweise Silbenschrift anzuwenden. Einflüsse aus Zypern. Die Sprache ist keltisch, aber die Transkription muss korrigiert werden. Ein Zinnmeister tritt auf. Die Phönizier gründeten Häfen in Südspanien, wo man Keltisch sprach.Etymologie oder keine Etymologie – das ist hier die Frage In der Linguistik gibt es keine Ansätze alter Schule. Die Verwendung der Etymologie ist in den indogermanischen Studien gängige Praxis. Sprachen unterscheiden sich voneinander, beeinflussen sich aber auch gegenseitig. Luwisch übte nach dem Ende der Bronzezeit einen nachhaltigen Einfluss aus. Wie alles miteinander verbunden war: ein Überblick über die Entwicklung der Schriftsysteme im 2. Jahrtausend v. Chr. Welche Fragen sind noch offen? Die Bedeutung historiographischer Quellen. Von Centum- und Satem-Sprachen. Warum sind Fehler hilfreich? In welchen Bereichen Freds Interpretationen bereits bestätigt wurden. Ist die gesamte europäische Archäologie eurozentrisch? Wie geht es weiter?  
Fred Woudhuizen (1959–2021)

Fred Woudhuizen (1959–2021)

Das Forschungsgebiet Luwian Studies hat einen seiner kenntnisreichsten und produktivsten Wissenschaftler verloren: Frederik Christiaan Woudhuizen ist am 28. September 2021 verstorben. Fred Woudhuizen war ein Experte für alte indoeuropäische Sprachen, insbesondere für die luwische Hieroglyphenschrift und mediterrane Frühgeschichte. Er promovierte an der Erasmus-Universität Rotterdam mit einer Dissertation über The Ethnicity of the Sea Peoples. Woudhuizen hat 25 Bücher veröffentlicht, darunter The Luwians of Western Anatolia – Their Neighbors and Predecessors (2018) und Luwian Hieroglyphic Text in Late Bronze Age Scribal Tradition (2021). Er hat sich auch umfassend mit Lykisch, Lydisch, Sidetisch, Karisch, Etruskisch und Südwest-Iberisch befasst. – Fred war nicht nur ein geschätzter Kollege, sondern vor allem ein herzensguter Mensch. Wer ihn kannte, wird ihn vermissen.
SEAC-Treffen in Stara Zagora, Bulgarien

SEAC-Treffen in Stara Zagora, Bulgarien

Die Europäische Gesellschaft für Astronomie in der Kultur (SEAC) traf sich vom 6. bis 11. September 2021 zu ihrer Jahreskonferenz in Stara Zagora in Bulgarien, wobei dieses Jahr etwa die Hälfte der Vorträge per Videokonferenz zugeschaltet waren. „Cultural Astronomy & Ancient Skywatching“ lautete das Thema des 28. SEAC-Jahrestreffens. Die Vorträge umfassten Natur- und Sozialwissenschaften, einschließlich Astronomie, Anthropologie, Geschichte, Archäologie, Architektur und Mathematik. Der Präsident von Luwian Studies, Eberhard Zangger, präsentierte einen Vortrag (verfasst zusammen mit E.C. Krupp, Serkan Demirel und Rita Gautschy) über „The Perennial Cycles of the Universe as Symbolized in Hittite Yazılıkaya“. Exkursionen im Rahmen der Konferenz zeigten, wie bereits in der Jungsteinzeit astronomische Anliegen in menschengemachten Konstruktionen und Kunst zum Ausdruck kamen. Das Foto zeigt die Ausgrabung des überwiegend frühneolithischen Tells von Karanovo, 15 km östlich von Stara Zagora.
Kurzvideo erreicht in der ersten Woche über 100’000 Leute

Kurzvideo erreicht in der ersten Woche über 100’000 Leute

Die jüngste wissenschaftliche Publikation über Yazılıkaya hat in kurzer Zeit grosse Resonanz erlangt. Nach weniger als einer Woche hatten bereits über 100’000 Personen das neue Animationsvideo mit der Zusammenfassung der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung gesehen.
Leicht verständliche Zusammenfassungen und Medienberichte

Leicht verständliche Zusammenfassungen und Medienberichte

Die Veröffentlichung des neuesten Artikels in JSA über die kosmische Symbolik in Yazılıkaya wurde von der Publikation leicht verständlicher Zusammenfassungen begleitet, welche die Wissenschaftler, die an der Untersuchung mitgewirkt haben, verfasst hatten. Der Online-Newsletter Ancient Near East Today (ANEToday) veröffentlichte einen umfangreichen Artikel von E. Zangger und E. C. Krupp, in dem die Kernthesen des neuen Modells einem breiteren Publikum vorgestellt werden. In deutscher Sprache erschien dieser Beitrag auf www.archäologie-online.de. Ausserdem erschienen rund um die Welt Medienberichte, allen voran ein Artikel von Michael Marshall für New Scientist. In vielen Ländern wurde die Nachricht bereits innerhalb der ersten 24 Stunden aufgegriffen, darunter Thailand und Australien. In der Türkei berichtete arkeolojikhaber ausführlich. 
Kosmischer Symbolismus in Yazılıkaya – umfassende wissenschaftliche Publikation in JSA

Kosmischer Symbolismus in Yazılıkaya – umfassende wissenschaftliche Publikation in JSA

Das Journal of Skyscape Archaeology (JSA) hat heute einen umfassenden wissenschaftlichen Beitrag über den kosmischen Symbolismus im hethitischen Felsenheiligtum Yazılıkaya bei Hattusa veröffentlicht. Demnach stellt das Heiligtum in seiner Gesamtheit ein symbolisches Abbild des Kosmos dar, einschließlich dessen statischer Ebenen (Erde, Himmel, Unterwelt) und der zyklischen Prozesse der Erneuerung und Wiedergeburt (Tag/Nacht, Mondphasen, Sommer/Winter). Sowohl die statischen Ebenen wie auch die himmlischen Zyklen werden im gesamten Heiligtum hervorgehoben. Jedes einzelne Relief ordnet sich in dieses System ein. Diese Erkenntnis resultiert aus mehrjähriger intensiver Forschung, in deren Zuge der Geoarchäologe Eberhard Zangger, Präsident von Luwian Studies, und Rita Gautschy, Archäologin und Astronomin am Institut für Archäologie der Universität Basel, zunächst erkannt hatten, dass viele der Figuren in Yazılıkaya die Mondphasen und die Zeit innerhalb des Jahres anzeigen. Vor zwei Jahren hatten die Forscher diese Beobachtung erstmals in einem wissenschaftlichen Artikel veröffentlicht, der ebenfalls in JSA erschienen war. Die anschließende weitere Forschung konzentrierte sich auf die symbolische Bedeutung des Heiligtums in seiner Gesamtheit. An diesen Arbeiten waren beteiligt – neben Zangger und Gautschy – auch E. C. Krupp, Direktor des Griffith Observatory in Los Angeles, und Serkan Demirel, Althistoriker an der Karadeniz Technical University in der Türkei. Die wissenschaftliche Publikation erscheint zeitgleich in Englisch und Türkisch als „Gold Open Access“ und kann somit frei heruntergeladen und geteilt werden.https://luwianstudies.academia.edu/EZangger 
Abhandlungen der SEAC-Konferenz in Graz 2018

Abhandlungen der SEAC-Konferenz in Graz 2018

Die Abhandlungen der 2018 in Graz durchgeführten Jahreskonferenz der Europäischen Gesellschaft für Astronomie in Kulturen (SEAC) sind unter dem Titel „Harmony and Symmetry. Celestial regularities shaping human culture“ bei tradition in Hamburg erschienen. Das 440-seitige Buch wird von Sonja Draxler, Max E. Lippitsch und Gudrun Wolfschmidt herausgegeben. Es enthält auch einen Beitrag von Eberhard Zangger und Rita Gautschy mit dem Titel „The Hittite Rock Sanctuary of Yazılıkaya: A Time-Keeping Device from c. 1230 v. Chr.“ Dieser Artikel beleuchtet die praktischen Aspekte des hethitischen Felsenheiligtums von Yazılıkaya in der Zentraltürkei, das mit seinen über neunzig Felsreliefs von Gottheiten, Menschen, Tieren und mythischen Figuren in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts v. Chr. datiert. Es wird gezeigt, dass die Reliefs in Kammer A in Gruppen angeordnet sind, um den aktuellen Mondmonat, den Tag des Mondmonats und das Jahr anzuzeigen. Durch die Notierung der Tage und synodischen Monate konnten die hethitischen Priester bestimmen, wann zusätzliche Schaltmonate nötig waren, um die Mond- und Sonnenjahre wieder in Einklang zu bringen. Für die hethitischen Priester war es von höchster Wichtigkeit, den Ablauf des Jahres genau zu erfassen, damit sie sicherstellen konnten, dass die vielen jährlichen Feste in die richtige Jahreszeit fallen.https://luwianstudies.academia.edu/EZangger
Stiftungsratssitzung bei Luwian Studies – ein Jahr danach

Stiftungsratssitzung bei Luwian Studies – ein Jahr danach

Heute vor einem Jahr fand in Zürich die letzte Sitzung des Vorstandes von Luwian Studies in Form eines persönlichen Treffens statt. Gelehrte aus den Niederlanden, der Schweiz, Österreich, den USA und sogar China kamen in Zürich zusammen, um den Vortrag von Dr. Tijmen Pronk über indoeuropäische und anatolische Sprachen zu hören, um anregende Gespräche zu führen und ein unvergessliches Abendessen im Hotel Savoy zu genießen, das unser Gastgeber und Vorstandsmitglied Matthias Oertle arrangiert hatte. Wie hat sich das Leben auf der ganzen Welt in diesem einen Jahr verändert! Alle weiteren Sitzungen mussten natürlich per Videokonferenz abgehalten werden – was zwar ausgezeichnet funktionierte, aber natürlich nicht die Atmosphäre herbeiführt, die entsteht, wenn sich Gleichgesinnte treffen. Die Stiftung hat während der Pandemie nicht extern kommuniziert, da alle Aufmerksamkeit und Kapazität für wichtigere Themen benötigt wurde. Wir freuen uns jetzt sehr darauf, wieder ins Gelände gehen zu können – und uns hoffentlich schon wieder persönlich treffen zu können.
Erklärung des Stiftungsrates von Luwian Studies

Erklärung des Stiftungsrates von Luwian Studies

In einigen Social-Media-Beiträgen wird derzeit die Vermutung geäussert, dass die Mitglieder der Religionsgemeinschaft der Aleviten Nachkommen der Luwier sein könnten. Die Stiftung Luwian Studies hat grossen Respekt vor den Aleviten. Es ist jedoch nicht möglich, dass sie mit Luwiern verwandt sind. Der Begriff „luwisch“ bezieht sich auf die multiethnischen und mehrsprachigen Stadtstaaten und Kleinkönigreiche, die während der Mittleren und Späten Bronzezeit in Westkleinasien bestanden. Das Luwische, eine Sprache indogermanischen Ursprungs, machte dabei die grösste Sprachgruppe aus. Die luwische Hieroglyphenschrift wurde nach etwa 600 v. Chr. nicht mehr verwendet, obwohl sich die luwische Sprache bis in die Römerzeit hielt.Der Alevismus hat seinen Ursprung in der türkischen Kultur. Die Religion verbreitete sich im 13. und 14. Jahrhundert nach der Ankunft der oghusisch-turkmenischen Stämme aus Zentralasien (Khorasan) in Anatolien – mehr als ein Jahrtausend nach dem Verschwinden der luwischen Sprache. Archäologische Untersuchungen liefern keine Hinweise auf eine Verbindung zwischen Luwiern und den in die heutige Türkei eingewanderten Völkern. Es bestehen mit Sicherheit keine direkten Verbindungen zwischen Luwiern und den heutigen Religionsgemeinschaften.Luwian Studies hat sich zum Ziel gesetzt, die Zeit zwischen 2000 und 1000 v. Chr. in der westlichen Türkei zu beleuchten, die bisher zu wenig archäologische Aufmerksamkeit erhalten hat. Der Stiftungsrat möchte mit dieser Klarstellung allfälligen Missverständnissen vorbeugen.
SAMA-Videointerviews über Seevölker und Luwier

SAMA-Videointerviews über Seevölker und Luwier

„The Study of Antiquity and the Middle Ages“ (SAMA) ist ein Video-Interviewkanal auf YouTube, der von Nick Barksdale aus Oklahoma betrieben wird. Ungeachtet des Namens dieses Programms legt Nick Barksdale einen zusätzlichen thematischen Schwerpunkt auf das Ende der Bronzezeit im östlichen Mittelmeerraum. In diesem Zusammenhang entstanden vor kurzem Interviews mit Dr. Fred Woudhuizen über die Ethnien der Seevölker und mit Dr. Eberhard Zangger über die Luwier und Luwian Studies.Letzterer beantwortete Fragen zu den Themenkomplexen: Wie spielte sich der Kultureinbruch am Ende der Bronzezeit ab? Was wissen wir über die Seevölker und ihre Überfälle? Wer waren die Luwier? Wo lebten sie? Wie war die Beziehung zwischen Hethitern und Luwiern? Welche Rolle spielten die Luwier im Trojanischen Krieg? Waren die Trojaner Luwier? Was macht Luwian Studies und was sind die jüngsten Entdeckungen auf diesem Gebiet?
Vortrag von Dr. Tijmen Pronk über indogermanische und anatolische Sprachen

Vortrag von Dr. Tijmen Pronk über indogermanische und anatolische Sprachen

Dr. Tijmen Pronk vom Institut für Vergleichende Indogermanische Sprachwissenschaft der Universität Leiden hat am 31. Januar 2020 auf Einladung der Stiftung Luwian Studies und des Instituts für Vergleichende Sprachwissenschaft der Universität Zürich einen hochspannenden Vortrag über „Indo-European, Anatolian and the Secondary Products“ gehalten. Das Thema passt perfekt zum Ziel der Stiftung, die Mittel- und Spätbronzezeit im Westen Kleinasiens zu erforschen.Die sogenannte Sekundärproduktrevolution beschreibt die Nutzung von Tieren ohne Tötung derselben, also zum Beispiel von Milch, Wolle und Zugkraft. Diese Nutzung breitete sich weitgehend im 4. Jahrtausend v. Chr. aus, etwa gleichzeitig mit den Sprechern indogermanischer Sprachen. Die meisten Sprachzweige des indogermanischen Sprachraums enthalten daher Wörter für Sekundärprodukte und die damit verbundenen Technologien. Im anatolischen Zweig sind diese Begriffe jedoch schlecht vertreten. Die anatolischen Sprachen haben sich daher möglicherweise bereits vor der Einführung der Sekundärprodukt-Terminologie vom Zweig des Proto-Indogermanischen abgespaltet. Auch andere linguistische Hinweise sprechen für eine frühe Trennung zwischen dem Anatolischen und dem Rest des Indogermanischen.Der Vortrag hat die relevante indogermanische und anatolische Terminologie behandelt und die damit verbundenen archäologischen Fakten und mögliche Konsequenzen angesprochen. Letztlich geht es immer um die Frage, wo und wann Proto-Indogermanisch gesprochen wurde.
Vortragsvideo über Yazılıkaya auf Englisch – nun auch mit türkischen Untertiteln verfügbar

Vortragsvideo über Yazılıkaya auf Englisch – nun auch mit türkischen Untertiteln verfügbar

Ein einstündiges Video mit einem Vortrag von Eberhard Zangger und Rita Gautschy über das Felsheiligtum Yazılıkaya ist neu auch mit türkischen Untertiteln auf YouTube verfügbar. Der Vortrag mit dem Titel „The Sun, the Moon, and the Stars as seen by Hittites and Luwians“ über die Arbeit des Geoarchäologen und der Archäologin und Astronomin gibt einen Überblick über die Bezüge zum Himmel in der hethitischen Religion, die erst in den letzten Jahren erkannt wurden. Daraus entwickelt sich ein astronomisches Erklärungsmodell für das hethitische Felsenheiligtum von Yazılıkaya in der Nähe der ehemaligen Hauptstadt Hattusa. Die Steinreliefs der Kammer A des berühmten Heiligtums zeigen 63 (noch erhaltene) in den Fels gehauene Profile von Gottheiten. Diese lassen sich gruppieren nach Mondmonaten (12), maximaler Anzahl der Tage pro Mondmonat (30) und Anzahl der Jahre, bis sich der Zyklus wiederholt (19). Yazılıkaya war demnach ein Lunisolarkalender – und könnte auch heute noch als solcher fungieren.Der Vortrag fand am 14. März 2019 in Zürich im Rahmen einer ordentlichen Sitzung des Stiftungsrats von Luwian Studies statt. In Kommentaren auf YouTube war um eine Version mit türkischen Untertiteln gebeten worden.
Treffen mit Linguist und Übersetzer Izzet Erten

Treffen mit Linguist und Übersetzer Izzet Erten

Im Rahmen der Vorträge von Eberhard Zangger im November 2019 kam es zu einem glücklichen Zusammentreffen mit Izzet Erten, dem türkischen Übersetzer der wissenschaftlichen Arbeiten von Zangger und verschiedenen Koautoren der letzten Jahre. Izzet Gokhan Erten ist die meiste Zeit als Projektleiter in Myanmar tätig. Dank seines Studiums und Werdegangs als Linguist verfügt er über die Kompetenz, die komplexen wissenschaftlichen Publikationen mit Bezügen zur Linguistik, Archäologie, Astronomie oder anderen Naturwissenschaften präzise zu übersetzen. Schon seit mehreren Jahren erstellt er diese Übersetzungen mit grosser Hingabe und Genauigkeit komplett ehrenamtlich in seiner Freizeit – und die Eleganz und Präzision seiner Texte wird mit grossem Respekt und Lob goutiert. Die Stiftung Luwian Studies ist Izzet für seinen grossen Einsatz unendlich dankbar!Die türkischen Übersetzungen der wissenschaftlichen Publikationen sind vollumfänglich (und selbstverständlich kostenlos) als PDF auf academia.edu abrufbar, was der Kommunikation der Forschungsarbeiten von Luwian Studies enormen Auftrieb verschafft. Die letzte Publikation – über das hethitische Felsheiligtum Yazılıkaya – wurde auf Türkisch mehr als doppelt so oft heruntergeladen wie auf Englisch. Auch das Buch The Luwian Civilization – The Missing Link in the Aegean Bronze Age kann, dank einer grosszügigen Genehmigung des Verlags Ege Yayınları, komplett auf Türkisch, Englisch und Deutsch heruntergeladen werden. Das Buch wurde von Leyla Tonguç Basmacı übersetzt, der wir an dieser Stelle ebenfalls sehr für ihre Arbeit danken möchten.Während eines Istanbul-Aufenthalts erfuhr Izzet über Social Media von Eberhard Zanggers Vortrag am 22. November 2019 an der Galatasaray-Universität – und so entschloss er sich kurzerhand, die Gelegenheit zu einem persönlichen Treffen zu nutzen. Das Bild zeigt Dr. Olcay Akdeniz, den Leiter des Komitees für das Karien-Symposium in Milas, Prof. Nilüfer Pembecioğlu, die Gastgeberin des Vortrags an der Galatasaray-Universität, Dr. Eberhard Zangger und Izzet Gokhan Erten am Bosporus.
Wechsel des Veranstaltungsortes in Istanbul

Wechsel des Veranstaltungsortes in Istanbul

Bei dem für Donnerstag, den 21. November, um 14.00 Uhr in Istanbul angekündigten Vortrag von Dr. Eberhard Zangger mit dem Titel „On the Trail of Lost Civilizations: Sun, Moon, and Gods in Hittites“ hat sich ein Ortswechsel ergeben. Der Vortrag findet nun nicht mehr in der Istanbul-Universität selbst statt, sondern gleich gegenüber der Universität im Konferenzsaal des Celal Ağa Konağı Hotel (Kemal Paşa, Şehzadebaşı Cd. No:1, 34134 Fatih/Istanbul). Der Beginn des Vortrags wird auf 14.30 Uhr verlegt.Der Wechsel des Veranstaltungsortes wurde nötig, weil die Leitung der Hethitologischen Abteilung über Facebook die Einladung zurückzog, die ein Mitglied der Geisteswissenschaftlichen Fakultät freundlicherweise ausgesprochen hatte und die auch auf Postern breit gestreut worden war.Der Vortrag wird auf Englisch gehalten und simultan auf Türkisch übersetzt.Ort und Zeit für den Vortrag am Freitag, 22. November 2019, an der Galatasaray-Universität (16:00 Uhr, Raum I 107) bleiben unverändert.
Vorträge in Kocaeli, Istanbul, Klosters, Zürich, Leiden, Los Angeles…

Vorträge in Kocaeli, Istanbul, Klosters, Zürich, Leiden, Los Angeles…

Auf Einladung von Prof. Şengül Aydingün referiert Dr. Eberhard Zangger am Mittwoch, dem 20. November 2019, um 15 Uhr im Archäologischen Institut der Universität in Kocaeli über die astralen Aspekte der hethitischen Religion. Am 21. November um 14 Uhr findet der Vortrag auf Einladung von Prof. Mustafa H. Sayar am Archäologischen Institut der Universität Istanbul statt (Rektörlük Doktora Salonu) und am 22. November um 16 Uhr auf Einladung von Prof. Nilüfer Pembecioğlu an der Galatasaray-Universität (I 107).Eilmeldung: Wechsel des Veranstaltungsortes in IstanbulIn der Schweiz geht es dann im elften Vortrag von Eberhard Zangger beim Winterseminar in Klosters am 12. Januar 2020 um die abenteuerlichen Entdeckungen und Erfindungen von Mr. James Mellaart. Tags darauf findet dieser Vortrag auch in Zürich statt – im Rahmen der Clurr-Treffen am 13. Januar 2020 um 18.30 Uhr (Universitätsspital Zürich, Gloriastrasse 29, Raum OPS B26).Am 7. März 2020 wird Eberhard Zangger in der Getty Villa in Los Angeles über die jüngsten Erkenntnisse der Archäoastronomie des bronzezeitlichen Kleinasiens referieren.Schliesslich findet am 9. April 2020 in Leiden ein Workshop zum Thema „Mobility, Migrations, and Knowlegde Exchange – Between Late Bronze Age and Early Iron Age Europe and the Near East (ca. 1600-800 BC)“ statt. Im Rahmen dieses Workshops werden Rita Gautschy und Eberhard Zangger über die gemeinsamen Himmelsaspekte der Religionen im alten Ägypten, in Mesopotamien, im Hethiterreich und im antiken Griechenland sprechen.
Vorträge in der Türkei, den Niederlanden und den USA

Vorträge in der Türkei, den Niederlanden und den USA

Luwian Studies geht auf Tour. Am 5. Oktober 2019 um 19:00 wird Dr. Eberhard Zangger im ZAI Bodrum einen rund einstündigen Vortrag über die bis heute kaum erforschten bronzezeitlichen Kulturen im Westen Kleinasiens halten. Gastgeber ist das Industriellenehepaar Yunus und Derya Büyükkuşoğlu. In einem uralten Olivenhain haben sie ein Kulturzentrum mit Café, Restaurant, Bibliothek, Galerie und Vortragssaal errichtet das ein beliebten Treffpunkt für Kulturinteressierte wurde. Der Vortrag wird auf Englisch sein, wobei Simultanübersetzung ins Türkische zur Verfügung steht. Da das ZAI eine Bibliothek und Buchhandlung umfasst, dürfen nach der Diskussion mit dem Publikum selbstverständlich auch türkische Exemplare des Buches «Die luwische Kultur» erworben werden.Am 11. Oktober 2019 referiert Zangger dann vor den Freunden des Rijksmuseum Boerhaave in Leiden über das Thema «Die Sonne, der Mond und die Götter im bronzezeitlichen Kleinasien». Das Museum eröffnet am Vortag die Ausstellung «Kosmos: Kunst und Wissenschaft», die von der niederländischen Astronomin Prof. Dr. Ewine van Dishoeck mitkonzipiert wurde.Schliesslich wird Eberhard Zangger auch am 7. März 2020 in der Getty Villa in Los Angeles über die jüngsten Erkenntnisse der Archäoastronomie des bronzezeitlichen Kleinasiens sprechen.
Westkleinasien auf der EAA-Konferenz

Westkleinasien auf der EAA-Konferenz

Die ganztägige EAA-Session über Westkleinasien in der Bronzezeit am 7. September 2019 in Bern bestätigte Aristoteles’ Aussage, wonach «das Ganze mehr ist als die Summe seiner Teile». Wenn 15 Referenten aus unterschiedlichen Ländern und verschiedenen Disziplinen ihre Untersuchungen und Überlegungen vor einem Publikum mit Koryphäen wie Lord Colin Renfrew und David Anthony präsentieren, entfaltet sich eine besondere Wirkung: das Potenzial der Region Westkleinasien für zukünftige Studien in der Archäologie und Linguistik wird so deutlicher denn je.Die laufenden Surveys haben auch dieses Jahr überraschende Entdeckungen ans Tageslicht gebracht. Gleichzeitig gelingt es allmählich den Sprachwissenschaftlern, die Sprachvielfalt dieser Region im 2. Jahrtausend v. Chr. fassbar zu machen. Die von Fred Woudhuizen gezeigte Karte mit der politischen Geografie Anatoliens kurz vor dem Ende des Hethiterreichs weist darauf hin, dass wohl auch das einstige Ratespiel zu diesem Thema bald ein Ende finden wird. Die Stiftung Luwian Studies hat einen großen Teil dieser Projekte unterstützt und ist stets daran interessiert, weitere Forschungsvorhaben kennenzulernen.Auf dem Foto zu sehen sind (stehend, von links) Alwin Kloekhorst, Christoph Bachhuber, Matthias Oertle, Murat Türkteki, Ian Rutherford, Alper Aşınmaz, Willemijn Waal, Ulrike Berndt, Antonis Kourkoulakos, Francis Breyer, Fred Woudhuizen und Eberhard Zangger; (sitzend, von links) Şengül Aydıngün, Sefa Taşkın, Haldun Aydıngün und Maya Vassileva.
Die Wahrheit über James Mellaart

Die Wahrheit über James Mellaart

Über ein halbes Jahrhundert lang stand zur Diskussion, ob der englische Prähistoriker James Mellaart (1925-2012) Zeichnungen bestimmter Artefakte und angeblich spätbronzezeitlicher Dokumente erfunden haben könnte. Bei einer Durchsicht seines Nachlasses im Februar 2018 stiessen Alan Mellaart, der Sohn und Erbe von James Mellaart, und Eberhard Zangger auf Material, das keinen Zweifel mehr offen lässt: James Mellaart lebte jahrzehntelang in einer Phantasiewelt!James Mellaart war ohne Zweifel einer der grossen Pioniere der Archäologie in Anatolien. Er entdeckte und erschloss fast im Alleingang das Neolithikum Kleinasiens und führte Ausgrabungen in Beycesultan, Hacılar und Çatalhöyük durch. Die Fundstücke daraus zählen zu den Highlights der archäologischen Museen der Türkei.Die Entdeckung, dass James Mellaart zusätzlich zu den echten Funden aus seinen Ausgrabungen auch in grossem Umfang Zeichnungen und Texte erfunden hat, war nur möglich, weil er nicht nur die zur Publikation bestimmten Endprodukte seines kreativen Schaffens aufbewahrt hatte, sondern auch die Entwürfe.Die wissenschaftliche Diskussion des im Nachlass von James Mellaart gefundenen Materials ist jetzt erschienen (https://luwianstudies.academia.edu/EZangger). Zusätzlich stehen auch leicht verständliche Kurzfassungen der Ergebnisse auf Deutsch, Englisch und Türkisch zur Verfügung.
Symposium über Karien und die Karer in Milas

Symposium über Karien und die Karer in Milas

Zum zwölften Mal fand (am 23. und 24. August 2019) in Milas, im Westen der Türkei, das Symposium über Karien, die Karer und das antike Mylasa statt. Einundzwanzig in Westanatolien tätige Altertumskundler, darunter viele Ausgrabungsleiter, referierten über ihre Forschungen zu westanatolischen Kulturen der frühen Eisenzeit. Eberhard Zangger war eingeladen worden, die neueste Interpretation des Felsheiligtums Yazılıkaya in Zentralkleinasien vorzustellen. Die klassischen Archäologen finden ausgeprägte lokale Kulte, ohne jedoch Einblick in deren Ursprünge zu haben, weil für das 2. Jahrtausend v. Chr. eine Forschungslücke in dieser Region klafft. Luwian Studies hilft, diese Wissenslücke zu schliessen.Erfreulicherweise haben sich inzwischen auch andere Institute des Themas angenommen. So betreibt das Institut für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Tübingen seit Herbst letzten Jahres ein von der Deutschen Forschungsgemeinschaft gefördertes Forschungsprojekt unter der Leitung von Magda Pieniążek mit dem Titel „Westanatolien im 2. Jahrtausend v. Chr.: Lokale Kultur und Fernkontakte“. Dies ist besonders bemerkenswert, weil verschiedene Wissenschaftler desselben Instituts jahrzehntelang in Beiträgen für „Antike Welt“ und „Spektrum der Wissenschaft“ die Existenz einer Wissenslücke für die Mittel- und Spätbronzezeit auf der türkischen Seite der Ägäis in Frage gestellt haben.Die Konferenz in Milas hat gezeigt, wie gross in dieser Region das öffentliche Interesse an archäologischen Fragestellungen ist. Bis zu 200 Zuhörer füllten den Saal.
EAA-Session über Westkleinasien am Samstag, 7. September 2019, in Bern

EAA-Session über Westkleinasien am Samstag, 7. September 2019, in Bern

„Die politische Geographie Westanatoliens in der Spätbronzezeit und die Wechselbeziehungen der Region zu ihren Nachbarn, insbesondere dem Balkan“, so lautet der Titel der Session #43 auf der Jahreskonferenz der European Association of Archaeologists (EAA), die vom 4. bis 7. September in Bern in der Schweiz stattfindet. Die Vorträge der Session werden am Samstag, dem 7. September zwischen 8:30 und 15:30 Uhr in der Aula (Raum 210) des Hauptgebäudes der Universität Bern (Hochschulstrasse 6) gehalten. Das Programm mit insgesamt 16 Beiträgen von Wissenschaftlern aus Mittel- und Südosteuropa und der Türkei finden Sie hier als PDF zum Herunterladen. Besucher sind herzlich willkommen, werden jedoch um Entrichtung der Konferenzgebühr von € 180 an der Registration vor Ort gebeten.Die Session ist von den Stiftungsräten von Luwian Studies Ivo Hajnal, Jorrit Kelder und Eberhard Zangger organisiert. Die Vorträge zielen darauf ab, die Rolle Westkleinasiens während der Spätbronzezeit und die Wechselbeziehungen der Staaten in dieser Region mit ihren Nachbarn (einschließlich Griechenland, Zentralanatolien, Levante, Ägypten, Zypern und Balkan) in einen Kontext einzuordnen. Die Referate sollen sobald wie möglich in Form von Konferenz-Proceedings veröffentlicht werden.Die EAA-Konferenz steht in diesem Jahr unter dem Motto „Jenseits von Paradigmen“. Es werden ca. 1800 Teilnehmer erwartet.
Aktuelle Medienberichte

Aktuelle Medienberichte

Die wissenschaftliche Fachveröffentlichung der neuen Interpretation des Felsheiligtums Yazılıkaya hat ein internationales Medienecho gefunden. New Scientist online liefert einen umfassenden Bericht, in dem auch andere Experten zu Wort kommen. Der Astrophysiker Juan Antonio Belmonte, der sich seit fast 30 Jahren mit Yazılıkaya befasst und dort die ersten Hinweise auf eine astronomische Nutzung entdeckte, sagt: „Ich hatte es vor meinen Augen und war nicht in der Lage, es zu erkennen!“ Belmonte hat die aktuelle Untersuchung tatkräftig unterstützt, ohne selbst daran teilzuhaben. Hier geht es zum Artikel.Popular Archaeology in den USA, Archäologie Online in Deutschland und arkeolojikhaber.com in der Türkei veröffentlichten Berichte von Eberhard Zangger mit Hintergrundinformationen über die Herangehensweise bei der Untersuchung. Demnach war es nicht ein plötzlicher Einfall, dem die Forscher folgten, sondern jahrelange mühselige Kleinarbeit, in der viele Hypothesen entwickelt und wieder verworfen wurden. Umfangreich berichten die Onlinemedien Hürriyet, halkweb.eu und arkeolojisanat.com in der Türkei. Auch Hiltibold, das Portal für Archäologie- und Geschichtsinteressierte in Österreich, widmet sich dem Thema. Einen besonders attraktiven Einblick in zukünftige Formen multimedialer Berichterstattung liefert higgs.ch, das Schweizer Portal für Wissenschaftsnachrichten.
Yazılıkaya als lunisolarer Kalender

Yazılıkaya als lunisolarer Kalender

Das einzigartige Felsheiligtum Yazılıkaya, das zu der hethitischen Hauptstadt Hattusa gehörte, enthält alle Elemente eines Sonne-Mond-Kalenders. Die Relieffiguren in Kammer A stehen demnach für 12 Mondmonate, maximal 30 Tage des Mondmonats und 19 Jahre – bis sich ein Zyklus nach 6940 Tagen wiederholt.Diese Interpretation stellen die Archäologin und Astronomin Rita Gautschy und der Geoarchäologe Eberhard Zangger in einer soeben im Journal of Skyscape Archaeology erschienenen Fachpublikation vor. Sie hatten die Ergebnisse ihrer über fünf Jahre durchgeführten Untersuchung bereits im Sommer 2018 auf der Konferenz der European Society for Astronomy in Culture (SEAC) in Graz mit einem Fachpublikum diskutiert. Auch auf der Konferenz der European Association of Archaeologists, die vom 4. bis 7. September 2019 in Bern stattfindet, wird Eberhard Zangger über die technische Rekonstruktion des Felsheiligtums referieren.Die auf Englisch erschienene wissenschaftliche Veröffentlichung „Celestial Aspects of Hittite Religion: An Investigation of the Rock Sanctuary Yazılıkaya“ ist „open access“ und darf daher frei heruntergeladen und geteilt werden.
Megan Fox schwärmt von den Luwiern

Megan Fox schwärmt von den Luwiern

Der US-amerikanische Schauspielerin Megan Fox ist es ein Anliegen, auch junge Leute für die offenen Fragestellungen der Archäologie zu begeistern. Sie hat daher eine Fernsehserie konzipiert, bei der sie von einer Kamera an archäologisch besonders interessante Orte begleitet wird. So kam sie auch nach Westkleinasien, wo sie natürlich Troja besuchte und sogar das dort gefundene luwische Siegel in die Hand nehmen durfte. Ganz besonders fasziniert ist Megan Fox allerdings von den Luwiern! „Troja könnte einfach nur eine Schlacht in einem viel grösseren Krieg gewesen sein“, sagt sie. „It’s so cool!“Sehen Sie selbst: (Minute 33-38) von https://www.dailymotion.com/video/x8eylbo 
Buch „Die luwische Kultur“ auf Türkisch erschienen

Buch „Die luwische Kultur“ auf Türkisch erschienen

Das Buch „Die luwische Kultur – Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit“ ist nun auch auf Türkisch verfügbar („Luvi Uygarlığı. Ege‘nin Bronz Çağındaki Eksik Halka“). Es kann auch als PDF gratis heruntergeladen werden: https://luwianstudies.academia.edu/EZangger. Das Buch enthält praktisch alle Texte und die meisten der Abbildungen, die die deutsche Version der aktuellen Website umfasst. Wer sich für die Mittel- und Spätbronzezeit in Westkleinasien interessiert, hat jetzt die Wahl online oder in Form eines Buches darüber zu lesen. Das Buch wurde von Eberhard Zangger verfasst und ist bei Ege Yayınları in Istanbul erschienen. Es umfasst 295 Seiten und 150 Farbabbildungen und ist bei verschiedenen Online-Buchhändlern bestellbar (ISBN 9786059680875).
Neue Stiftungsräte

Neue Stiftungsräte

Im Stiftungsrat von Luwian Studies haben sich Wechsel ergeben. Die Professoren Jan Philipp Reemtsma und Olaf Kübler haben ihre Mandate im Stiftungsrat nach jeweils drei Jahren Amtsdauer nicht mehr verlängert. An ihre Stelle traten drei Altertumskundler dem Stiftungsrat bei.Professor Dr. Ivo Hajnal ist Ordinarius für Sprachwissenschaft (seit 2001) und Vorsitzender des Senats (seit 2004) an der Universität Innsbruck. Als Indogermanist, Altphilologe und Mykenologe hat er sich mit einer Arbeit zum Vokalismus im Lykischen (1995) habilitiert.Neuer Stiftungsrat ist auch Dr. Jorrit Kelder, Senior Grant Advisor an der Universität Leiden, Gastwissenschaftler am Institute for Area Studies der Universität Leiden (LIAS), Mitglied der Fakultät für Nah- und Mittelost-Studien der Universität Oxford und Mitglied des Common Room am Wolfson College in Oxford. Jorrit Kelder hat (2009) eine Doktorarbeit über Ägäische Frühgeschichte verfasst und 2013/2014 die Ausstellung „Troy. City, Homer and Turkey“ am Allard Pierson Museum in Amsterdam mitorganisiert und das Buch zur Ausstellung mit herausgegeben.Schliesslich ist auch Dr. Jeffrey Spier dem Stiftungsrat beigetreten. Er ist Leiter der Antikenabteilung des J. Paul Getty Museum in Malibu und hat an der Harvard Universität Klassische Archäologie studiert und anschliessend am Merton College der Universität Oxford (1988) mit einer Untersuchung in der Kunstgeschichte Kleinasiens promoviert.Die Fachkompetenz der Experten aus den Bereichen Linguistik, Archäologie und Kunstgeschichte hat den Aktivitäten der Stiftung umgehend spürbaren Schub verliehen.
Buch „Mythen und Metalle“

Buch „Mythen und Metalle“

Dr. Jörg Mull präsentiert mit seinem Buch „Mythen und Metalle – Der Trojanische Krieg, die Seevölker und der Kulturbruch am Ende der Bronzezeit“ eine umfassende Analyse der bis etwa 2014 erschienenen Literatur zu dem im Buchtitel umrissenen Themenkomplex. Bereichernd und erfrischend ist die nicht von den vorherrschenden Denkschulen geprägte neutrale Sicht des Autors. Die Arbeiten und Ideen des niederländischen Linguisten Fred Woudhuizen sind denn auch für Jörg Mull oft sowohl Ausgangs-, wie auch Dreh- und Angelpunkt der Untersuchung. Als Pragmatiker mit Wirtschaftserfahrung erkennt der Autor, dass der Metallhandel in der Bronzezeit genau wie heute auf das Funktionieren der „Supply Chains“ angewiesen war. Auf der Suche nach Erklärungen für das relativ abrupte Ende der Bronzezeit unterscheidet Jörg Mull zwischen den beiden Hauptmodellen im Hinblick auf die Herkunft der angreifenden Seevölker. Nach der „Adriatheorie“ sind die Seevölker letztlich aus dem Urnenfelderkulturraum über den Balkan nach Italien und Griechenland gelangt. Die „Kleinasientheorie“ hingegen ortet die Heimat der Seevölker im Westen Anatoliens. Obwohl Jörg Mulls Buch in mancherlei Hinsicht (darunter Themenkreis, Herangehensweise, Aufbau, Illustrationen) wie eine Fortsetzung und Aktualisierung von Eberhard Zanggers „Ein neuer Kampf um Troia“ aus dem Jahr 1994 erscheint (aus dem der Autor häufig zitiert), führt Mull die „Kleinasientheorie“ ausdrücklich auf Forscher zurück, die entweder viel früher (z. B. August Strobel, William Albright) oder deutlich später (z. B. Heike Sternberg-el Hotabi, Manuel Robbins) Argumente für eine Herkunft der Seevölker im Westen Kleinasiens präsentiert haben. Die über 300-seitige Untersuchung hilft allen, die sich einen Überblick über dieses komplexe Thema verschaffen wollen – und sich nicht scheuen, auch die Tradierung in Mythen zu berücksichtigen. Letztlich kommt der Autor übrigens zum Schluss, dass die Argumente für die „Kleinasientheorie“ überwiegen. – Das Buch ist 2017 im Leipziger Universitätsverlag erschienen, umfasst 305 Seiten und hat die ISBN 978-3-96023-106-0.
Vorträge in Aydin, Bodrum und Zürich

Vorträge in Aydin, Bodrum und Zürich

Die Luwier standen bei Vorträgen in Aydın, Bodrum und Zürich erneut im Rampenlicht. Professor Suat Ateşlier hatte Eberhard Zangger eingeladen, am Archäologischen Institut der Universität Adnan Menderes am 8. März einen Vortrag über die jüngsten Erkenntnisse bei den Arbeiten von Luwian Studies zu halten. Dabei kam auch zur Sprache, welche Dokumente aus dem Nachlass von James Mellaart mit Sicherheit gefälscht sind – und welche höchstwahrscheinlich echt sind. Am nächsten Tag lud die Akademiestiftung in Bodrum zum Vortrag in das 500 Sitzplätze umfassende Herodot-Kulturzentrum ein. Mit grossen Strassenplakaten war für den Luwier-Anlass geworben worden. In Zürich gab die Sitzung des inzwischen international zusammengesetzten Stiftungsrates von Luwian Studies Anlass, im Rahmen eines festlichen Vortrags vor etwa hundert geladenen Gästen die neusten Erkenntnisse in der Archäoastronomie im spätbronzezeitlichen Kleinasien zu präsentieren und zu diskutieren.Die Themen von Luwian Studies erfreuen sich zunehmender Beliebtheit. Auf academia.edu haben rund 3000 Benutzer die Veröffentlichung der grossen luwischen Hieroglypheninschrift aus Beyköy heruntergeladen – 400 Personen haben die türkische Übersetzung gewählt. Auf Facebook hat Luwian Studies über 5000 Freunde und das ca. 50-minütige Vortragsvideo aus dem Jahr 2015 ist inzwischen auf YouTube rund 70 000 Mal angeklickt worden – etwa ein Drittel der Betrachter haben die Fassung mit türkischen Untertiteln gewählt.
EAA-Konferenz „Jenseits von Paradigmen“: Session über das spätbronzezeitliche Westkleinasien

EAA-Konferenz „Jenseits von Paradigmen“: Session über das spätbronzezeitliche Westkleinasien

Ab sofort und bis 14. Februar 2019 können Vorschläge für Präsentationen für die Session #43 der Jahreskonferenz der European Association of Archaeologists (EAA) hier eingereicht werden. Die Konferenz findet vom 4. bis 7. September in Bern in der Schweiz statt. Die Session trägt den Titel: „Die politische Geographie Westanatoliens in der Spätbronzezeit und die Wechselbeziehungen der Region zu ihren Nachbarn, insbesondere dem Balkan“. Sie wird von den Stiftungsräten von Luwian Studies Ivo Hajnal, Jorrit Kelder und Eberhard Zangger organisiert.Während wir heute zahlreiche Siedlungen der Spätbronzezeit (ca. 1700–1200 v. Chr.) in Westanatolien kennen und erfasst haben, gab es bisher nur wenige archäologische Untersuchungen, die sich mit der Erforschung dieser Siedlungsplätze und deren Wechselbeziehungen zu ihren Nachbarn befassen. Texte aus der damaligen Zeit weisen darauf hin, dass diese Region von großer politischer und militärischer Bedeutung war und dass einzelne Staaten und Verbände letztlich sogar die hethitische Hegemonie über Kleinasien in Frage gestellt haben könnten. Die meisten Lehrbücher ignorieren jedoch weitgehend die Bedeutung der Region. Stattdessen betrachten sie Westkleinasien als eine Konfliktzone zwischen den beiden Großmächten im Westen (dem mykenischen Griechenland) und im Osten (Hatti). Die Vorträge in dieser Session sollen helfen, Licht ins Dunkel zu bringen. Wir sind besonders an Präsentationen interessiert, in denen Hinweise aus Archäologie, Philologie, Linguistik und Geologie/Geoarchäologie kombiniert und zueinander in Bezug gebracht werden. Die Sitzung zielt darauf ab, die Rolle Westkleinasiens während der Spätbronzezeit und die Wechselbeziehungen der Staaten in dieser Region mit ihren Nachbarn (einschließlich Griechenland, Zentralanatolien, Levante, Ägypten, Zypern und Balkan) in einen Kontext einzuordnen. Die Vorträge sollen Geländearbeiten und philologische Untersuchungen umfassen. Unser Ziel ist es, Westanatolien nicht einfach als Pufferzone zwischen anderen Regionen und Staaten zu verstehen, sondern als eine Region mit eigenen soziopolitischen und kulturellen Entwicklungen, die vollständig in die Welt der Spätbronzezeit integriert waren.
Luwian Studies fördert 2019 verschiedene Forschungsprojekte

Luwian Studies fördert 2019 verschiedene Forschungsprojekte

Die Stiftung Luwian Studies unterstützt 2019 erneut verschiedene Forschungsvorhaben, deren Ziel es ist, die Kenntnisse über die mittel- und spätbronzezeitlichen Kulturen Westkleinasiens zu erweitern. Gefördert werden Gelände- und Literaturarbeit von sowohl archäologischen wie auch linguistischen Studien. Dabei wird angestrebt, freischaffende Wissenschaftler und universitäre Forschung etwa in gleichem Umfang zu berücksichtigen. – Dies sind die laufenden Vorhaben, die von Luwian Studies gefördert werden:
  • Christoph Bachhuber und Michelle Massa: „Archaeological Landscapes of a Luwian Kingdom: Late Bronze Age Tarhuntašša and Iron Age Tabal on the Konya Plain“
  • Erkan Fidan: „Hacıkebir Höyük Intensive Survey, Geomagnetic Survey of Tavşanlı Höyük and C-14 analysis“
  • Francis Breyer: „Das sprachliche Verhältnis zwischen Hieroglyphen- und Keilschrift-Luwisch und die Ursprünge der anatolischen Hieroglyphenschrift“
  • Willemijn Waal: „The Origins of Writing in Western Anatolia and the Aegean“
„The Luwians of Western Anatolia: Their Neighbours and Predecessors“ von Fred Woudhuizen

„The Luwians of Western Anatolia: Their Neighbours and Predecessors“ von Fred Woudhuizen

Bekanntermaßen wird in der wissenschaftlichen Literatur den Hethitern und den mykenischen Griechen viel Aufmerksamkeit gewidmet, die Luwier in Westkleinasien werden hingegen kaum berücksichtigt. Fred Woudhuizen hat nun in diesem Buch die derzeit verfügbaren Informationen über die Luwier in Westkleinasien zusammengestellt. Er konzentriert sich dabei auf die epigraphische Überlieferung in Form der heute verfügbaren luwischen Hieroglypheninschriften aus dieser Region und leitet aus diesen, sowie aus den überlieferten hethitischen Quellen, historische Informationen ab. Das Verständnis der politischen Geographie dieses Lebensraums ist Voraussetzung für die Rekonstruktion der Geschichte der Luwier der Mittel- und Spätbronzezeit. Auf der Basis der neuesten Erkenntnisse kann die politische Geografie nun in angemessener Form rekonstruiert werden. Neben luwischen Hieroglyphen benutzten die Bewohner Westkleinasiens auch die Keilschrift. Mit Hilfe der Dokumente beider Schriften lässt sich nun auch die Sprache erfassen. Klar ist, dass nicht alle Bewohner Westkleinasiens Luwisch sprachen. Die Bewohner der Troas verständigten sich wohl in einer Sprache thrako-phrygischen Typs. Auch stammten die Luwier nicht ursprünglich aus der Region. Ihre Sprache lässt sich am besten als altindoeuropäisch definieren.Die erste Auflage von Fred Woudhuizens Buch war bereits drei Monate nach ihrem Erscheinen vergriffen. Inzwischen ist das Buch nachgedruckt worden und wieder verfügbar.
Luwier-Theorie und Seevölkerstürme: Eine Abfolge der Ereignisse

Luwier-Theorie und Seevölkerstürme: Eine Abfolge der Ereignisse

Im Spiegel-Artikel über die Enthüllungen im ehemaligen Arbeitszimmer von James Mellaart schreibt der Redakteur Frank Thadeusz über die Ideen von Eberhard Zangger: „Seine mit viel Dampf aufgeblasene Luwier-Theorie allerdings ist nun zusammengeschrumpelt auf die Größe eines betagten Luftballons.“ Verschiedene Medien – selbst Wikipedia-Autoren – haben diese Meinung aufgegriffen und schreiben zum Beispiel, Mellaarts Dokumente seien „eine wesentliche Stütze der Thesen von Zangger dafür, dass ein luwischer Staatenbund hinter dem Seevölkersturm und dem Untergang mehrerer großer Reiche der Bronzezeit stand“.Das ist jedoch nicht der Fall. Zanggers „Luwier-Theorie“ umfasst zwei Komponenten: einerseits die Erkenntnis, dass es im Westen Kleinasiens über 400 bisher unerforschte Siedlungsplätze gibt, die in ihrer Gesamtheit einen eigenen Kulturkreis ausmachen; andererseits die These, dass die sogenannten Seevölker in dieser Region ihren Ursprung gehabt haben könnten.Zanggers Theorien zum Seevölkersturm datieren in die Zeit, bevor er mit James Mellaart in Kontakt stand, und haben sich seither praktisch nicht verändert. Zangger und Mellaart haben – wie Dutzende andere Forscher – unabhängig voneinander erkannt, dass die Herkunft der Seevölker in Westkleinasien gelegen haben könnte.Hier ein kurzer Überblick über die Abfolge der Ereignisse.April 1994: Eberhard Zangger veröffentlicht das Buch „Ein neuer Kampf um Troia“ beim Droemer Verlag in München. Das Buch umfasst 352 Seiten und dreht sich um die Theorie des Autors, dass die Seevölker aus Westkleinasien stammten. Es bietet als Novität eine hypothetische chronologische Rekonstruktion der Ereignisse während des 13. Jahrhunderts v. Chr. im östlichen Mittelmeerraum.Februar 1995: Der Spiegel widmet den Thesen von Eberhard Zangger einen mehrseitigen Artikel.Mai 1995: Aramco World bringt eine Titelgeschichte von Eberhard Zangger mit einer populärwissenschaftlichen Zusammenfassung seiner Thesen zum Seevölkersturm.Juli/August 1995: James Mellaart, der „Aramco World“ abonniert hat, schreibt zwei insgesamt 22 Seiten umfassende Briefe an Eberhard Zangger und teilt ihm darin mit, dass er ganz ähnliche Ideen bereits seit 1951 verfolge und sogar über englische Übersetzungen unveröffentlichter Dokumente verfüge, die diese Ideen untermauern würden. Angeblich seien Ende des 19. Jahrhunderts im Dorf Beyköy nahe Afyon Bronzetafeln mit Keilschrifttexten in hethitischer Sprache gefunden worden, die man bis heute nicht veröffentlicht habe. Mellaart fasst die Inhalte dieser „Beyköy-Texte“ in seinen Briefen zusammen. Seine Handschrift ist jedoch schwer leserlich und der Inhalt ausgesprochen kompliziert. Eberhard Zangger verfasst Ende 1999 eine Glosse über diese Geschichte für edge.org, wird der Sache aber 22 Jahre lang nicht weiter nachgehen. Der Inhalt der Briefe fließt bis Oktober 2017 in keine Veröffentlichung von Zangger ein.September 2015: Im Rahmen des 11. Kolloquiums des Heinrich-Schliemann-Museums in Ankershagen stellt Eberhard Zangger seine Thesen zur luwischen Kultur in Westkleinasien vor. Im Frühjahr 2016 erscheint der Beitrag in den „Mitteilungen aus dem Heinrich-Schliemann-Museum Ankershagen“.Dezember 2015: Eberhard Zangger lernt James Mellaarts Sohn Alan bei einer zufälligen Begegnung in einer Buchhandlung in Istanbul kennen. Im Gespräch erwähnt Zangger die Briefe des 2012 verstorbenen Prähistorikers.Mai 2016: Das Buch „The Luwian Civilization – The Missing Link in the Aegean Bronze Age“ von Eberhard Zangger erscheint. Der Verfasser liefert auf 292 Seiten einen Einblick in den Kenntnisstand zur mittel- und spätbronzezeitlichen Siedlungsgeschichte in Westkleinasien.Februar 2017: Eberhard Zangger übergibt Mellaarts Briefe dem holländischen Linguisten Fred Woudhuizen. Dieser transkribiert sie, so dass sie sich erstmals leicht lesen lassen. Zangger und Woudhuizen werten die Briefe gemeinsam aus.April 2017: Alan Mellaart informiert Eberhard Zangger, dass er die englischen Übersetzungen der bronzezeitlichen Keilschrifttexte, von denen sein Vater gesprochen hatte, in dessen Nachlass gefunden hat.Mai 2017: Zangger reicht das Manuskript für das Buch „Die Luwier und der Trojanische Krieg“ beim Orell Füssli Verlag in Zürich zur Veröffentlichung ein. Es enthält eine drei Seiten lange Zusammenfassung (S. 224-226) des Inhalts von James Mellaarts Briefen aus dem Jahr 1995. Diese neue Rekonstruktion der Ereignisse am Ende der Bronzezeit steht allerdings in erheblichem Widerspruch zu Zanggers bisherigen Thesen.Juni 2017: In der ehemaligen Wohnung seiner Eltern übergibt Alan Mellaart einen Stapel von Dokumenten, die sein Vater als besonders wichtig markiert hatte, zur Auswertung und Publikation an Eberhard Zangger. Den Löwenanteil machen dabei die Übersetzungen der angeblichen keilschriftlichen „Beyköy-Texte“ aus. Zangger lässt diese jedoch beiseite – er hat sie bis heute nicht gelesen – und konzentriert sich stattdessen auf die Zeichnungen verschiedener luwischer Hieroglypheninschriften, die sich ebenfalls im Stapel befinden. Die größte von ihnen soll wie die Keilschrifttexte aus Beyköy stammen. Zangger sendet diese Hieroglypheninschrift an Fred Woudhuizen zur Beurteilung. Woudhuizen erkennt auf den ersten Blick, dass sie eine Zusammenfassung der Ereignisse am Ende der Bronzezeit liefert, die nun tatsächlich praktisch identisch ist mit den Thesen zum Seevölkersturm, wie sie Zangger 1994 vorgestellt hatte. Zangger und Woudhuizen entschließen sich, die luwischen Hieroglypheninschriften zu veröffentlichen. Erst im Frühjahr 2018 erfahren sie, dass die große Inschrift („Beyköy 2“) bereits 1989 auf einer internationalen Konferenz in Gent gezeigt wurde.Oktober 2017: Das Buch „Die Luwier und der Trojanische Krieg“ erscheint. Der Verlag hat es dem Autor ermöglicht, ein 18 Seiten umfassendes Kapitel über die neuesten Entdeckungen in James Mellaarts Nachlass anzuhängen, in dem auch die große luwische Hieroglypheninschrift erstmals gezeigt wird.November 2017: Der Stiftungsrat von Luwian Studies entscheidet, eine Untersuchung und Veröffentlichung der Dokumente aus dem Nachlass von James Mellaart anzustreben.Dezember 2017: Eine Onlineversion der Publikation der luwischen Hieroglypheninschriften erscheint in TALANTA – Proceedings of the Dutch Archaeological and Historic Society.7. Februar 2018: Ein internationales und interdisziplinäres Wissenschaftlerteam trifft sich in Zürich, um die Herangehensweise bei der Untersuchung und Publikation von James Mellaarts Nachlass zu besprechen. Dabei wird entschieden, dass zunächst nach weiteren Hinweisen gesucht werden soll, ob die Dokumente echt sind oder nicht.24. Februar 2018: Alan Mellaart und Eberhard Zangger treffen sich erneut in James Mellaarts ehemaliger Wohnung in London. Mellaarts Dokumente befinden sich in zwei Räumen der Wohnung und in zwei Garagen. Nach vier Tagen intensiver systematischer Durchforstung des Nachlasses findet Zangger ein Dossier, das unzweifelhaft belegt, wie James Mellaart die englischen Übersetzungen der angeblichen Keilschriftdokumente („Beyköy-Texte“) selbst konstruiert hat. Zuvor ist Zangger bereits auf in Schiefertafeln geritzte Skizzen von angeblichen Wandmalereien aus Çatalhöyük gestoßen.1. März 2018: Mit einer Medieninformation weist Luwian Studies darauf hin, dass Mellaart erwiesenermassen angebliche historische Dokumente selbst fabriziert hat, und zwar mit Sicherheit die spät „entdeckten“ Wandmalereien aus Çatalhöyük und die keilschriftlichen „Beyköy-Texte“. Zwischen diesen Dingen und Zanggers Thesen zur luwischen Kultur in Westkleinasien und den Seevölkerinvasionen besteht allerdings kein Bezug. Sie sind komplett unabhängig voneinander entstanden.
Interview mit Eberhard Zangger zum „Spiegel“-Artikel „Schrumpliger Luftballon“

Interview mit Eberhard Zangger zum „Spiegel“-Artikel „Schrumpliger Luftballon“

Lange Zeit hatte man den Eindruck, die „Spiegel“-Redaktion sei von Ihren Thesen rund um Troja und die Luwier vorbehaltlos begeistert. Nun hat Frank Thadeusz im Zusammenhang mit James Mellaarts Fälschungen, die Sie selber bis vor kurzem für echt hielten, einen geradezu vernichtenden Artikel über Sie publiziert. Was ist da geschehen? Da kommen meines Erachtens mehrere Faktoren zusammen. Zunächst verknüpfen Journalisten ihren Stoff gern mit Personen. Wenn es um die Luwier geht, liegt es leider nahe, etwas über mich zu schreiben. Je spektakulärer die Geschichte, desto besser – im Positiven wie im Negativen. Hinzu kommt, dass Matthias Schulz, der sich 25 Jahre lang intensiv mit meiner Arbeit beschäftigt hatte, in den Ruhestand geschickt und durch einen jungen Redakteur ersetzt wurde, der mit den Hintergründen nicht vertraut ist und vermutlich auch keine Zeit hat, sich in ein Thema einzuarbeiten. Und schließlich forderte Frank Thadeusz, dass ich ihm das Material aus James Mellaarts Arbeitszimmer exklusiv überlasse – vier Wochen bevor jemand anders informiert würde. Das ging natürlich nicht. Zum einen lag die Meldung bereits bei den Nachrichtenagenturen zum Versand bereit, und zum andern sind zahlreiche Forscher in dieses Projekt involviert, von denen man unmöglich hätte verlangen können, dass sie vier Wochen lang so tun, als ob nichts wäre.Frank Thadeusz schreibt, Sie hätten James Mellaart in Ihrem letzten Buch ein „hymnisches Kapitel“ gewidmet. Stimmt das? Ich war von James Mellaart genauso begeistert wie von allen anderen Pionieren der anatolischen Frühgeschichte, die ich in meinem Buch porträtierte. Das war ich immer noch, als ich am 24. Februar in London eintraf. Im Rahmen meiner Recherchen für mein Buch hatte ich mich ausführlich mit den Vorwürfen beschäftigt, Mellaart hätte Dinge erfunden. Alle offiziellen Untersuchungen hatten ihn jedoch vollständig entlastet. Dazu zählte die Arbeit der polizeilichen Untersuchungskommission in Izmir im Rahmen der Dorak-Affäre wie auch die eines Untersuchungsausschusses des Britischen Instituts in Ankara. Auch die Recherchen von zwei investigativen Journalisten führten zu einem positiven Urteil. Außerdem hat James Mellaart quasi im Alleingang das Neolithikum in Anatolien entdeckt und wichtige Fundstätten ausgegraben. Ich hatte großen Respekt für seine Leistungen, und was die Fälschungsvorwürfe betrifft, galt aus meiner Sicht die Unschuldsvermutung.Jetzt zitiert Sie Frank Thadeusz mit den Worten: „Ich habe einfach von Mellaart die Nase voll.“ Machen Sie es sich damit nicht zu einfach? Der Satz ist natürlich komplett aus dem Zusammenhang gerissen. Ich sprach mit Frank Thadeusz davon, dass die Sache ja auch faszinierende Aspekte habe: Da sitzt ein kluger Entdecker jahrzehntelang in seinem Studierzimmer und saugt die neuesten Erkenntnisse aus seinem Fachgebiet auf, um daraus Geschichten zu machen, die er dann als Übersetzungen von verschollenen Inschriften ausgibt. Allein der Inhalt der unveröffentlichten Manuskripte ist packend und manchmal geradezu hellseherisch. Natürlich ist es eine verlockende Aufgabe, diese Texte zu publizieren. Aber dieser Aufgabe wird sich wohl jemand anderes widmen, denn ich habe bis auf weiteres die Nase von Mellaart voll – das waren ungefähr meine Worte am Telefon, kurz nachdem ich maßlos enttäuscht und erschöpft aus London zurückgekehrt war.Die Hethitologin Annick Payne sagt, es sei nicht wissenschaftlich, die Existenz der Inschrift des Großkönigs Kupanta-Kurunta aus einer bloßen Zeichnung eines Mannes wie Mellaart als gesichert anzunehmen. Wie stehen Sie dazu? Das sehe ich genauso. Das haben wir auch nie getan.Wie steht es denn um die große luwische Hieroglypheninschrift aus Beyköy? Ist sie echt oder nicht? Das wissen wir nicht. In Mellaarts Arbeitszimmer haben wir keine Entwürfe oder sonstigen Hinweise auf eine Fälschung dieser Inschrift gefunden; der Vorwurf, eine Fälscherwerkstatt betrieben zu haben, bezieht sich auf andere Dokumente. In der Veröffentlichung der luwischen Hieroglypheninschrift im Dezember letzten Jahres haben der niederländische Linguist Fred Woudhuizen und ich Argumente aufgelistet, die für und gegen die Authentizität dieses Dokuments sprechen. Wir sind dabei zum Urteil gekommen, dass die Argumente für dessen Echtheit überwiegen. Es gibt heute keine neuen Erkenntnisse, und Fred Woudhuizen geht weiterhin davon aus, dass die Hieroglypheninschrift echt ist. Aber man ist natürlich noch skeptischer geworden. Ich möchte mir dazu kein Urteil erlauben.Max Gander hält Ihre Arbeitsweise für „methodisch fragwürdig“. Das ist ein heftiger Vorwurf. … auf den ich nur schwer etwas entgegnen kann, solange er ihn nicht konkretisiert oder begründet. Ist es methodisch korrekt, die Zeichnung dieser Inschrift dreißig Jahre lang in Schubladen versteckt zu halten? Verschiedene Fachleute kannten die Abschrift nämlich mindestens seit 1989. Als sich herumsprach, dass Fred Woudhuizen und ich dabei sind, diese Zeichnung zu publizieren, wurde uns mit schwerwiegenden Konsequenzen gedroht. Sind das die akzeptierten Methoden in der Altertumskunde? Durch unsere Publikation kann dieses Dokument nun erstmals von allen Experten beurteilt werden.Ist Ihre Theorie der Luwier nun widerlegt, wie Frank Thadeusz schreibt?Keineswegs. Es ist übrigens auch nicht meine eigene Theorie: Die Diskussion über die Luwier ist inzwischen rund hundert Jahre alt, und es liegen verschiedene Lehrbücher zu diesem Thema vor. Ich bin wohl zurzeit so eine Art Botschafter der Luwier, in Zukunft wird es auch andere geben. Das Material aus Mellaarts Nachlass habe ich erst vor neun Monaten erhalten. Es hätte, wenn es denn echt gewesen wäre, die Luwier-Theorie untermauert. Dass vieles davon offensichtlich gefälscht ist, ändert aber nichts an der bisherigen Forschung zu dem Thema.Welche Auswirkungen hat die Erkenntnis, dass Mellaart ein Fälscher war, auf Ihre Stiftung Luwian Studies, die sich Untersuchung des 2. Jahrtausends v.Chr. in Westkleinasien verschrieben hat?Es wäre natürlich großartig gewesen, wenn es die keilschriftlichen Bronzetafeln aus Beyköy tatsächlich gegeben hätte. Nun fehlt uns nach wie vor eine Geschichte des bronzezeitlichen Kleinasiens. Unsicher ist, wie gesagt, die Authentizität der luwischen Hieroglypheninschrift. Das alles ändert allerdings nichts daran, dass ein großer Teil der Bevölkerung Anatoliens im 2. Jahrtausend v.Chr. Luwisch sprach – und dass diese Bevölkerungsgruppen in ihrer politischen und wirtschaftlichen Bedeutung wenig erforscht sind. Meine Erkenntnisse aus 28 Jahren Beschäftigung mit diesem Thema behalten ihre Berechtigung. Auch die acht Artikel aus der Feder des „Spiegel“-Redakteurs Matthias Schulz sind weiterhin lesenswert. Es wäre sehr schade, wenn Frank Thadeusz die ganze Arbeit mit einem einzigen Beitrag zunichte gemacht hätte. Offen gesagt, verstehe ich auch seine Motivation nicht.Halten Sie sich für ein Genie?Natürlich nicht. Was sind denn meine wichtigsten Aussagen der letzten dreißig Jahre? Erstens: Nicht nur auf dem Burghügel von Troja, sondern auch fünfhundert Meter westlich davon gibt es bronzezeitliche Siedlungsschichten. Zweitens: Selbst wenn der Trojanische Krieg die Erfindung eines Dichters wäre, müsste es auf der östlichen Seite der Ägäis den Griechen ebenbürtige Gegner gegeben haben. Drittens: Im Westen Kleinasiens gibt es Hunderte von Siedlungsplätzen, die archäologisch noch nicht erforscht wurden. Diese Einsichten sind eigentlich ziemlich banal und die ganze Aufregung nicht wert. Wie geht es weiter?Wir stehen immer noch an der gleichen Stelle: Ohne Dokumente – echte Dokumente, die man in die Hand nehmen kann – kommen wir kaum weiter. Wir sind darauf angewiesen, dass die türkische Regierung den Kuratoren der archäologischen Sammlungen erlaubt, das eine oder andere bisher unveröffentlichte Dokument zu zeigen. Sobald dies geschieht, wird es spannend.Und mit der Geschichte von Mellaarts Fälscherwerkstatt?Ich gehe davon aus, dass die Texte Mellaarts eines Tages als Buch erscheinen. » Ein Artikel zum gleichen Thema erschien online bei Live Science.
Buchbesprechung „Die luwische Kultur“

Buchbesprechung „Die luwische Kultur“

Der Herausgeber der Fachzeitschrift „Folia Orientalia“, der polnische Sprachwissenschaftler Professor Tomasz Polański, hat soeben eine Buchbesprechung von „Die luwische Kultur – Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit“ publiziert. Das Buch von Eberhard Zangger war im Mai 2016 auf Englisch und im Oktober 2016 auf Deutsch erschienen, also lange bevor die jetzt kontrovers diskutierten Dokumente aus dem Nachlass von James Mellaart vorlagen.Der Rezensent sagt unter anderem: „Es ist ein Vergnügen, dieses reich illustrierte und grafisch ansprechende Buch zu öffnen. Als Gräzist und Archäologe möchte ich sagen, dass ich noch nie ein Buch oder eine Veröffentlichung gelesen habe, die bestimmte Passagen aus der homerischen und posthomerischen literarischen Tradition und ihre Beziehung zu der Zeit der Invasionen um 1200 v. Chr. so klar darstellen und dabei auch einen Bezug zur Geografie der Troas, Äoliens und Westkleinasiens sowie auch zur Topografie von Troja herstellen.[…] Zanggers Buch mit seinen erfrischenden Sichtweisen der Luwier und ihrer Kultur könnte sich für die philologische homerische Wissenschaft als unschätzbar erweisen.“
Owen Jarus berichtet in livescience.com über die Enthüllungen in James Mellaarts Arbeitsräumen

Owen Jarus berichtet in livescience.com über die Enthüllungen in James Mellaarts Arbeitsräumen

Der Journalist schreibt: „‚Er [Mellaart] benutzte den gleichen Ansatz über fünfzig Jahre lang‘, sagte Zangger zu Live Science. ‚Zunächst erwarb er sich ein enorm breites und tiefes Wissen [über das Gebiet, an dem er interessiert war]. Dann versuchte er, dieses Wissen zu nutzen, um ein kohärentes historisches Panorama zu entwickeln‘, sagte Zangger. Diese Vorgehensweise ist für einen Archäologen oder Historiker nicht ungewöhnlich. Der einzige Unterschied ist, dass rechtschaffene Forscher dann nach Beweisen suchen, die ihre Ideen stützen oder widerlegen. Stattdessen habe Mellaart ‚Zeichnungen von Artefakten und Übersetzungen von angeblichen Dokumenten fabriziert, um damit seine Theorien zu untermauern‘, sagte Zangger.“Auf den Bericht bei livescience.com folgten weitere unter anderem bei newsweek, scinexx und IFLscience.
James Mellaart erweist sich als Fälscher

James Mellaart erweist sich als Fälscher

Die Stiftung Luwian Studies hat im vergangenen Jahr Dokumente aus dem Nachlass des britischen Prähistorikers James Mellaart zur weiteren Untersuchung angenommen. Mellaart hatte diese Texte als besonders wichtig gekennzeichnet und in einer Notiz seine Nachlassverwalter um sofortige Veröffentlichung gebeten. Eine Sichtung des restlichen Nachlasses in Mellaarts Arbeitszimmer in London führte jetzt zu eindeutigen Beweisen, dass Mellaart diese Übersetzungen von angeblich rund 3000 Jahre alten Texten vollumfänglich erfunden hat.In Mellaarts Arbeitszimmer befanden sich weitere Beweise für Fälschungen, darunter in Schiefer gekratzte Skizzen angeblicher Wandmalereien aus Çatalhöyük. Notizbücher belegen, dass er sich zeitlebens mit luwischen Hieroglyphen beschäftigte, obwohl er behauptete, die Schrift nicht lesen zu können. Der Nachlass enthält auch ein komplett ausgearbeitetes Manuskript im Umfang einer Doktorarbeit über den sogenannten Dorak-Schatz. Die Entwürfe dazu hatten sich wahrscheinlich am Bosporus in der Sommerresidenz seiner Eltern befunden, die 1976 abbrannte. Für praktisch alles, was Mellaart danach produziert hat, finden sich in London Entwürfe und Prototypen.
redhistoria.com – Spanien

redhistoria.com – Spanien

Publicada la traducción de los jeroglíficos que explican el final de los hititas
„New Scientist“ berichtet ausführlich über die wiederentdeckten luwischen Hieroglypheninschriften

„New Scientist“ berichtet ausführlich über die wiederentdeckten luwischen Hieroglypheninschriften

„Wie der Nullte Weltkrieg drei bronzezeitliche Kulturen zur Strecke brachte“ – so lautet, frei übersetzt, der Titel eines vier Seiten umfassenden Artikels in der britischen populärwissenschaftlichen Zeitschrift New Scientist. Die Wiederentdeckung der Luwier, insbesondere der längsten luwischen Hieroglypheninschriften der Bronzezeit, ist eines der Themen in der Ausgabe vom 16. Dezember 2017.Gleichzeitig erschien ein ausführliches Interview mit dem Präsidenten der Stiftung Luwian Studies im Hiltibold, dem österreichischen Nachrichtenportal für Geschichtsinteressierte. Auch die türkischsprachige Presse nimmt die wissenschaftliche Publikation von acht hieroglyphischen Dokumenten und Fragmenten in Talanta zum Anlass für umfassende Berichte über die Luwier.
„NZZ Geschichte“ – eine Podiumsdiskussion über die archäologische Entdeckungsgeschichte der Luwier

„NZZ Geschichte“ – eine Podiumsdiskussion über die archäologische Entdeckungsgeschichte der Luwier

Trotz des stolzen Eintrittspreises von 80 Franken waren die 140 Sitzplätze im NZZ Foyer fast vollständig ausverkauft, als der Leiter der „NZZ Geschichte“-Redaktion, Peer Teuwsen, den Literaturwissenschaftler Jan Philipp Reemtsma und den Geoarchäologen Eberhard Zangger am 27. November 2017 zu einem eineinhalbstündigen Panelgespräch über die Erforschung der luwischen Kultur begrüßte. In den Mittelpunkt der Diskussion rückte bald der Umgang mit neuen Fragen und Erkenntnissen in der Forschung. Jan Philipp Reemtsma wies auf den US-amerikanischen Wissenschaftsphilosophen Thomas Kuhn hin, der in seiner Theorie eine Phase der sogenannten Normalwissenschaft ausmacht, in der Forscher zu bestimmten vorab vereinbarten Fragen mit ebenso gemeinsam definierten Methoden einen Erkenntnisgewinn herbeiführen. Irgendwann sind in dieser Phase jedoch alle erlaubten Fragen mit den zur Verfügung stehenden Methoden beantwortet. Dann sind es oft Aussenseiter bzw. Wissenschaftler aus anderen Disziplinen, die beginnen, ganz neue Fragen zu stellen – und ganz neue Methoden zu deren Beantwortung einzusetzen.Das Video zeigt einen Ausschnitt aus dem Panelgespräch. 

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Weitere Informationen

©orellfuessliverlag

Wissenschaftliche Publikation der Hieroglypheninschrift aus Beyköy erschienen und online frei verfügbar

Wissenschaftliche Publikation der Hieroglypheninschrift aus Beyköy erschienen und online frei verfügbar

Ab sofort ist die wissenschaftliche Veröffentlichung der längsten luwischen Hieroglypheninschrift aus der Bronzezeit frei verfügbar. Sie ist online bei Talanta – Proceedings of the Dutch Archaeological and Historical Society erschienen und kann unter diesem Link kostenlos heruntergeladen werden: https://luwianstudies.academia.edu/EZanggerDer Schweizer Geoarchäologe Eberhard Zangger und der niederländische Linguist Fred Woudhuizen präsentieren in dem Paper Transkriptionen, Übersetzungen und Kommentare nicht nur für das große Dokument aus Beyköy, sondern von insgesamt acht über 3000 Jahre alten luwischen Hieroglypheninschriften. Dadurch vergrößert sich mit einem Schlag die Anzahl der bis heute überlieferten Symbole dieser längst vergessenen bronzezeitlichen Schrift erheblich.Der Veröffentlichung war ein heftiger Gelehrtenstreit vorausgegangen. Zangger und Woudhuizen liefern eine Vermutung, warum manche Fachleute den Texten ihre Echtheit von vornherein absprechen. Sämtliche Transkriptionen luwischer Inschriften, die in den letzten Jahrzehnten erschienen sind, müssten nämlich noch einmal überprüft werden – wegen eines einzelnen Zeichens, das mit großer Wahrscheinlichkeit jahrzehntelang falsch interpretiert wurde. Von 1931 bis 1973 galt das Zeichen LH 376 als Ausdruck für den Vokal i. Dann schlug der englische Linguist David Hawkins vor, es als zi zu lesen, und setzte sich damit durch. Fred Woudhuizen konnte 2004 zeigen, dass das Zeichen LH 376 in Wirklichkeit teilweise als i und teilweise als zi gelesen werden muss. Die wiederentdeckte Inschrift aus Beyköy bestätigt nun diese Interpretation.
Interview mit Fred Woudhuizen über die Frage, ob die Hieroglypheninschrift aus Beyköy gefälscht sein könnte

Interview mit Fred Woudhuizen über die Frage, ob die Hieroglypheninschrift aus Beyköy gefälscht sein könnte

Kaum trat die luwische Hieroglyphenschrift aus Beyköy ans Tageslicht, äußerten sich Fachleute mit der Vermutung, dass es sich um eine Fälschung handeln könnte. Wie kommt es dazu? Tatsächlich erfuhren mein Koautor und ich schon von diesen Verdächtigungen, vier Wochen bevor die Nachricht um die Welt ging. Wir hatten damals noch nicht gewusst, dass die Inschrift seit geraumer Zeit bekannt ist. Einige Kollegen kennen sie seit 28 Jahren und besitzen sogar Kopien davon. Meiner Ansicht nach lassen sich die Fälschungsvorwürfe auf drei Ursachen zurückführen. Erstens fehlt das Originaldokument; wir haben nur eine Zeichnung. Zweitens stammt diese Zeichnung aus dem Nachlass von James Mellaart, einem Wissenschaftler, der angeblich Beweise gefälscht haben soll. Drittens enthält der Text einige grammatikalische Besonderheiten, die wir bisher nicht gesehen haben.Es könnten aber auch Grammatikfehler sein?Ich möchte betonen, dass der Text grammatikalisch korrekt und absolut sinnvoll ist. Tatsächlich enthält er einige Symbole, Ligationen und Schreibweisen, die wir bisher noch nicht kannten. Da es sich aber um die bei weitem längste luwische Hieroglypheninschrift aus der Bronzezeit handelt, finde ich dies nicht weiter verwunderlich. Wir wurden zum Beispiel darauf hingewiesen, dass kein luwischer Schreiber die Silbe /na/ verwenden würde, wie sie in á-la-na-ti+li, dem Namen des Großkönigs von Mira und Sohn von Kupuntakuruntas II., vorkommt. Es ist völlig richtig, dass wir das noch nie so gesehen haben. Allerdings hatten wir bisher auch keinen Text von diesem Umfang, aus dieser Region oder aus dieser Zeit. Wir wissen nicht einmal, wie Luwisch in Arzawa gesprochen wurde, da es bisher nur ganz wenige Dokumente gab. Die Leute hatten vielleicht eine ganz andere Einstellung gegenüber ihrer Schrift, als wir heute meinen. Kurz gesagt: Wenn ein so spektakulärer Text auftaucht, müssen wir davon ausgehen, darin Dinge zu finden, die wir bisher nicht kannten. Meiner Meinung nach sind die Abweichungen vielmehr klare Indizien für die Authentizität des Textes. Ein Fälscher, der in der Lage ist, sich ein so gewaltiges Dokument auszudenken, hätte wohl kaum durch die Erfindung neuer Schreibweisen Verdacht erregen wollen.Was ist Ihr wichtigstes Anliegen?Bevor man die Echtheit des Dokuments in Frage stellt, sollte man unsere wissenschaftliche Publikation kennen. Wir widmen der Diskussion, ob der Text eine Fälschung sein könnte, volle sechs Seiten – und ich denke, unsere Argumente sind überzeugender. Als Nächstes sollte man versuchen, die potenzielle Bedeutung des Textes für unser Fachgebiet zu ermessen. Natürlich muss es eine dialektische Auseinandersetzung geben, aber ich wünschte mir mehr Gelassenheit und auch ein wenig Wohlwollen. Die Untersuchung der luwischen Kultur profitiert enorm von der Aufmerksamkeit, die sie gerade bekommt. Wie sagte Natasha Frost in Atlas Obscura: „Endlich erfreut sich diese kaum bekannte Ecke der alten Geschichte eines Momentes an der Sonne.“ Jeder in unserem kleinen Forschungsgebiet darf diesen Moment an der Sonne genießen.Warum spricht die Herkunft des Materials – aus dem Nachlass von James Mellaart – gegen seine Echtheit?So würde ich das nicht formulieren. James Mellaart war ein hervorragender Prähistoriker und einer der erfolgreichsten Entdecker im 20. Jahrhundert. Bereits als junger Mann galt er als einer der weltweit renommiertesten Archäologen. Wir haben ihm viel zu verdanken – vor allem seine Entdeckungen und Ausgrabungen von Beycesultan, Çatalhöyük und Hacılar. Während seiner ganzen beruflichen Laufbahn brachte man den Namen Mellaart allerdings auch mit Artefakten fragwürdiger Herkunft in Verbindung. Mein Kollege Eberhard Zangger hat sich mit der Glaubwürdigkeit Mellaarts beschäftigt, nachdem dieser ihn bereits 1995 über die Bedeutung von Dokumenten aus Beyköy ins Bild gesetzt hatte. Es stellte sich heraus, dass keine Untersuchungskommission jemals zum Schluss kam, Mellaart hätte sich irgendetwas zuschulden kommen lassen oder gar gefälscht. Es gibt wirklich keinen Beweis dafür. Mellaarts Ruf ist viel schlechter, als er es verdient hätte.Hätte Mellaart die luwische Hieroglyphenschrift fabrizieren können?Nein, das ist absolut undenkbar. Mellaart konnte luwische Hieroglyphen nicht einmal lesen, geschweige denn schreiben. Er war auch gar nicht an der Auswertung dieses Materials beteiligt. Seinen Notizen zufolge hatte man ihn lediglich um einen Beitrag für eine Publikation gebeten, die unter anderem diese luwische Inschrift enthalten sollte. Es ist aber auch äußerst unwahrscheinlich, dass andere Wissenschaftler, die sich in den 1980er Jahren mit dem Text beschäftigten, diesen gefälscht haben. Das Dokument enthält eine Metaebene an Informationen, die den Gelehrten, die sich seinerzeit mit der Bearbeitung beschäftigten, völlig entging. Uns liegt die damalige Übersetzung vor, die aus heutiger Sicht geradezu unbeholfen ist. Hinzu kommt, dass die angebliche Fälschung vermutlich bereits vor 1990 hätte entstanden sein müssen. Oliver Gurney, der Direktor des British Archaeological Institute in Ankara, hat die Inschrift offenbar 1989 öffentlich präsentiert. Da die luwische Hieroglyphenschrift erst um 1950 entschlüsselt wurde, müsste die Inschrift also zwischen 1950 und 1990 fabriziert worden sein. Ich bezweifle, dass damals irgendjemand über das erforderliche Wissen verfügte. Ja ich wage zu behaupten, dass es selbst heute niemanden gibt, der das könnte.Wie ließe sich beweisen, dass die Inschrift tatsächlich existierte?Wichtig wäre, die Dokumente der Wissenschaftler zu finden, die in den 1980er Jahren an der Veröffentlichung der Inschrift arbeiteten. Uluğ Bahadır Alkım, dem die Verantwortung für die Publikation übertragen worden war, starb 1981. Es ist durchaus möglich, dass Dokumente des damaligen Projekts noch heute existieren – in seinem Nachlass, bei der Türkischen Historischen Gesellschaft oder bei einem Verlag. Darüber hinaus sind die Kuratoren der wissenschaftlichen Sammlungen in Istanbul und Ankara gefragt. Sie sind zwar nicht für diese spezielle Inschrift verantwortlich, aber nach allem, was wir wissen, gelangten im 19. Jahrhundert einige Dokumente in die Hände der osmanischen Regierung. Wenn nur eine dieser Inschriften öffentlich gezeigt würde, bekäme die ganze Diskussion einen anderen Verlauf. Das Gleiche gilt für Privatsammler und nicht zuletzt für Bauern, die immer wieder zufällig bedeutende Funde machen. Es schadet nichts, wenn sie sich damit an die archäologischen Behörden wenden.Wie geht es weiter?Unsere wissenschaftliche Arbeit wird in Kürze erscheinen. Ich hoffe, dass die Diskussion danach wissenschaftlicher und weniger emotional geführt wird. Außerdem werden weitere, bisher unbekannte luwische Hieroglyphentexte veröffentlicht werden. Ein besonders auffälliger soll in den anstehenden Fels gehauen worden sein. Wenn die Menschen in der Türkei erneut so begeistert reagieren wie auf die Hieroglypheninschrift von Beyköy, könnte es sein, dass diese Felsinschrift schon bald wiederentdeckt sein wird. Und ich möchte noch einmal betonen: Letztlich profitieren das gesamte Fachgebiet und damit wir alle von diesen Entdeckungen und Entwicklungen.  
Archaeology – USA

Archaeology – USA

Luwian Scholar Translates Possible Sea Peoples Inscription
The Times of Israel – Israel

The Times of Israel – Israel

Is this huge inscription our missing link to the biblical ‘Sea Peoples’?
Huffington Post – Deutschland

Huffington Post – Deutschland

1878 haben Forscher einen Stein gefunden – jetzt könnte er ein Jahrhunderte altes Rätsel lösen
Die Luwier im Rampenlicht

Die Luwier im Rampenlicht

Die Wiederentdeckung der längsten luwischen Hieroglypheninschrift der Bronzezeit stößt weltweit auf Medieninteresse. Der Spiegel widmet dem Thema drei Seiten. Popular Archaeology liefert einen umfassenden Artikel, in dem auch Gegenstimmen zu Wort kommen. So ist zum Beispiel der US-amerikanische Prähistoriker Eric Cline der Meinung, dass außerhalb der Stiftung Luwian Studies niemand daran glaubt, dass sich hinter den Seevölkern die Königreiche Westkleinasiens verbergen. Größer könnte die Differenz zwischen bisher akzeptiertem und neu erschlossenem Wissen kaum sein.
Das kanadische Wissenschaftsnewsportal livescience.com schreibt in seinem aufwendig recherchierten Beitrag, dass einige Gelehrte die Beyköy-Inschrift für eine Fälschung hielten – ohne allerdings Namen oder Argumente zu nennen.Zum Medienecho
“Die Luwier und der Trojanische Krieg – eine Entdeckungsgeschichte”

“Die Luwier und der Trojanische Krieg – eine Entdeckungsgeschichte”

Der Geoarchäologe Eberhard Zangger porträtiert in seinem neuen Buch acht Entdeckerpersönlichkeiten, die ab 1872 die Frühgeschichte Anatoliens erforschten. Rückblickend gelangen diesen Pionieren wichtige Durchbrüche – doch zu ihrer Zeit scheiterten sie allesamt am und im universitären System.
Wie ein Krimi liest sich die Forschungsgeschichte verschiedener Texttafeln aus Beyköy. Nachdem man jahrzehntelang nichts mehr von ihnen gehört hatte, machte sich Zangger auf die Suche nach Abschriften und fand sie im Nachlass des britischen Prähistorikers James Mellaart. Das Buch ist beim Orell Füssli Verlag in Zürich erschienen, umfasst 360 Seiten und enthält 44 Abbildungen (ISBN 978-3-280-05647-9).
Längste luwische Hieroglypheninschrift der Bronzezeit wiederentdeckt

Längste luwische Hieroglypheninschrift der Bronzezeit wiederentdeckt

Das heute im Orell Füssli Verlag in Zürich erschienene Buch „Die Luwier und der Trojanische Krieg – eine Entdeckungsgeschichte“ zeigt erstmals eine fast 30 Meter lange luwische Hieroglypheninschrift, die das Ende der Bronzezeit um ca. 1200 v. Chr. im östlichen Mittelmeerraum erklärbar macht. Eines der größten Rätsel der Mittelmeerarchäologie kann damit einer plausiblen Lösung zugeführt werden. Der gut 30 Zentimeter hohe Kalksteinfries mit der längsten bisher bekannten Hieroglypheninschrift aus der Bronzezeit wurde bereits 1878 in der Ortschaft Beyköy bei Afyonkarahisar im Westen der heutigen Türkei gefunden. Damals konnte der französische Archäologe Georges Perrot die Inschrift sorgfältig kopieren. Anschließend verbauten die Dorfbewohner die kostbaren Steine jedoch im Fundament einer Moschee.

Lydien-Konferenz in Izmir, Mai 2017

Lydien-Konferenz in Izmir, Mai 2017

Die Konferenz „Archaeology and History of Lydia from the Early Lydian Period to Late Antiquity“ fand am 17. und 18. Mai in Izmir statt. Eberhard Zangger und Fred Woudhuizen präsentierten ihre Analyse von zwei insgesamt 22 Seiten langen Briefen aus dem Jahr 1995, in denen der englische Prähistoriker James Mellaart die Inhalte der drei Bronzetafeln, die 1878 in Beyköy sichergestellt wurden, zusammenfasst. Die Regierung des Osmanischen Reichs hatte die Tafeln sichergestellt und in den 1880er Jahren eine davon im damals neu eröffneten Archäologischen Museum in Istanbul gezeigt. Sultan Abdülhamid II. ließ zwei Tafeln in seine Residenz, den Dolmabahçe-Palast, zur sicheren Aufbewahrung bringen. Sie sind seither nicht mehr öffentlich gezeigt worden.
Interview mit Eberhard Zangger über Zeitungsberichte und Expertenmeinungen zum Buch „Die luwische Kultur“

Interview mit Eberhard Zangger über Zeitungsberichte und Expertenmeinungen zum Buch „Die luwische Kultur“

Aus den jüngsten Zeitungsartikeln erhält man den Eindruck, dass Journalisten Ihrem Buch tendenziell positiv gegenüberstehen, während es Fachleute kritisch beurteilen. Wie erklären Sie sich das? Die Journalisten haben das Buch bekommen, darin gelesen, das Video meines Vortrags angeschaut und meistens auch ausführlich mit mir telefoniert. Nichts deutet darauf hin, dass jemand der bisher konsultierten Fachleute das Buch gesehen, geschweige denn darin gelesen hat. Ich gehe davon aus, dass diese Fachleute auf ihre wissenschaftliche Sorgfalt und Gründlichkeit stolz sind. Dessen ungeachtet scheuen sie sich nicht, ihre aus der Lektüre von Zeitungsartikeln hervorgegangenen Vorurteile und Bauchgefühle in die Öffentlichkeit zu tragen.In wenigen Worten, worum geht es Ihnen wirklich?Erstens darum, dass die Mittel- und Spätbronzezeit in Westkleinasien im Vergleich zu Griechenland, Kreta und Zentralkleinasien zu wenig erforscht ist. Zweitens darum, dass man eine so große Region nur durch die Kombination von bereits vorhandenem archäologischen Wissen und modernen naturwissenschaftlichen Methoden erfassen kann. Drittens darum, dass man die geschichtlichen Abläufe wohl kaum verstehen wird, indem man sie in ihre Einzelteile zerlegt. Stattdessen müssen wir die uns verfügbaren Quellen, also die Dokumente und den archäologischen Befund, zusammen betrachten. Es geht auch darum, ausgesprochen komplexe Themen verständlicher zu machen, zum Beispiel indem man sie geschickt illustriert. Und es geht darum, Anregungen für zukünftige Untersuchungen zu liefern.Laut den Zeitungsartikeln sprechen Sie von einer Großmacht, die bisher übersehen wurde. Stimmt das? Nein, davon kann überhaupt gar keine Rede sein. Mir ist vollkommen schleierhaft, wie der Begriff Großmacht in die Berichterstattung gekommen ist, in meinem Buch findet er sich nur einmal in einem Zitat aus dem Jahr 1946. Meines Erachtens gab es am Ende der Bronzezeit keine Großmächte im östlichen Mittelmeerraum. Die meisten Regionen waren in Form von Kleinkönigreichen organisiert und daher politisch zerstückelt. Das gilt sicher für Griechenland, Syrien, Kanaan und auch für Westkleinasien. Bestenfalls waren diese Regionen vorübergehend föderalistisch organisiert. In diesen Zeiten hing ihre politische und militärische Macht davon ab, wie viel Gewalt bei den einzelnen Fürsten und wie viel beim tonangebenden Herrscher lag.Michael Galaty sagt, dass ein militärischer Zusammenschluss internationaler Kriegsführung entspräche und dass es dafür am Ende der Bronzezeit keine Anzeichen gibt. Wie sehen Sie das? Unsere Informationen über die politische und militärische Organisation stammen eigentlich komplett aus den Dokumenten der damaligen Zeit und aus späteren Texten, die sich auf das heroische Zeitalter beziehen. Diesen Dokumenten zufolge gab es häufig militärische Allianzen und auch Konföderationen. Die sogenannten Seevölker-Inschriften führen ja ausdrücklich die einzelnen an den Überfällen beteiligten Stämme auf. Wir erfahren in den Inschriften über die Schlacht von Kadesch, wer dem hethitischen Großkönig Muwatalli II. zur Seite stand. Wir kennen das Aššuwa-Bündnis aus der Zeit um 1400 v. Chr., in dem sich 22 Kleinstaaten in Westkleinasien zusammengeschlossen hatten. Es gibt auch verschiedene Texte aus Hattuša, in denen der Großkönig Bündnisse erwähnt, die sich gegen ihn formierten. Schließlich haben wir auch den Schiffskatalog und die Auflistung der trojanischen Kontingente in der Ilias, wo im Detail aufgeführt ist, wie sich die Heere zu beiden Seiten der Ägäis zusammensetzten. Dies sind aber nur die bekanntesten Quellen für militärische Bündnisse. Es gibt noch viele weitere.Handelte es sich bei den Luwiern tatsächlich um ein bisher übersehenes Volk?Meines Erachtens nicht, jedenfalls war es nicht meine Intention, so etwas zu behaupten. Ich spreche ausdrücklich nicht von Ethnie, sondern von der Jurisdiktion. Es geht nicht um den Begriff Volk, sondern um die Region. Nicht das Volk der Luwier ist zu wenig erforscht, sondern die Region Westkleinasien, unabhängig davon, welcher Ethnie die damaligen Einwohner zugeordnet werden können.Jörg Klinger sagt, von einem geschlossenen Volk auszugehen entspreche der Denkweise von vor hundert Jahren. Wie sehen Sie das? Das sehe ich genauso. Um die Kommunikation zu erleichtern, hat man vor rund hundert Jahren Begriffe eingeführt wie die Mykener, die Minoer und die Hethiter. Heute wissen wir, dass diese Begriffe irreführend sind. Achilles, wenn es ihn denn gegeben hätte, würde sich vermutlich im Grabe umdrehen, wenn man ihn als Mykener bezeichnen würde. Diese Denkweise ist tatsächlich veraltet – was Jörg Klinger allerdings nicht davon abgehalten hat, ein Buch mit dem Titel «Die Hethiter» zu verfassen. Das Problem ist, dass sich die Ägäische Frühgeschichte heute noch weitgehend der Denkmodelle von vor hundert Jahren bedient. In diesen Modellen klafft eine große Lücke in Westkleinasien. Bisher hat man diese Lücke zu schließen versucht, in dem man die Einflussbereiche der mykenischen und der hethitischen Könige immer weiter ausdehnte. Ich hätte die Akzeptanz meiner Grundthese erleichtert, wenn ich von «westkleinasiatischen Staaten» gesprochen hätte. Da die Begriffe Mykener, Minoer und Hethiter etabliert und gebräuchlich sind, habe ich der Einfachheit halber die Menschen, die damals Westkleinasien lebten, als Luwier bezeichnet. Es bleibt aber ein abstrakter, vereinfachender Begriff und keine ethnische Bezeichnung. Dies wird in meinen Publikationen überaus deutlich gemacht.Es heißt, Sie kritisieren die etablierte Archäologie. Stimmt das? Ganz eindeutig kritisiere ich die Modelle, die vor hundert Jahren herrschten, als die Ägäische Frühgeschichte definiert wurde. Meines Wissens machen das aber eigentlich alle Archäologen. Die derzeitige Diskussion findet allerdings auf einem dermaßen tiefen Niveau statt, dass Kritik an der archäologischen Methodik – deswegen – nun zwingend erforderlich wird. Die Oberflächlichkeit und die Verzerrungen in den Medien sorgen dafür, dass Leute, die in ihrem Urteil der Archäologie bisher wohlwollend gegenüberstanden, jetzt tendenziell eher kritisch sein werden. Wir haben eine vergleichbare Entwicklung beim Troja-Streit erlebt. Der Archäologie fehlt im deutschsprachigen Raum offensichtlich eine Kultur, bei der auf Augenhöhe debattiert wird, ohne sich persönlich zu verletzen.Wie ist es im Falle Ihres Buches zu der Polarisierung gekommen?Rekapitulieren wir den Prozess. Ein Buch kommt auf den Markt. Der Autor sendet einem Wissenschaftsjournalisten ein Exemplar. Der Wissenschaftsjournalist wählt aus den vielen im Buch angesprochenen Aspekten ein Thema aus, das ihm für ein großes Publikum möglichst interessant erscheint. In seiner Berichterstattung dreht sich dann alles nur noch um dieses eine Thema, obwohl es für den Autor vielleicht von völlig untergeordneter Bedeutung war. Damit die Sache Leser findet, wird sie spektakulär aufgebauscht und zum Nullten Weltkrieg erklärt. So wird der Bericht zur Karikatur dessen, was das Buch eigentlich sagen wollte. Diese Karikatur wird jetzt Fachleuten vorgehalten, die weder den Autor noch seine bisherigen Publikationen kennen und das aktuelle Buch noch nie in Händen gehalten haben. Von den Fachleuten wird erwartet, dass sie sich möglichst differenziert zu etwas äußern, was offensichtlich nur eine Fratze ist. Zwangsläufig ist ihr Kommentar vernichtend. Sie bemerken dabei gar nicht, dass ihre Vorgehensweise und die Qualität ihrer Kommentare letztlich noch weniger Substanz haben und angreifbarer sind als das eigentliche Objekt ihrer Kritik. Es ist erschreckend, auf welch tiefem Niveau sich die wissenschaftliche Dialektik befindet. Trost verschafft einem allenfalls die Erkenntnis, dass dies in den letzten hundert Jahren zu allen Zeiten so war. Den Forschern, denen wir die wichtigsten Entdeckungen in der Archäologie Kleinasiens verdanken, haben deren Kollegen das Leben schon immer sehr schwer gemacht.Wie geht es weiter?Die Naturwissenschaften halten Einzug in die Archäologie, daran führt kein Weg vorbei. Was wir zurzeit sehen, ist ein Aufbäumen von Autoritäten, die, so wie einst Manfred Korfmann, das Interpretationsmonopol für ihre Fundstätte bzw. für ihr definiertes Themengebiet beanspruchen. Sie sind die Vertreter einer Gesellschaft, die im Sinne des Obrigkeitsstaats hierarchisch organisiert ist. In vielen Teilen der Gesellschaft haben wir gesehen, wie diese Denkweise durch den Verhandlungsstaat ersetzt wurde, in dem letztlich die Qualität und Überzeugungskraft der Argumente entscheidet. So wird es auch in der Archäologie sein. Die Platzhirsche sterben aus, wie die Industriebarone der 1960er Jahre. Ersetzt werden sie durch Technokraten und Pragmatiker, die möglichst effizient und effektiv echte Lösungen für die anstehenden Probleme entwickeln.Ihr Fazit?Mein Buch schließt mit der Aufforderung: Grabt – und bitte, grabt tiefer! Das würde ich heute ergänzen mit: Lest! Und bitte, lest mehr und genauer!
Das Buch „Die luwische Kultur“ erscheint auf Deutsch

Das Buch „Die luwische Kultur“ erscheint auf Deutsch

Sechs Monate nach dem Erscheinen des Buches „The Luwian Civilization“ ist das Buch nun auch auf Deutsch verfügbar. „Die luwische Kultur – Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit“ ist sein Titel. Das Buch wurde von Eberhard Zangger verfasst und ist bei Ege Yayınları in Istanbul erschienen. Es umfasst 330 Seiten und 158 Farbabbildungen und ist ab sofort verfügbar (ISBN 978-605-9680-21-9). Das Buch enthält praktisch alle Texte und die meisten der Abbildungen, die auch auf Website sind. Wer sich für die Mittel- und Spätbronzezeit in Westkleinasien interessiert, hat jetzt die Wahl online oder in Form eines Buches darüber zu lesen. Das Erscheinen der englischen Ausgabe im Mai 2016 hat eine weltweite Medienresonanz gefunden.“Die luwische Kultur – Das fehlende Element in der Ägäischen Bronzezeit”
Poster „Das Ende der Ägäischen Bronzezeit“ ab sofort verfügbar

Poster „Das Ende der Ägäischen Bronzezeit“ ab sofort verfügbar

Die Hauptaussage der Stiftung Luwian Studies ist, dass die Erforschung der Ägäischen Frühgeschichte bisher unter einer Art Konstruktionsfehler litt, weil sie sich fast ausschließlich mit archäologischen Fundstätten auf europäischem Boden befasste. Ab sofort ist ein neues A3-Poster verfügbar, das den Unterschied zwischen den bisherigen Lehrmeinungen und dem neuen von Luwian Studies vorgeschlagenen Modell verdeutlicht. Das Poster kann hier als PDF entweder mit englischen oder mit türkischen Texten heruntergeladen werden, erfordert jedoch einen Farbdrucker für A3-Format. Wir empfehlen den Ausdruck in einem Copyshop.The End of the Aegean Bronze Age Ege’de bronz çağinin sonu
Kolloquium Luwian Studies am 3. November in Zürich

Kolloquium Luwian Studies am 3. November in Zürich

Luwische Sprache und Schrift sind das Thema des ersten Kolloquiums der Stiftung Luwian Studies, das am 3. November 2016 im „Zentrum Karl der Grosse“ in der Altstadt von Zürich stattfinden wird. Viele der (wenigen) Experten, die sich mit diesen frühen indoeuropäischen Sprachzeugnissen befassen, werden anwesend sein. Die Referate von Annick Payne (Basel), Frederico Giusfredi (Verona) und Ilya S. Yakubovich (Marburg) behandeln die Forschungsgeschichte, die Quellenlage und das Luwische im Kontext der indogermanischen Sprachen.
Realm of History – Indien

Realm of History – Indien

Archaeologist Talks About A Bronze Age ‘World War Zero’ That Brought Down Three Ancient Civilizations
Weltweite Medienaufmerksamkeit

Weltweite Medienaufmerksamkeit

Der Start der Luwian Studies Website auf Deutsch und Englisch hat grosse Aufmerksamkeit der Medien bekommen: New Scientist, NZZ, Die Zeit, Popular Archaeology, Daily Mail, Red Orbit, Huffington Post und TO BHMA in Griechenland berichten wohlwollend über die Revitalisierung der Ägäischen Frühgeschichte. New Scientist erstellte ein einminütiges Video, das bereits innerhalb der ersten zehn Stunden über 100 000 Personen sehen wollten. Zum Medienecho Video New Scientist
Red Orbit – USA

Red Orbit – USA

Study discovers new prehistoric civilization in ancient Europe
Die Website von Luwian Studies ist auf Englisch und Deutsch aufgeschaltet

Die Website von Luwian Studies ist auf Englisch und Deutsch aufgeschaltet

Ein Jahr nach dem Go-live der Luwian Studies Website auf Türkisch ist jetzt die komplette Website auch auf Englisch und Deutsch verfügbar. Ihrem Prinzip folgend, freien Zugang zu Material zu gewähren, das für zukünftige Forschung relevant ist, hat Luwian Studies auch die Datenbank von über 340 mittel- und spätbronzezeitlichen Siedlungsplätzen in Westkleinasien online verfügbar gemacht. Die Benutzer finden die genauen Koordinaten, die in den Fundstätten vertretenen Epochen, Verweise auf die einschlägige Literatur, eine vollständige Bibliografie, Fotos von der Fundstätte und – bis Ende 2016 – auch eine kurze Beschreibung des Siedlungsplatzes.
Buch „The Luwian Civilization“ erschienen

Buch „The Luwian Civilization“ erschienen

Die Stiftung Luwian Studies gab heute einerseits das Go-live ihrer Website auf Englisch und Deutsch bekannt, anderseits die Veröffentlichung eines Buchs mit dem Titel „The Luwian Civilization – The Missing Link in the Aegean Bronze Age“. Das Buch enthält praktisch alle Texte und die meisten der Abbildungen, die die englische Version der Website umfasst. Wer sich für die Mittel- und Spätbronzezeit in Westkleinasien interessiert, hat jetzt die Wahl, online oder in Form eines Buches darüber zu lesen. Das Buch wurde von Eberhard Zangger verfasst und ist bei Ege Yayınları in Istanbul erschienen. Es umfasst 292 Seiten und 148 Farbabbildungen und ist ab sofort verfügbar (ISBN 978-605-9680-11-0).
Vorträge an den Universitäten von Aksaray, Kırşehir und Ankara Gazi

Vorträge an den Universitäten von Aksaray, Kırşehir und Ankara Gazi

Eine Reihe weiterer Vorträge über die luwische Zivilisation fand vom 4. bis 6. Mai auf Einladung der Universitäten von Aksaray, Kırşehir und Ankara Gazi statt. Im Foto gratuliert Professor S. Yücel Şenyurt, Leiter des Insituts für Archäologie an der Gazi-Universität in Ankara, Eberhard Zangger nach seinem Vortrag. Der Redner betonte dabei den Ansatz, der die Vorgehensweise von Luwian Studies charakterisiert: Erstens eine wissenschaftlich fundierte Methodik; zweitens eine vorurteilsfreie Herangehensweise; drittens die Gewährung von freiem Zugang zum Material; und viertens visuell informative Illustrationen.
Professor Christian Marek zu Besuch bei Luwian Studies

Professor Christian Marek zu Besuch bei Luwian Studies

Professor Christian Marek, Althistoriker, Epigraphiker und Autor des Standardwerks Geschichte Kleinasiens in der Antike besuchte das Team von Luwian Studies und sagte anschließend: „Ein Besuch bei Herrn Zangger und seinem Team in den Büroräumen der ‚Luwian Studies‘ in Zürich hat mich sehr beeindruckt. Historisch-archäologische Fragestellungen besonders auf dem Gebiet der Mittleren und Späten Bronzezeit in Anatolien werden hier in unkonventioneller Weise angedacht. Dabei spielen naturwissenschaftliche Methoden die Schlüsselrolle. Ihr fachlich fundierter Einbezug lässt manche dieser Fragestellungen in einem neuen Licht erscheinen und auf originelle Erkenntnisse hoffen. Die forscherische Energie begleitet eine bewundernswerte Sorgfalt des Teams, Ideen in graphischen Darstellungen sichtbar und verständlich zu machen. Dazu wird ein technischer Aufwand getrieben, der Anschauungsmaterial vorzüglicher Qualität produziert. Die ‚Luwian Studies‘ sind somit besonders prädestiniert, das Interesse einer breiten Öffentlichkeit zu gewinnen.“
Wissenschaftlicher Artikel fasst Hauptideen von Luwian Studies zusammen

Wissenschaftlicher Artikel fasst Hauptideen von Luwian Studies zusammen

Im Nachgang zum 11. Internationalen Kolloquium der Heinrich-Schliemann-Gesellschaft im September 2015 erschien soeben der Sammelband der Vorträge. Ein 36-seitiger Artikel (in deutscher Sprache) fasst die grundsätzlichen Erkenntnisse und Thesen von Luwian Studies zusammen. Der Artikel ist als PDF zum Download hier verfügbar.
Vorträge über die Luwier an Universitäten von Izmir, Kocaeli und Denizli

Vorträge über die Luwier an Universitäten von Izmir, Kocaeli und Denizli

Vom 7. bis 10 März hielt Dr. Eberhard Zangger, Präsident von Luwian Studies, eine Reihe von Vorträgen über die luwische Zivilisation auf Einladung der Universität Dokuz Eylül in Izmir, der Universität Kocaeli und der Universität Pamukkale in Denizli. Das Newsportal arkeoskop.com berichtete über den Vortrag in Kocaeli. Zangger betonte, dass die luwischen Schriftzeichen bereits fast 100 Jahre bekannt waren, als hethitische Keilschrifttexte erstmals entdeckt wurden. Die luwischen Hieroglyphen waren sogar 1400 Jahre lang im Gebrauch. Und das Gebiet, in dem Luwisch gesprochen wurde, war größer als die mykenischen, minoischen und hethitischen Kulturkeise zusammengenommen.Arkeoskop.com Arkeofili.com
Großes Publikum an der Selçuk Universität in Konya

Großes Publikum an der Selçuk Universität in Konya

Auf Einladung der Archäologischen Gesellschaft von Konya sprach Dr. Eberhard Zangger vor 250 Studenten und Dozenten an der Selçuk Universität in Konya. Der Redner betonte das Potenzial künftiger Untersuchungen in der Ägäischen Bronzezeit. Ausgrabungen im Westen der Türkei könnten wichtige Informationen über die einheimischen anatolischen Kulturen des 2. Jahrtausends v. Chr. liefern.
45-minütiges Video erklärt die Bedeutung der Luwier

45-minütiges Video erklärt die Bedeutung der Luwier

Auf der Website der Luwian Studies gibt es jetzt ein 45-minütiges Live-Video eines Vortrags, den Dr. Eberhard Zangger während einer Konferenz im Januar 2015 gehalten hat. Das Video ist sowohl auf Englisch als auch in einer Version mit türkischen Untertiteln verfügbar. Dr. Zangger erläutert die jüngste Forschungsinitiative, die zur Katalogisierung von 340 archäologischen Stätten aus dem 2. Jahrtausend v. Chr. führte, die zwischen dem mykenischen und dem hethitischen Reich liegen. Er betrachtet die Menschen, die an diesen Orten lebten, als Luwier und führt eine Reihe von Schlüsselfakten auf, die bereits über ihre bisher weitgehend übersehene Zivilisation verfügbar sind.
Die Pioniere der Archäologie Anatoliens

Die Pioniere der Archäologie Anatoliens

Die Pioniere der Archäologie Anatoliens hatten stets einen schweren Stand. Ohne Heinrich Schliemann, Hugo Winckler, Emil Forrer, Helmuth Bossert und James Mellaart wüssten wir vielleicht auch heute noch so gut wie nichts über die Kulturen Kleinasiens vor der griechischen Kolonisation. Statt Dank zu erhalten, wurden die Entdecker mit Verachtung gestraft. Die meisten erhielten nie eine Stelle im akademischen Betrieb oder blieben ihr Leben lang geächtet.
Diskos von Phaistos könnte luwische Schrift und Sprache darstellen

Diskos von Phaistos könnte luwische Schrift und Sprache darstellen

Wenige Funde in der Archäologie haben so viel Anlass für Kontroversen geliefert wie der Diskos von Phaistos, eine Scheibe aus gebranntem Ton mit 15 cm Durchmesser, auf der über 240 spiralförmig angeordnete Motive eingestempelt wurden. Die Scheibe wurde am 3. Juli 1908 bei Ausgrabungen im minoischen Palast von Phaistos gefunden, in der Nähe der Südküste von Kreta. Der Diskos ist geradezu berüchtigt, weil es sich scheinbar um das isolierte Auftreten einer Schrift und Sprache handelt. Unter den unzähligen Versuchen, den Inhalt des Texts zu entschlüsseln, ragt eine aus. Sie wurde erstmals 1988 vom Prähistoriker Jan G.P. Best von der Universität Amsterdam und dem niederländischen Sprachwissenschaftler Dr. Fred Woudhuizen vorgestellt. Die Autoren erkannten viele Parallelen zwischen bekannten luwischen Hieroglyphen und den Zeichen auf dem Diskos von Phaistos. Diese Parallelen gehen so weit, dass die Inschrift leicht lesbar wird. Luwian Studies bietet die Übersetzung der niederländischen Forscher nun auf ihrer Website in vollem Umfang.
Nichthomerische Troja-Berichte

Nichthomerische Troja-Berichte

Heutzutage ist die Erinnerung an Troja untrennbar mit der Ilias des griechischen Dichters Homer verbunden. Doch zahlreiche Autoren der Antike und bis ins Mittelalter hinein haben über die Stadt und ihren Untergang berichtet. Unter dem neu eingerichteten Hauptnavigationspunkt „Quellen“ auf ihrer Website stellt die Luwianistik eine Reihe dieser nicht-homerischen Berichte vor. Wer sich für die Ereignisse der Bronzezeit interessiert, findet hier alternative Berichte über den Untergang Trojas und anregende Hinweise für künftige Forschungen.
Wie die Türkei von Luwian Studies profitieren könnte

Wie die Türkei von Luwian Studies profitieren könnte

Im Rahmen eines Vortrags in Ankershagen in Deutschland hat Dr. Eberhard Zangger, Geoarchäologe und Präsident des Stiftungsrates von Luwian Studies, heute geschildert, wie die moderne Türkei wirtschaftlich von einer verstärkten Erforschung der Bronzezeit profitieren könnte. Als geladener Redner der Heinrich Schliemann-Gesellschaft, einer Gruppe von Forschern, die sich mit dem Entdecker von Troja befasst, sagte Zangger: „Derzeit erzielt die Türkei einen Jahresumsatz von etwa 10 Milliarden Euro im Tourismus. Wenn spektakuläre Entdeckungen aus der Bronzezeit ein Echo in den internationalen Medien fänden und dies die Zahl der Touristen um nur ein Prozent steigern würde, wäre der Umsatz 100 Millionen Euro pro Jahr höher. Bedenkt man, dass Ideen in dieser Art erstmals vor 23 Jahren veröffentlicht wurden, hat die Türkei schon heute auf Erträge von mehreren Milliarden Euro verzichtet.“
Luwian Studies jetzt auf Facebook

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Wir sind zurück von Geländearbeiten in der Türkei und bringen viele spannende Ergebnisse mit. Folgen Sie uns ab sofort auf Facebook – auf Türkisch.
Haberim Port – Türkiye

Haberim Port – Türkiye

Luvi Uygarlığı’na ait şehir kalıntıları Truva Antik Şehri’nde çıkarılmayı bekliyor
Die Stadt Troja liegt verschüttet in der Talaue

Die Stadt Troja liegt verschüttet in der Talaue

Die türkische archäologische Fachzeitschrift Olba hat heute einen Artikel veröffentlicht, aus dem hervorgeht, dass die bronzezeitliche Stadt Troja bisher noch nicht gefunden werden konnte. Sie liegt 5 Meter tief in der Flussaue des Karamenderes verschüttet, ein paar hundert Meter westlich von der berühmten archäologischen Fundstätte Hisarlιk, die allgemein als „Troja“ bezeichnet wird. Der Schweizer Geoarchäologe Eberhard Zangger und der türkische Archäologe Serdal Mutlu rekonstruieren gemeinsam das Wasser-Management-System, das in Troja existiert haben könnte.“Troia’daki Yapay Limanlar ve su Mühendisliğı: Bir Jeo-Arkeolojik Çalışma Hipotezi” [PDF, 3 MB] Eberhard Zangger & Serdal Mutlu, Olba 2015, vol. 23, 553-589.
Luwian-Studies-Website wird aufgeschaltet

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Die internationale gemeinnützige Stiftung Luwian Studies präsentiert auf ihrer umfangreichen Website eine neue Sicht der ägäischen Bronzezeit. Das einzige Ziel der Stiftung ist es, die Erforschung der Kulturen des 2. Jt. v. Chr. in Westkleinasien voranzutreiben. Dabei handelt es sich auch um die Zeit des Trojanischen Krieges. Die Frage ist: Wer waren eigentlich die Menschen, die auf der Seite von Troja kämpften?
Luwische Kultur entdeckt

Luwische Kultur entdeckt

Forscher der neu eingerichteten Stiftung Luwian Studien haben 340 ausgedehnte Siedlungsplätze des 2. Jt. v. Chr. im westlichen Kleinasien katalogisiert, die weder der mykenischen noch der hethitischen Kultur zugeordnet werden können. Die Stiftung setzt sich dafür ein, den neu entdeckten Kulturkreis der luwischen Zivilisation zuzuordnen.